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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 72)

iten, uas wir auer in ClllCl auueien innen genau... uuunaaux-AAA vvuAux-ls. 
den heidnischen Religionen nahm der Einzelne niemals aktiv am 
ttesdienst teil, ein individuelles Gebet gab es nicht, dem Priester 
:in fiel der kultliche Dienst anheim, der sich ohne jede Teilnahme 
Gläubigen abspielte 10. 
"allel mit dem Ausschluß des Individuums aus dem Bereich des 
ligiösen geht der Ausschluß des Beschauers aus der Eigenwelt des 
nstwerkes. In der Dreiecksstruktur, die jedes komplette Kunstwerk 
iet und die aus dem Künstler, dem Kunstwerk und dem Beschauer 
ihrer wechselseitigen Wirkung besteht, spielt in den großen heidni- 
.en Kulturen der letztere keine Rolle. Die in den Werken darge- 
llten Gestalten nehmen auf ihn keine Rücksicht, keinen Bezug, 
sind einzig mit ihrem Tun beschäftigt, in einer Welt, in der der 
schauer keinen Platz hat. Wie unwesentlich dieser ist, geht aus der 
tsache hervor, daß Großwerke der ägyptischen Kunst, Grab- 
lereien und Reliefs mit ihm überhaupt nicht rechnen: kaum voll- 
let, wurden die Gräber verschlossen und versiegelt und blieben 
n nun an unsichtbar. Weiter kann man in der Eliminierung des 
schauers wohl kaum gehen. Eine Änderung auf religiösem Gebiet 
ginnt mit den Mysterienreligionen, die sich einer besonderen Vor- 
JC erfreuen und eine weite Verbreitung erfahren. Eine davon, das 
'f nicht vergessen werden, ist das Frühchristenturn 11. In der My- 
rienvreihe aber tritt der Myste in ein direktes Verhältnis zur Gott- 
t, die sich ihm im Laufe der Einweihungszeremonie und als deren 
itraler Akt in einer Vision offenbart. Dieses persönliche intime 
rhältnis, das eine mystische Gottesschau impliziert und die zu 
er Beziehung von „Ich" und „Du" führt, wie es zum Beispiel 
„Vaterunser" formuliert ist, übernimmt das Christentum und gibt 
n in der Epiphanie liturgischen Charakter. So ist für Plotinll wie 
Lter auch für Augustinus die letzte Stufe der religiösen Versenkung 
i „visio Dei." In diesem direkten und persönlichen Verhältnis zur 
ittheit, das zu einer ekstatischen Vision führen kann, wie sie be- 
iders Märtyrern oft im Augenblick ihrer Passion zuteil wird13, 
gt die Voraussetzung für die wesensmäßig gleiche und direkte 
ziehung zwischen Dargestelltem und Beschauer, wie sie um die 
iche Zeit in der Kunst durch das neue Formprinzip der Frontalität 
igedrückt wird. 
ergibt schon eine oberflächliche Strukturanalyse der Murnienbild- 
se, daß es sich nicht um Profanportrats handeln kann, daß sie 
-ht Darstellungen des „homo terrenus" sind. Ihr Aufbau wie ihre 
impositionsprinzipien lassen erkennen, daß es sich um die Offen- 
rung des Verklarten, um die Epiphanie des „homo coelestis", dieser 
bst in der Anschauung des höchsten Wesens versenkt, handelt. Nur 
erklärt sich die Entmaterialisierung, die Zeit- und Raumlosigkeit 
d die Hieratik des Aufbaues. Das erklärt auch den Dimensionsver- 
t, die Aufgabe der Plastik zugunsten der Malerei, die nur zu deutlich 
: Abwertung der materiellen Welt im Gegensatz zur pneumatischen 
sdrückt, dem Zentralgedanken alles philosophischen Denkens dieser 
Maus: uns: v-...v...5..... 141m: ........6....g...-...g..-.., w- ........._.,.._D. 
fast außermenschliche Unbeteiligtheit der Dargestellten in ihr 
und raumlosen Existenzsphärc, all diese negativen Werte, die 2 
Negation des Lebens sind, beinhalten auch das absolute Sch 
in das sie gehüllt sind. Und wie R. Otto 14 erkannt hat und 
Reihe von Belegen aus dem Alten Testament und Neuen Te 
beweist, sind Leere und Schweigen Zeichen und Zeugen 
„numen praesens". Diesen eigentlichen Sinn der Mumienb. 
den wir auf Grund ihrer Formstruktur zu erkennen glaubten, l 
ein Leichentuch, das sich heute im Puschkin-Museum in Mos 
findetZS. Es gehört seinem Zweck und seinem Stil nach in di 
der Mumienbildnisse, wenn auch der Tote hier ganzligurig 
einer szenischen Komposition erscheint. Der Verstorbene, u 
kleidet, steht vor seiner Grabkammer, aus der er getreten 
Auferstandener, wie es schon allein das weiße Gewand b. 
„Und er ward verklaeret vor ihnen und sein Angesicht leuch 
die Sonne und seine Kleider wurden weißer als das Licht" 26. Ir 
Frontalität trotz der leichten Seitwärtsbewegung zu Anub 
Psychopompos, der ihn seinem letzten Ziel zuführen soll, 
vor uns, links von ihm Osiris, an seinen Mumienbinden als Tr 
erkennbar. Es läßt sich schwer ein besseres Beispiel für den re 
Synkretismus denken als dieses Denkmal, doch weisen alle E1 
die formalen wie die gegenständlichen, auf einen sepulcrale: 
hin, und es wird klar, daß es sich trotz der portratahnliche 
nicht um ein Profanbild handelt. Nicht in seiner lebendigen 
nungsform ist der Tote dargestellt, nicht mehr ein dem Rc 
Lebenden Angehörender, sondern ein Transl-igurierter, ein 
standener in seliger Schau des jenseits steht vor uns 17. 
Hatte es sich also in den plastischen Totenmasken um die E1 
des leiblichen Teils des Menschen gehandelt, in einem Jense 
jede Transzendenz abging, so ging es in den Mumienbildni: 
die Wiedergabe der unvergänglichen pneumatischen Wesen 
Menschen. 
Zwei Formprinzipien sind es, die diesen neuen Gehalt des l 
bildnisses und eine spezifische Ikonographie ausdrücken. Eir 
Frontalität mit ihrem ihr eigentümlichen Bedeutungsgehalt 
zweites, gleichsam negatives Formprinzip, die bewußte Ab 
der Plastik, die sich im charakteristischen Dimensionsverli 
drückt, der im Bereich des Religiösen die Ablehnung und 
wertung der Materie entspricht und die niemand deutlicher 
liert hat als der Plotinschüler Porphyrius in den Worten „Oßlfll 
fugiendum est". 
Diese beiden Formprinzipien, die zum erstenmal in den Mun 
nissen künstlerisch bewußt gestaltet und ausgewertet werde: 
baren den neuen pneumatischen Charakter der christlichen 
Von einer Kunst, die in der Antike ihren spezifischen, mir: 
Clmrakter aus ihrem Realitätsgehalt bezog, wird sie nunmehi 
und Ausdruck des Numinosen. 
IMERKUNGEN _ _ _ 
Mulnimbildnissc waren allerding schon vmher bekannt; etwa ein halbe Duucnd war in emlgcn 
Museen verstreut. doch haue sich unerklirlichcrwcisn wedn die Ardßclogi: noch die Kuiiu- 
khl: amtlich mit ihnen beschäkigt, sondern cinüg nur für ihre Tedmik Inneren: . 
handelt sich um die inzwisdlm in Vcrgmcnhcil geraten: Wadu- bzw. mkzmüch: . 
über die uns Plinius, Hist. Nzt. XXXV. 153, informiert. Sie ist in Grledltnland bczdß im 
6. jh. v. Chr. bekannt und dimte ebenso zum Bernzkn du Sdziß": und der Platdk wie auch 
für ldie Tafelmzlcrei. Ausführlichn nicht: H. Zaloacer, Pcnril: am dzrn Wüüdliilid. Wien 
196 , S. 19H". 
W. Wikken, Die hellcnistischen Pomlu aus cl-Fzyum. Beiblatt z.]h. du kzixrl. lmL. 
Berlin. IV-1B89. 
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11 v111 1111111 11111 11 1111 Archäologie 111111 1111111 1111 11111111311111111111 11111. 1111 111 1111 
1111111111; 1111 1111111111111111111111111 11111111111111111111 1111. 
H 11111111111 1111111, 111111111 1.1., s. 19. 
ß 11111111111, xx, 4 111111 xxx1v, 11 111111 0111111111111111111111. xxvn, 15. 
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