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Full text: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

 
sind die Bedeutungskoetfizienten zu ersehen, 
die schon im Mittelalter den Hauptplatz und die 
obere Langgasse dem Adel und dem eintluß- 
reichen Bürgertum zuwiesen. Die Langgasse war 
als Durchzugsstraße auch den Gaststätten und 
Läden vorbehalten, wogegen sich Handwerk und 
Gewerbe im nordöstlichen Teil („Spor"-, „Bin- 
der"-, „Heber"-[Weinfröchter-]gasse) festsetzten. 
Im südlichen Teil um die Murgasse war die 
bäuerliche Bevölkerung angesiedelt, die außer- 
halb der Stadtmauern ihre Felder bestellte. 
Die Hauptbedeutung Radkersburgs war in seiner 
Anlage als Festungsstadt an strategisch wichti- 
ger Grenze begründet. Der mittelalterliche 
Mauerzug, im 13. Jahrhundert angelegt, im fol- 
genden erneuert und auf Grund der Türken- 
eintölle von 1418 verstärkt, ist in weitem Ver- 
lauf vorhanden, von zehn Wehrtürmen sind vier 
erhalten. Der erneute Vorstoß der Türken von 
1480 und die Eroberung Ungarns veranlaßten 
den steirischen Landtag 1546, den Bau einer 
neuen Befestigung anzuordnen und mit der Lei- 
tung den Luganer Architekten und Festungs- 
baumeister Domenico dell'Allio zu beauftragen. 
Die neuen Kurtinen wurden annähernd gleich- 
lautend zur mittelalterlichen Ringmauer aufge- 
führt und an den Ecken durch weitausladende, 
im typischen Fünteckgrundriß angeordnete Ba- 
stionen bewehrt. 1582 wurde Radkersburg zur 
„Grenzteste des Reiches" erhoben. Sechs der 
sieben Basteien sind bis heute erhalten bzw. im 
Gelände deutlich auszunehmen. Lediglich im 
Süden, da, wo das Grazer Tor stand, erfolgte 
mit dem Neubau der Sparkasse von 1896 ein Ein- 
bruch der Gründerzeit und eine Zerstörung der 
nahe an das Murufer herangerückten Bastei. 
Neben der militärischen Geltung war Radkers- 
burg durch eine Reihe von Handels- und Markt- 
privilegien ausgezeichnet, welche die Stadt schon 
im 14. Jahrhundert zu einer ersten wirtschaftli- 
chen Blüte führten. Durch den Handel mit den 
bodenständigen Gütern Wein, Getreide, Vieh 
und dem von Norden eingeführten Salz und 
Eisen ist Radkersburg im 17. und 18. Jahrhundert 
ein Umschlagplatz hohen Ranges geworden, in 
dem es manche Familien (Payr, Wechsler, Eggen- 
berger) zu Ansehen und Wohlhabenheit ge- 
bracht haben. 
Die wirtschaftliche und die militärische Bedeu- 
tung bestimmten gleichermaßen die von wechsel- 
vollem Geschick heimgesuchte Stadt, welche die 
Folgen der Religiansfehden im 16. Jahrhundert, 
die gewaltsame Rekatholisierung, die durch den 
Dreißigiährigen Krieg bedingten Steuerlasten, 
wiederholte Bedrohungen durch türkische Heer- 
scharen (die durch den 1664 erfochtenen Sieg 
Montecuccolis in der Schlatch bei St. Gotthart 
 
an der Raab abgewendet wurden) und 
Kuruzzen und zwischendurch immer wieder 
de und Hochwasser zu überstehen hatte 
im frühen 18. Jahrhundert kam es wied 
einer Konsolidierung; Kaiser Karl Vl. fö 
Gewerbe und Handel, die Mur war ein t 
ger Handelsweg, Radkersburg ein bedeut 
Umschlagplatz für den Warenaustausch 
Ungarn und nach Deutschland geworden. 
Im 19. Jahrhundert stagnierte die komme 
Bedeutung, der Schiffsverkehr nahm ab, 
die Eisenbahnlinie Graz-Marburg (1848) 
Radkersburg in eine Randlage, die erst 
durch eine Stichbahn Anschluß an die t 
strecke fand. Die Befestigung wurde 1771 
gehoben, die beiden Stadttore (das nör 
 
 

	        

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