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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 104)

 
adiger Engerth 
ÄDTELANDSCHAFTEN 
J__SERER ZEIT - ZU DEN 
ATTERN VON WALTER 
JHAMMAD NIALLI 
1 
Walter Muhammad Mali], Dunauufer mm Kran, 19 
Tuschu-Fedev-Zeichnung, 37AX5D cm Aus d 
Zyklus,.Dunauuieüandschaltun" 
Walter Muhammad Malh, Eauumkamnlex am Wlenll 
1963. TusChc-Fcdmlexchnung, 43,5 x 64 cm 
Waltev Muhammad Malh, BausleHe, 1965. Tuscl 
FOdBY-ZBICHHUHQ, 4B x 64,5 cm 
darl es sicher als Wagnis betrachten, wenn 
nd heute darangeht, Stadtlandschaiten zu 
nen. Das Jahrhundert ist dem Sujet kaum 
igt. Das Bedürfnis, Erinnerungsmaterial von 
an nach Hause zu bringen, wird durch die 
21a, deren Ausstattung in den letzten Jahren 
außerster Verfeinerung gediehen ist, in 
sehenswerter Weise befriedigt. Die sauberen 
idungen von Kirchen und Rathausern, die 
die Holländer zur Freude ganzer Sammler- 
rationen pflegten, werden heute von jedem 
ttcktcn Photuamateur selbst hergestellt. 
emtitvollen Schilderungen pittoresken Win- 
velche unsere Großmutter als Aussteuer in 
eheliche Wohnung mitbrachten, fänden 
t Käufer. Wer heute das Wesen einer Stadt 
ie Fläche des Papiers bannen will, muß ein 
rener Psychologe sein, der es versteht, in 
das Innere nach außen kehren. Dennoch bleibt 
es ein Wagnis, heute Stadtlandschalten zu 
zeichnen. 
Niemand will neue Aspekte des Altvertrauten 
Kennenlernen, niemand schatzt es, wenn das 
Verborgene sichtbar gemacht wird und das 
gnädig Verdeckte in erbarmungsloser Nacktheit 
vor uns dasteht. Wir Sind stolz auf unsere 
Barockpalaste und gotischen Kirchen, wir 
feiern die blühenden Bäume im Prater und die 
alten Gasserln in Sievering in schmalzigen 
Liedern, wir eilen aber geduckt an den Zins- 
kasernen des 19. Jahrhunderts vorbei, an den 
falschen Rilterburgen und pseudo-floreniinlschen 
Palazzi. Wir dulden den Jugendstil eben noch. 
wenn er von Otto Wagner oder Josef Hoflmann 
stammt, wir wenden uns aber voll Schauder ab, 
wenn die Lotosstengel von einem Epigonen 
der Gründerzeit vor Augen haben als die er 
Linienführung von Adolf Loos. 
Walter Muhammad Malli kennt die Wählhi 
Er versteht es, der seltsamen Stadt zwisch 
Liebhartstal und dem Zentralfriedhof wol 
behütete Geheimnisse zu entlocken. Der B 
richterstatter des Verborgenen und Unauffällig 
wahlt seinen Blickpunkt ganz nahe bei d 
Objekten. 5D claß diese sich ihm in pnantas 
schen Verzerrungen darbieten. Wenn die Trui 
burgen eines gewerbefleißigen Bürgertums si 
über schmalem Fundament vor dem weiß 
Himmel wuchtig ballen, so entsteht der Eindrut 
als stürzten sie alsbald in sich zusammen. 
Nlalli freilich verwahrt sich energisch gegen c 
Abstempelung als Chronist einer einstürzencli 
Welt. Er ist an seinem Thema literarisch kau 
interessiert. Er will weder ein Bewahrer d
	        

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