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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 104)

4 WzluarMuhammsd Mßm, DerDnnaukanalvcmRingluvm 
bis zur Urania, was. Tuschs-Fsdar-Znichnnng, 48x 
SL5cm 
s Weiler Muhummad Malli, In der Sullgasse. 1967.Tusche- 
Feder-Zaxchnung, 418x545 cm ' ' 
s Wallev Muhammad Malll, Das Bulgwl, das Mausoleum 
und da! Dom in Graz, 1967, Tusche-Fednr-Zcichnung, 
4a x am cm 
Malli verengt den Horizont und zieht ihn kreis- 
förmig zusammen. Er kann so Objekte auf 
einem Blatt vereinigen, die in der Natur nicht 
gleichzeitig sichtbar, wohl aber gleichzeitig „da" 
sind. Dieser Versuch muß notwendig zu neuen 
perspektivischen Lösungen lühren. 
ln den Bildern der Jahre 1960 und 1961 ist 
Mallis Strich hart und präzise. Aul dem „Donau- 
uier mit Kran" bilden die Umfassungslinien der 
Gebäude und Gerüstteile deutliche Winkel, die 
"Feuermauer am Kai" wird von den Dachkanten 
und Baikonverstrebungen klar umrissen. In den 
folgenden Jahren wird Mallis Strich zusehends 
nervöser und unruhiger. Stark gekrauste oder 
häkchenlörmige Lineamente bestimmen die 
Umrisse der Gebäude nur noch undeutlich. In 
dem Gewirr feiner Strichlierungen. welche die 
Fassadendetails andeuten. findet man das 
Formenvnkabular aus der abstrakten Periode 
des Malers (vor 1950) wieder. Zu „stark ge- 
füllten", zu intensivem Leben geweckten Fes- 
saden treten kompositorisch bedingte Leer- 
stellen in Dialog (z. B. „Der Donaukanal vom 
Hingturm bis zur Uran "). Eine besondere Be- 
deutung scheint Melli in diesem Zusammenhang 
den Feuermauern zuzumessen (z, B. „in der 
Stiitgasse" und „Blick auf St. Aegyd und die 
Rechte Wienzeile"). 
Schwerpunkte der Komposition sind die Leie 
tungsdrähte, lsolationskörper und Kreuzung:- 
gabeln der städtischen Straßenbahn. Mallis 
Wien kann dieses Verkehrsmittel nicht ent- 
behren. Das Drahtgewirr erhält die Funktion 
von Verstrebungen, die das Bildgefiige im 
Gleichgewicht halten. In der interessanten 
Kompnsition „Brauhausgasse", die ellipsen- 
förmig die gesamte Bildfläche bedeckt, be- 
schreiben die Lichtdrähte eine umhullende Linie, 
die das gesamte Bildmaterial umfaßt und so die 
einzelnen Elemente aneinander bindet. Die 
beiden Lampen setzen die entscheidenden 
Akzente. 
Die Themenwahl des Zeichners Walter Muham- 
mad Malli verlegen sich allmählich von der 
Peripherie der Stadt in das Zentrum. Am Anfang 
galt sein Interesse der lndustrielandschaft des 
Donaukanalufers (Simmering, Brigittenau). Es 
folgten: der Wientaleirischnitt, der Naschmarkt, 
die Gumpendorfer Straße. In jüngerer Zeit be- 
schäftigten ihn der Neue Markt mit dem Donner? 
brunnen und der Franz Josefs-Kai. Schöne 
Blätter hat er seiner Heimatstadt Graz gewidmet 
(z. B. „Das Burgtor, das Mausoleum und der 
Dom in Graz"). 
Auffallend bei Malli ist das Fehlen jeglicher 
Stalfage. Sein Wien ist ein Wien ohne Wiener, 
man mochte fast sagen, eine glückliche Stadt. 
Es gibt hier weder Autos noch Polizisten. Selbst 
aul dem Naschmarkl reden nicht die Standel- 
weiber, sondern die SKBlHE. 
Walter Muhammad Malli nähert sich dem 
dreißigsten Jahre. Er wurde 1940 in Graz ge- 
boren. Dort hat er auch an der Kunstgewerbe- 
schule bei Prof. Brunnen seinen ersten Unter- 
richt erhalten. in Wien studierte er in den Meister- 
klassen der Professoren Unger und Gütersloh. 
Er gehört der Kunstlergruppe „Der Kreis" an. 
Häufig stellte er zusammen mit seinem Freund 
Ahmad Pechok in dessen leider nicht mehr 
bestehender gemütlicher Galerie „Zum roten 
Aplel" in der Landstraßer Hauptstraße aus. Die 
beiden Zeichner haben einander viellach beein- 
flußt. Heute hat jeder von ihnen seine eigene 
völlig unverwechselbare Beziehung zur Um- 
welt. 
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