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Full text: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 72)

 
Film der Aufrlellung 
des ursprünglichen Standortes in der Kirche wirft zugleich 
m der Aufstellung der Schönen Madonnen überhaupt auf. 
ld sind sie kaum für die Vertiefung eines Altatschreines 
orden. Es gab damals außerhalb des Altarschreines noch mehr 
gsmöglichkeiten für Freiplastiken als in der Spätgotik, wo 
lie Pfeileriiguren beschränkt waren. Freistehende Plastiken 
: sehen wir heute noch in Kirchen Oberitaliens und der 
1 Chorschranken und Altarmensen. Der Altarschrein hatte 
so weitgehend die Plastik in sein Architekturschema ein- 
Die Schöne Madonna war daher - wie beispielsweise der 
iria Saul" beweistl7 - auch als vollkommen freistehendes 
nöglich, so den Betern von allen Seiten Zutritt gewährend. 
Iarienkirche jedoch, die wie Pfarr im Lungau der Madonna 
ir, möchte der Verfasser an eine zentrale Aufstellung an der 
ndsten Stelle, inmitten des Chores, denken. Dies erforderte 
tzusammenhang. 
Eine schöne Lösung, die vollrunde Madonna im Zusammenhang eines 
Altares zur Geltung zu bringen, bietet uns der erhaltene Altar der 
Cosmas-und-Damian Kapelle der Danziger Marienkirche (Abb. 12). 
Dort steht die Madonna in einem Schrein. Er kann so weit geöffnet 
werden, daß seine Wände als ebenes Altarretabel hinter der freiplasti- 
schen Figur stehen. Sie ist damit fast vollrund sichtbar. Bei dieser 
idealen Lösung wird der kostbare Schatz umhüllt und wie ein Kleinod 
verwahrt, um dann zur Stunde der Andacht geöffnet zu werden, damit 
die Gnadenreiche nach allen Seiten ihren Trost spenden kann. Damit 
erklärt sich auch die ganz leichte Abflachung der vollrunden Ge- 
staltung auf der Rückseite der Figur, ebenso wie bei den im folgenden 
gezeigten Vergleichsflguren. 
Daß wir mit diesem Vergleich zur Aufstellungsfrage bis an die Ost- 
See gegangen sind, ist bei der internationalen Kunst um 1400 kein 
Wagnis, um so weniger, als gerade die Madonna von Pfarr im Lungau 
ihre Ausstrahlung bis in diesen nördlichen Raum gefunden hat, wie 
die anschließenden Stilvergleiche beweisen mögen. 
 

	        

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