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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 72)

ier 1963 wurde in Anwesenheit 
Vertretern des öffentlichen Lebens 
von Kunst und Wissenschaft die 
Biennale moderner Kunst in Sao 
0 feierlich eröffnet. Bei dißem 
ß wurden dem zahlreich erschie- 
:n Publikum von Francisco Mata- 
o Sabrinho, dem Präsidenten und 
ider der Biennale in Sao Paula. 
t die Preise verkündet. die eine 
nationale Jury vergeben hatte. 
en dem Grand Prix und den 
ien für Malerei. Plastik, Graphik 
Zeichnung war heuer zum ersten- 
ouch ein Preis für angewandte 
at ausgesetzt worden. Er war 
equo dem Österreicher Fritz Riedl 
dem polnischen Plokatentwerfer 
"yk Tomaszewski zuerkannt wor- 
rreich war auf dieser Biennale mit 
nodernen Gobelins vertreten, die 
innerhalb der letzten 10 Jahre ge- 
ffen worden waren. Kustos Dr. Wil- 
l Mrazek vom Österreichischen 
zum für angewandte Kunst hatte 
m Auftrag des Bundesministeriums 
Unterricht ausgewählt. Er hatte 
Katalog verfaßt, dessen graphische 
altung durch Leopold Netopil be- 
ere Anerkennung fand. Dr. Mrazek 
auch als Kommissar nach Sao Paula 
ist und war Mitglied der inter- 
malen Jury. 
Se Beachtung fanden jene Arbeiten, 
jenen Entwurf und Ausführung in 
' Hand logen oder bei denen der 
'urf von einem anderen Künstler 
eführt worden war. Von der Jury. 
aus den 23 anwesenden Kommis- 
1 bstand. wurden die Arbeiten 
Riedls, Maria Plachkys und Hubert 
yms in die engere Auswahl ge- 
n. Fritz Riedl gewann den Preis 
eßlich mit seinem 2,70 x 4,20m 
en Gobelin ,.Drei Figuren". Aber 
die Arbeiten von Luise Autzinger- 
c, Maria Bilger-Perz, Epi Schlüssel- 
Edda Seidl-Reiter. fanden allgemeine 
Anerkennung. Kommissöre und Be- 
sucher waren von der persönlichen 
Handschrift und den individuellen künst- 
lerischen Gestaltungsmöglichkeiten 
überrascht und beeindruckt. Var allem 
auch deswegen. weil Österreich keine 
Tradition auf diesem speziellen Gebiete 
des Kunsthandwerkes aufzuweisen hat. 
Wird doch erst seit 1918 die Gobelin- 
wirkerei in Österreich praktiziert. Der 
Wiener Gobelinmanufaktur gebührt 
das Verdienst, sich im kleingewordenen 
Österreich nach dem ersten Weltkrieg 
dieser Kunstbetötigung angenommen 
und sie durch alle Jahre hindurch ge- 
pflegt zu haben. Ihre der Tradition 
verpflichtete Arbeitsweise, die Entwürfe 
prominenter Künstler durch hervor- 
ragend geschulte Handwerker zum 
Gobelin umsetzen zu lassen, konnte bei 
jenen nach Entwürfen Oskar Ko- 
kaschkas. Albin Paris Güterslahs. Wolf- 
gang Hutters. Arnulf Neuwirths, Hans 
Robert Pippals und Georg Schmids be- 
wundert werden. Doß sich aber neben 
der Manufaktur auch noch Künstler 
fanden, die sich selber der mühevollen 
Prozedur der Ausführung unterzogen 
und so Kunst und Handwerk im Sinne 
der einstmals schon von der Wiener 
Werkstätte ausgehenden Impulse ver- 
einigten, wurde als ein Novum ge- 
wertet. das für die Zukunft der Gobelin- 
kunst von allergrößter Bedeutung ist. 
Unter den oft umfangreichen Beiträgen 
von 56 ausstellenden Ländern war der 
Umfang der österreichischen Kollektion 
eher bescheiden zu nennen. Dennoch 
war ihm ein voller Erfolg beschieden. 
Die österreichischen Gobelins waren 
schließlich auch der Antaß, die bisher 
üblichen Preise um einen für ange- 
wandte Kunst zu vermehren. Damit 
erhielt die Biennale von Sao Paula 
im Sinne einer Integration aller Künste 
eine neue Bedeutung. 
ELM 
i: V. Internationale graphische 
nale aus Loibach In der Albertlna. 
ktar Dr. Koschatzky hatte die ZOO 
-n, charakteristischesten Blätter aus 
über 900 Arbeiten umfassenden 
u in Ljubljana nach Wien ge- 
ht und in den Räumen seines 
utes länderweise geordnet präsen- 
lm Eingangsraum hingen die von 
heimischen Kritik zumeist sehr 
ltiv beurteilten Arbeiten der Öster- 
ter (Berg, Doxat. Hrdlicka. Nowak, 
cbauer, Szyszkowitz). Unsere Leute 
ngen den "Fehler", Graphik als 
aufzufassen, was sie in ihren Ur- 
ngen war und immer sein sollte, 
lich als Ausdrucksträger. Das war 
-trdlicka ganz besonders stark der 
und mit vollem Recht wurde ihm 
Preis zuerkannt. Graphik, wie sie 
nders von der Ecole de Paris 
entiert wird, hat aber mit Aussage 
iichts mehr zu tun, es dominiert auf 
t Linien das technische Raffine- 
die Produkte der Ecole de Paris äußerst 
publikumswirksam, wenngleich nicht 
vergessen werden sollte. daß in so 
und so vielen Fällen der Effekt die oh 
sehr eng gezogenen Grenzen der 
inneren Kapazität täuschend über- 
lagert. 
Zwei Drittel der Welt gehören heute der 
Ecole de Paris an, einschließlich Japan, 
Tschiang-Kai-Schek-Restchina und Süd- 
korea. Die Russen bleiben trotzig im 
Schmollwinkel banaler Gegenständlich- 
keit stehen, allerdings darf auch bei 
ihnen ein wesentlicher Impuls van 
seilen der Volkskunst ebensawenig 
übersehen werden wie bei den Polen, 
Tschechen und Ungarn, die ansonsten 
dem Konformismus westlicher Prügnanz 
durchaus ihren Tribut zahlen. 
Sa steht letztlich die Laibach-Wiener 
Biennale in scharfem Gegensatz zur 
Pariser Biennale: dort neben viel Getue 
echte Auflehnung, Sprengen der Gren- 
zen f... hic nlloc in qfhDPhBn rmiw 
viele vogei abgeschossen, einen der 
größten erlegte die aus ihrer Mün- 
chener Skandalausstellung bestens be- 
kannte Niki de St. Phalle. Es handelte 
sich um die Figur „Metro". einer An- 
häufung von allen Abfalltypen, die sich 
in den Tunnels der Pariser U-Bahn 
finden. Auch ein Totenschädel fehlte 
nicht. Dada erlebte eine unfrohe Auf- 
erstehung . . . Überall, bsonders stark 
in der französischen Abteilung. zeigte 
sich der Trend zur Anti-Abstraktion. 
Als Hauptthema sieht der Kritiker von 
.,Arts". der führenden französischen 
Wochen-Kunstzeitschrift. die Zwangs- 
vorstellung von der Bedrohung des 
Lebens. vor der kollektiven Vernichtung 
an. Gleichsam als Gegengewicht wird 
das Archaische, UrtümIich-Elementare 
kultiviert. in mehr als exhibitianistischer 
Weise häuft man Symbole und Werk- 
zeuge von Zeugung und Fortpflanzung. 
So unterbreitete der Japaner Junzo 
Watanabe die Darstellung einer großen 
Vagina samt Phallus. Ähnliches liest 
der Kritiker von ..Arts" aus den Ar- 
beiten von Walter Stöhrer und Pitt 
Moog heraus, in deren Farborgien er 
ein Gewühl von Blut, Fleisch, Ge- 
schlecht und Fötus zu erkennen glaubt. 
Horst Antes. der Preisträger der ll. Bien- 
nale. zeigte 35 Bilder, darunter .,Frau 
im Wochenbe " und „Das Paar". 
Etwas ganz Neues sind die Gruppenar- 
beiten. bei der Maler. Bildhauer und 
Architekten (und mit der entsprechen- 
den Geräuschkulisse auch die Musiker) 
mitwirken. Sa präsentierte eine fran- 
Welt. 
Auch ,.Pop-Art" ist nunmehr 
USA via England nach Paris 
Ihre Kreationen sind aus Po: 
Werbematerialien, Pin-up-girlst 
lichem zivilisotorischem Mist zus 
geklittert. Die Grenzen zwiscl 
und Ernst sind völlig unerl 
Basteltrieb und Freude am Sc 
gehen eine merkwürdige Ehe 
Der Berichterstatter der ,.Fra 
Allgemeinen", Werner Böri 
glaubt eine neue Synthese 1 
Kunst und Wissenschaft feststi 
können, alleine schon was die ' 
anbelangt (z. B. ,.Bombardier 
Sehnervs", von Miroslaw Stuj 
zösische Künstler-Monteure fab 
ein "Labyrinth". das den Zi 
den verschiedenartigsten o 
akustischen und psycho-aggressi 
flüssen aussetzt und ihn zur 
willigen Teilnahme an einem ur 
lichen Geschehen zwingt. A 
Belgier warteten mit einem r 
tischen Vorrichtungen und Lich 
reichen Gemeinschaftswerk au 
Wirkung durch elektronisch 
Untermalung eine weitere Sie 
erfuhr. 
Summa summarum: Die Juge 
testiert wieder einmal - sich 
immer ganz echt, auf jeden F 
lautstark. Veranimalisierung 
einen Seite, Vertechnisierung 
anderen. hie Angst, hie Prov 
das Abendland ist untergegani 
schon beginnt die künstliche 
zösische Arbeitsgemeinschaft einen sich in Auf- und Überschäu 
"Schlachthof" mit Folterinstrumenten. wandeln. 
nachgebildeten Fleischfetzen und Sil- Erns 
KUNSTMESSEN 
Dle Antlqultätenmese In Hölsingborg. 
Unter dem Titel „Antik 63" versammel- 
ten sich Antiquitätenhändler aus mehre- 
ren Staaten Europas, um ihre kost- 
barsten Stücke und Raritäten im Rahmen 
einer Verkaufsrnesse zur Schau zu 
stellen. Mit Rücksicht auf den Ruf der 
Aussteller und auf die Anwesenheit 
zahlreicher Experten präsentierten sich 
dem Publikum zum Großteil wirklich 
echte Antiquitäten. 
Gewöhnlich verbindet sich mit zum 
Verkauf angebotenen Antiquitäten die 
Vorstellung von alten Möbeln, Uhren 
oder überhaupt Einrichtungsgegenstän- 
den. Hinzu kommen vielleicht noch 
Waffen und Kunstschätze aus dem 
sakralen Bereich. Letztere aber fehlten 
hier bis auf wenige Ausnahmen über- 
haupt. Ein Faktum. das vor allem auf 
die geringe Kauflust im protestantischen 
Ausstellungsland zurückzuführen ist. Das 
Kuriose aber an dieser Drei-HalIen- 
Mansterschau war. daß man ausge- 
sprochene Museumsstücke zu sehen be- 
kam: Ägyptische Mumienplastiken aus 
der Zeit 200 vor Christi, ein über ein 
u..." nrnnnr .:-......:.,-i.-. amus... 
den hier in die Hand genomn 
geschätzt und wanderten schlii 
neue Besitzerhände. Den Laie 
hier das unangenehme Gefii 
hier ein Tabu zerbrochen WUl 
allem wenn er beobachten kon 
mit entsprechenden Barmittelr 
stattete Museumsbesucher eri 
Steinzeitwerkzeuge in den Foi 
Wagens legten. Natürlich WUI 
Raritäten dieser Art Phanta 
verlangt, aber der Reiz. Z 
unserer Urahnen und damit G: 
in die häusliche Stube zu bek 
war manchem Zeitgenossen zer 
dicke Banknotenbündel wert. 
dürfte der Absicht des Erwerbe 
der Gedanke zugrunde liege: 
Raum der profanen Heimsti 
Kultur- bzw. Kulträumlichkeit 
heben, zu der alltäglichen u: 
genug ehrfürchtigen Besuchs 
Zutritt womöglich mittels querg 
ter roter Schnur verwehrt Wll'( 
Wirkliche Experten und Kunstli 
schauderlen nicht selten vor 
forderten Phantasiepreisen. S 
u......i... a-.. ...l-...-J:_.L_ ein
	        

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