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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 73)

die vor allem bei den großen Gesamtkunst- 
werken der Barockzeit Verwendung fandll. 
Alle Künste, Architektur, Plastik, Malerei und 
Innendekoration, bedienten sich dieser Form- 
elemente, um das einem Auftrag zugrunde 
liegende Konzept zu realisieren. Diese Kon- 
zepte waren immer so gehalten, daß sie eine 
organische Einheit darstellten. Sie waren 
schriftlich niedergelegt 13. Die Verfasser waren 
zumeist Theologen, Historiographen, Poeten, 
in seltenen Fällen auch ausübende Künstler M. 
Die Concetti waren Produkte der Argutezza 15, 
eines kombinatorischen Vermögens von 
größter Scharfsinnigkeit und geistiger Be- 
hendigkeit. Sie wurde als die bedeutendste 
Kraft des Intellektes angesehen. Die Argutezza 
bedurfte nicht des „Beweises", sie verhielt 
sich niemals diskursiv. Mit denkerischer Kühn- 
heit wagte sie mit Hilfe der Bilder die ver- 
wegenen und überraschenden Gedanken- 
sprünge vom Einzelnen aufs Ganze, vom 
Kleinen zum Großen und umgekehrt. Im 
Concettismus 16 triumphierten die Argutezza 
und die Metapher, war das Bild stärker als 
der Sachverhalt, war ihm übergeordnet, wur- 
den allein die Linien des Bildes perspektivisch 
verlängert. Diese metaphorische DenkformW 
galt nicht nur für den „Conceptus pingendi" 
des Malers, sondern in gleicher Weise auch 
für die Concetti der Poeten und Theolo- 
genlß. 
Seit der Antike wurden nach dem Concetto 
„ut pictura poesis 4 wie die Dichtung so 
die Malerei" - metaphorische Bildformen ge- 
braucht und entwickelt 19 (Abb. 1, 2). Seit Be- 
ginn des 16. jahrhunderts wurde die typologi- 
hunderts fügten zahlreiche neue Bilder hin 
häuften, steigerten und errichteten ein h 
archisch geordnetes Bildersystem, das 
Daseinsbereiche umfaßtelß. Sich über g 
Europa ausbreitend, fand der Concettisr 
im spanischen Gongorismus, im italienisci 
Marinismus, im französischen Preziösent 
und in der schlesischen Dichterschule sei 
literarischen Niederschlag, in den monum 
talen Repräsentationsbauten profaner l 
monastischer Auftraggeber und deren A 
schmückung jedoch seine künstlerische A 
gestaltung. Dieses Bilderwesen des Concel 
mus, das seine Wurzeln in der heidnisc 
Antike und im christlichen Mittelalter ha 
war der Triumph eines bilderschaffenden X 
standes, der die Schaffens- und Erleb 
disposition des barocken Zeitalters 
stimmte. 
Die bildlichen Formelemente des künstl 
schen Concettismus waren vom 16. bis z 
18. Jahrhundert konstant geblieben. An 
Stilwende von der Renaissance zur Barock 
bedeuteten sie für die bildenden Künstler 
neues inhaltliches und formales Gestaltur 
mittel. Mit beiden Händen griffen sie dan: 
um mit Hilfe der Abbilder der realen Welt 
Sprung in die Fiktion zu wagen, „wo 
Horizont am Ende sich mit Wolken und 
Himmel krönt, wodurch er die Einbildur 
kraft nach sich zieht" (Calderon), zu 
offenen Himmeln und Gloriolen der baroc 
Deckenmalereien 11. 
Die neuen bildlichen Formelemerite für 
Künstler waren in zahlreichen Druckwer 
zur Hieroglyphik, Emblematik und lkonolr 
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