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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

Peter Pötschner 
Denkmalschutz und 
Denkmalpflege in Wien 
Die besondere Problematik des Denkmalschutzes 
und der Denkmalpflege in Wien ergibt sich zu- 
nächst aus der hohen Zahl und der außerge- 
wöhnlichen Qualität der Denkmäler. Man kann 
von einer großen „Denkmaldichte" sprechen. Ein 
weiterer, weniger erfreulicher Aspekt ist der 
hohe Preis der Baugründe gerade in denkmal- 
reichen Stadtgebieten. Da die Gewinne aus der 
lebhaft betriebenen Bodenspekulation meist nur 
bei Abbruch und Neuverbauung realisierbar 
sind, ist praktisch iedes ältere Obiekt in diesen 
Bereichen gefährdet. Dieser besonderen Situa- 
tion entspricht eine derzeit sehr lebhafte Pu- 
blicity. In der Hauptstadt, dem Zentrum der Mas- 
senmedien, entgeht der Öffentlichkeit kaum ein 
Ereignis auf dem heute so aktuellen Gebiet 
des Denkmalschutzes, ia die Zeitungen suchen 
geradezu einschlägige Neuigkeiten. Das wirkt 
sich für den Denkmalschutz in der Regel segens- 
reich aus. Nicht wenige Denkmäler sind in den 
letzten Jahren durch die wirkungsvolle Hilfe der 
Medien dem drohenden Untergang entrissen 
worden. 
Gerettet ist nun auch nach mehr als fünfjähri- 
gem Kampf das Faniteum in Ober-St.-Veit. Das 
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um 1895 von dem Basler Architekten Emanuel 
La Roche errichtete Bauwerk ist dem Gedächtnis 
der 1893 im Kindbett verstorbenen Gräfin Fanita 
Lanckaronski gewidmet und war ursprünglich 
ein Erholungsheim für bedürftige iunge Mädchen. 
Mit seiner geräumigen Kapelle (die ursprünglich 
als Mausoleum dienen sollte) ist das Gebäude 
für geistliche Zwecke prädestiniert, doch fand 
sich lange keine geeignete Verwendung. Durch 
eine glückliche Fügung wird es nun im Jahr des 
Denkmalschutzes als Kloster für Karmelitinnen 
revitalisiert werden können. 
Die genaue Zahl der unter Denkmalschutz ste- 
henden Obiekte in Wien ist nicht leicht anzuge- 
ben. Zu ienen 402 Objekten, die bisher gemäß 
Paragraph 3 des Denkmalschutzgesetzes mit Be- 
scheid des Bundesdenkmalamtes unter Schutz ge- 
stellt wurden, kommen noch laut Paragraph 2 
dieses Gesetzes sämtliche Gotteshäuser Wiens 
und alle Monumentalgebäude, dazu noch der 
gesamte hiesige Hausbesitz des Bundes, der 
Stadt Wien und aller Glaubensgemeinschaften. 
Bei iedem einzelnen dieser Wohn- oder Nutz- 
bauten hat das Bundesdenkmalamt gegebenen- 
falls festzustellen, ob ein öffentliches Interesse 
an seiner Erhaltung besteht oder nicht; letzteres 
wird nach heutiger Auffassung bei der Mehr- 
zahl der Wohnobiekte und bei zahlreichen 
Nutzbauten der Fall sein. Eine Globalfeststel- 
lung ist aber nicht möglich, vor allem, weil mit 
dem Wandel der Auffassung gerechnet werden 
muß, mit dem eine ganz andere Beurteilung der 
künstlerischen, kulturellen oder geschichtlichen 
Bedeutung verbunden sein kann. So hat bekannt- 
lich um 1960 der Jugendstil fast schlagartig eine 
völlig neue Wertung erfahren. Auch die histori- 
stische Baukunst der zweiten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts ist erst vor kurzem von der Kunst- 
geschichte als selbständiger Stil begriffen wor- 
den. Nach heute herrscht gegen den Historismus 
ein verbreitetes Vorurteil, vor allem bei der 
älteren Generation. 
Es wachsen aber nicht nur ganze Stilperioden 
allmählich in den Denkmalschutz hinein, es müs- 
sen auch immer wieder neue Kategorien mitein- 
bezogen werden, die sich mit dem herkömmli- 
chen Denkmalbegriff kaum in Verbindung brin- 
gen lassen: in Wien sind es beispielsweise die 
Geschäftsportale, die vor allem in der Inneren 
Stadt sehr deutlich und zuweilen sogar in künst-
	        

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