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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 104)

und zarte Farbtöne suchen: gewisse blasse Lilas. 
Blau und Grau, die direkt mit Villen vergleichbar 
sind. Ein Bild wie der berühmte „Dominikaner" 
(1948) mit den noch erkennbaren Gesichtszügen 
und der Andeutung der Hand findet Parallelen 
in Porträts von Villon. Nur ist dieser von ganz 
abstrakten frühen Bildern kommend den umge- 
kehrten Weg gegangen, Schon in einer Zeich- 
nung, „Klagenfurter Dächer" 1930, die auch 
Boeckls ursprünglichen Entschluß. Architekt zu 
werden, dokumentiert. ist in dem ineinander- 
schieben der Konturen, im Überschneiden und 
Durchdringen ein Struktursystem gestaltet wor- 
den, das, abgesehen von seinem gegenstands- 
bezeichnenden Sinn. der Linienkonstruktion 
eines Villon'schen Bildes vergleichbar wäre. Von 
hier aus hat der "Schüler" Zunk seine schönsten 
Zeichnungen geschaffen. 
Als inkarnierter Maler fühlt sich Boeckl von 
Venedig angezogen. Mit Recht hat O. Benesch, 
dem die Albertina die reiche Boeckl-Graphik- 
Sammlung verdankt, vor dem Familienbild (1942) 
an eine Santa Conversatione gedacht, den Guld- 
ton gerühmt. Das Falahafte gibt diesem Bilde 
etwas Venezianisch-Sakraies. 1934-1945 ent- 
steht das auf Lindanholz gemalte Altarwerk, zu 
dessen linken lnnenflügei, dem Stephanus, die 
Karntner Landesgalerie einen wunderbaren Karton 
in farbiger Kreide besitzt. Van Eycks Zeichnung 
in Antwerpen, „Barbara", mag für die Verbindung 
von Turm und Figur die Anregung gegeben 
haben. Der letzte Kranz der Fialen schwebt 
kronenhaft über dem Haupt des Stephanus, zu- 
gleich auch den Eindruck eines aus dem Turm- 
gebildc herausldsberen Beldachins über der 
Figur gebend. In ganz zarten Farben schimmert 
die Bauhaut, lichtblauc Schatten und ein gelb- 
liches Rosa, in dem der Flosaton überwiegt, aber 
nur gleichsam als Grundierung, über der dann 
der Architekt im Maler mit schwarzer Kreide die 
Struktur dieses kristallischen Turmes bildet, ihn 
mit gespannten Konturen aus dem rötlichen 
Abendhimmel grenzt. In der Komposition gibt 
er die Betonung des Stcphanuskopfes, der analog 
die architektonischen Akzente der Pyramiden 
über den Händen des Heiligen entsprechen, die 
durch den Bogen der Schultern und Arme be- 
deckenden Dalmatika wie durch eine Bergkontur 
verbunden sind. Leicht zurückgeneigt, mit dem 
etwas von oben her auf den Beschauer gerichte- 
ten schrägen Blick (die Haltung ist im Porträt 
„Maria" 1946 wieder aufgenommen). Gegen die 
vielen gezackten kleinteiligen Formen des Turmes 
steht regenbogenhaft das Rund des Nimbus. 
Echt Boeckl ist der Gedanke. den Stein, das 
Symbol, in einer Vielzahl wie eine Ernte in dem 
schürzcnertig aufgehobenen Umhang zu häufen. 
Sakral sind auch seine beiden Werke der Wand- 
malerei: ienes frühe 1928 in Hast geschaffene 
„Christus schreitet über die Wellen" in der 
einprägsamen Gestik der Biblia pauperum, die 
rettende Hand dem die Arme emporreckenden, 
zu versinken drohenden Petrus entgegenreichend, 
im schon bei seiner Aiisiiiiiiiiiig (man wollte 
vor Boeckl am nächsten Tag die Kirchentere 
schließen) naives Unverständnis fand und das 
heute. über 40 Jahre nach seiner Entstehung, 

	        

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