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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 73)

LUDWIG WELTI 
Zur Tätigkeit van Anton Maulbertsrb dem Älteren 
Am 31. August 1709 ist in das Taufbuch der Pfarrkirche von Lustenau 
am Rhein in Vorarlberg, damals noch reichsfreier Reichshof unter 
den Grafen von Hohenems, „D.(ominus) Antonius Maulbertsch pictor 
de Schramberg, Hercinia silva", als stellvertretender Taufpate ein- 
getragen. 
Am 13. Juli dieses Jahres fand es Pfarrer Matthias Hemmerlin (T 1721) 
der Mühe wert, bei der Taufe einer Maria Fitz, bei der dieser Maler 
auch schon als Pate fungierte, erklärend zu bemerken: „nam usque 
modo laboravit ab anno 1708, 6. Juni, in Fassung des Hohen Altars." 
Pfarrer Franz Josef Rosenlächter (1- 1835) vermochte in der von ihm 
geschriebenen Lustenauer Pfarrchronik die auf dem 1708 gemalten 
Hochaltarblatt neben einem Wappen angebracht gewesenen Anfangs- 
buchstaben „M. F. G. z. H. E." nicht zu enträtseln, weder Stifter noch 
Maler des Blattes anzugeben. Die Buchstaben deuten auf Gräfin Maria 
Franziska von Hohenems (1 1726) als Stifterin des von Anton Maul- 
bertsch gemalten Hochaltarbildes hin. Dieses Hochaltarblatt wurde 
samt dem barocken, vergoldeten Hochaltar nach dem Neubau der 
Pfarrkirche 1830 (nach den Plänen des Suezkanalplaners Alois Maria 
Negrelli) entfernt und verschleudert. 
Anton Maulbertsch faßte auch die Seitenaltäre und malte das Orgelhaus 
der Lustenauer Kirche zur allgemeinen Zufriedenheit so gut aus, daß 
er 1721 einen Auftrag zur weiteren Ausmalung der vielleicht von 
Michael Kuen aus Bregenz erbauten, 1677 eingeweihten Dorfkirche! 
erhielt. 
Gräfin Maria Anna Margaretha, eine geborene Thurn aus Schloß 
Wartegg bei Rorschach, die zweite Gemahlin des Grafen Franz Rudolf 
von Hohenems (1- 1756), trat jedoch für den seit 1695 in der Hohenemser 
Dompropsteigasse wohnenden Maler Michel Walser ein, der in ihrem 
Auftrage das Hochaltarblatt, einen in die Hohenemser Kulturlandschaft 
gestellten St. Sebastian, in der Friedhofkirche in Hohenems gemalt 
hatte. Sie gab ihm einen Empfehlungsbrief an den neuen Pfarrer 
Georg l-lämmerle mit. Dessen Onkel, Pfarrer Matthias Hemmerlin 
selig, hatte jedoch im Einvernehmen mit Hofammann Johannes 
Hollenstein bereits einen Akkord mit dem wohl von Kaplan Jodok 
Greussing in Langenargen (einem Bruder des Lustenauer Frühmessets) 
empfohlenen Anton Maulbertsch getroffen. Pfarrer Georg Hammerle 
zweifelte nicht an der Kunstfertigkeit Walsers. Er war überzeugt, daß 
er sehr wohl Satisfaktion geben würde. Er teilte jedoch dem Rent- 
meister Karrenführer am 8. September 1721 mit, daß sich die Mehrheit 
des Kirchenvolkes bei einer Abstimmung für Maulbertsch entschieden 
habe. Es habe kategorisch erklärt, daß es keinen Kreuzer von den bei 
einer Haussammlung versprochenen 50 fl. geben würde, falls nicht 
der ihm bekannte, verdiente Maler Antonio den vereinbarten Auftrag 
ausführen könne, nämlich mit besten kölnischen Kreiden, bestem 
Leim und Öl, auch mit wahrhaften Grünspan-Schmaltenl und anderen 
Farben, in der Art und Weise, wie bereits mit einer vor etlichen Jahren 
angefertigten Tafell der Anfang gemacht worden sei. 
Der Pfarrer bat die Herrschaft, zur Vermeidung von Mißverständnissen 
seine Pfarrgemeinde in ihrem Vorhaben, die Ehre Gottes und seines 
Hauses zu befördern, zu unterstützen und die vorgebrachten Gründe 
zu würdigen. Es gab auch Leute, wie den Richter Johann Bösch, die 
in dieser Streitfrage kein Votum abgaben, weil es ihnen gleichgültig 
war, wem man die Malereien überlassen wolle. 
Ob die in diesem Jahre von verschiedenen Guttatern gestifteten 
großen, die 12 Apostel darstellenden, heute nicht mehr vorhandenen 
Gemälde auch noch von Anton Maulbertsch gemalt wurden, entzieht 
sich mangels näherer Angaben unserer Kenntnis. 
Nach den von Pfarrvikar Otto Beck in Schramberg (nun in Aulendorf) 
angestellten Stammbaumforschungen ist unser Antonius Maulbertsch 
am 11. April 1684 in Schramberg im Schwarzwald getauft als Sohn 
des am 12. Oktober 1647 geborenen Michael Maulbertsch und der ihm 
am 18. Jänner 1670 angetrauten Katharina Zinggelin. 
Michaels am 12. Oktober 1670 verstorbener Vater Jakob Maulbertsch 
ist bereits am 18. Mai 1646 im Schramberger Taufbuch als Vater eines 
Sohnes Johannes eingetragen, den ihm seine Frau Anna Stollin ge- 
boren hatte. 
Wie aus einer von Radio Vorarlberg unlängst ausgestrahlten Reportage, 
einem von Vikar O. Beck mit Herrn Haigis, einem eifrigen Lokal- 
forscher in Schramberg, geführten Zwiegespräch hervorgeht, dürften 
die sonst in der Schramberger Gegend nicht weiter zurückverfolgbaren 
Maulbertsch im Dienste des Obersten Johann Friedrich von Bissingen 
nach Schramberg gekommen sein. 
Dieser tapfere Haudegen warb im Dreißigjährigen Kriege auf eigene 
Kosten eine Reiterkompanie an und zeichnete sich durch seine Tapfer- 
keit so aus, daß ihm Kaiser Ferdinand III. gestattete, die Anfangs- 
buchstaben des „Allerhöchsten Namens" in sein Wappen aufzunehmen, 
und ihn 1647 in den Reichsfreiherrnstand erhob. Er war Oberst und 
Vizerichter des kaiserlichen Hofgerichts in Rottweil und vermählte 
sich 1646 mit Kunigunde Katharina von Nippenburg, der Erbtochter 
eines alten württembergischen Adelsgeschlechtes. 
Da die von Bissingen aus der Gegend von Meißen stammten und 
auch in Böhmen blühten, wäre es möglich, daß der im Dienste des 
Obersten Joh. Friedrich gestandene erste Schramberger Jakob Maul- 
bertsch aus Sachsen oder Böhmen in den Schwarzwald gezogen sein 
könnte. 
Die seit 1583 vorderösterreichische Herrschaft Schramberg wurde 
allerdings erst 1696 von den Bissingen-Nippenburg gekauft, die 1747 
in den Grafenstand erhoben wurden und sich dann auch als öster- 
reichische Gouverneure von Tirol und Vorarlberg von 1797 bis 1802, von 
1815 bis 1819 und von 1848 bis 1855 verdient gemacht haben. 
Es wäre durchaus möglich, daß aus dem in Schloß Hohenstein bei 
Dietingen, nordöstlich von Rottweil, verwahrten Archiv der gräf- 
lichen Familie von Bissingen-Nippenburg noch weitere Anhaltspunkte 
über die Herkunft der Maulbertsch gewonnen werden könnten. 
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