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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 73)

ZUR NEUAUFSIELLUNO DER SIAN- 
DIGEN AUSSTELLUNG IN DER NEUEN 
GALERIE AM LANDESMUSEUM JOAN- 
NEUM. GRAZ 
Die Neue Galerie am Landesmuseum 
Joanneum in Graz. die seit 1941 im 
Stadtpalais der Grafen Herberstein 
untergebracht ist. eröffnete am 30. Okto- 
ber 1963 in den ehemaligen Festräumen 
des Hauses den ersten Teil der ständigen 
Ausstellung von Werken des 19. Jahr- 
hunderts. Sie umfaßt die Zeitspanne 
vom Klassizismus bis zum Biedermeier. 
die in 91 Exponaten - Ölbildern und 
Miniaturen - präsentiert wird. 
Die Bildersammlung des Joanneums, 
die 1941 in eine Alte Galerie und eine 
Neue Galerie geteilt wurde. geht auf 
zwei Wurzeln zurück: die einen Be- 
standteil der seit 1787 bestehenden 
Ständischen Zeichnungsakademie bil- 
dende Gemäldegalerie und jene Bil- 
der. die im Joanneum selbst seit der 
Gründung im Jahr 1811 gesammelt 
wurden, Nach Vereinigung beider Be- 
stände im Jahre 1818 flossen im Laufe 
des 19. Jahrhunderts Spenden und 
große Legale zu. 
Die bei der Teilung der Landesgemälde- 
galerie übernommenen Werke des 
19. Jahrhunderts waren nicht einheit- 
DAS MUSEUM DES 20. JAHRHUN- 
DERTS IM DEZEMBER UND VON 
JÄNNER BIS MÄRZ 
Eine geradezu gigantische Wirkung 
geht von den Plastiken des im Juni 
vergangenen Jahres im Alter von 
dreißig Jahren verstorbenen Bildhauers 
Andreas Urteil aus. der 7 das steht 
ohne Zweifel fest i zur nicht zahl- 
reichen Schar der Frühvollendeten 
zahlt und getrost in einem Atemzug 
mit Schiele und Gerstl genannt werden 
kann. Urteil begann als Handwerker 
ganz in den Traditionen des Klassi- 
zismus und wurde dann Schüler, später 
Assistent von Wotruba. Er gehört zu 
den wenigen jungen Bildhauern, die 
sich dem übermächtigen Vorbild des 
Lehrers niemals unterworfen. ja mehr 
noch, die es verstanden. ihm. dem 
Verfechter einer kristallinisch-geschlos- 
senen, archaistisch-kubistischen Statua- 
rik ein eigenes, immer leidenschaftlicher 
werdendes Bekenntnis entgegenzuset- 
zen, Und Wotruba kann es nicht hoch 
genug angerechnet werden. daß er 
den Genius seines wohl begabtesten 
Schülers mit aller Kraft förderte. 
Urteil bildet seine Wesen aus Knochen- 
und Knorpelgerüsten, die sich mit 
oftmals gewitterhafter Vehemenz oder 
in einer dem Wuchern von Korallen 
vergleichbaren Art emporbäumen, um 
immer stärker und konsequenter die 
letzten Anlehnungen an das herkömm- 
liche Menschenbild abzustreifen, Dabei 
ist Urteil, ein meisterhafter Gestalter 
von Raum, Masse und Bewegung. weit 
davon entfernt, bloß Formalist zu sein. 
Seine Knarpelmenschen sind von iri- 
tensiver Lebendigkeit, als Marksteine 
der unabsehbaren Gefährdung der 
Menschheit werden sie auch zu Pro- 
phezeiungen des eigenen Endes: sie 
stehen ganz im Zeichen von Angst und 
50 
licn ausgerichtet. Neben isiiaern aus- 
ländischer Schulen lag das Schwer- 
gewicht auf der Wiener Schule, die 
steirischen Künstler hingegen waren nur 
mit durchschnittlichen Werken vertre- 
ten. Diesen Bestand sinnvoll zu gliedern 
und zu erweitern war eine der Haupt- 
aufgaben der Neuen Galerie. 
In der nun erfolgten Aufstellung sind 
die geistes- und stilgeschichtlichen Epo- 
chen vom Ende des 18. Jahrhunderts 
bis über die Mitte des 19. durch die 
Wiener Malerei gekennzeichnet. Bilder 
von Lampi. Füger. Jakob und Friedrich 
Gauermann. Thomas Ender. Franz 
Steinfeld. Jakob Alt, Danhauser, Amer- 
ling und Waldmüller dokumentieren 
die Epoche, während Werke der 
steirischen Maler J. Tunner, I. Hofer, 
E. Ch. Moser, F. Mallitsch. I. Raffalt, 
der Brüder Kreuzer und J. Kuwasegg 
den Beitrag der Steiermark für diesen 
Zeitraum bilden. 
Klllufprtll! im Dezember 1963 wurde zum 
S. Male der Jocmneurn-Kunstpreis für zeii- 
gendssische Malerei, der 1959 anlälilich des 
Steirischen Gedenkiahres gestiftet wurde. ver- 
geben. Zum 4, Male wurde der Preis des 
Alpenlandkaufhauses Kastner ä Ohler 
verliehen. DIE Preislräger sind ZWEI Mil- 
glieder des "Forum Stcidtoark". der Maler 
Maria Decleva mit seinem Bild „Komposilo- 
rische Variation ll zur Improvisation A" und 
die Malerin Elga Molv mit dem Bild "Ameno 
1963". 
Trude Aldrian 
Todesnot. Auch als Zeichner leistete 
Urteil immenses; die Ausstellung im 
Museum des 20. Jahrhunderts (13.12, 
1963 bis 5.1.1964) zählte zu den 
bedeutendsten Veranstaltungen des jun- 
gen Institutes. 
Dies kann aber von der Ausstellung 
Josef Mikl (17.1.-8.3,1964) nicht be- 
hauptet werden. Mikl (1929). einer der 
vier Protagonisten der Galerie St. Ste- 
phan, begann 1948 als hochbegabter 
Zeichner, der sich intensiv mit den Pro- 
blemen LinieeFarbe. Fläche-Tiefraum, 
Realisation-Imagination auseinander- 
setzte. Seine frühen Arbeiten sind von 
sublimer Feinheit, wahre Delikatessen 
für höchste Kenneransprüche, Anfang 
der fünfziger Jahre folgt nach der "Akt- 
periode" die ,.technoide" oder "Glas- 
fensterperiode". in der aus der schöpfe- 
rischen Kontrastierung von unregelmä- 
ßig-geometrischen Farbelementen mit 
stumpf rahmendem. gerüsthaftem 
Schwarz heraus so manche monumen- 
tale Leistung gelingt. Mitte der fünfziger 
Jahre kommt eine „Mondrianperiodej 
dann bricht das Informelle in Mikl hem- 
mungslos durch. Um 1960 gibt es eine 
.,gelbe Periode", die noch im gleichen 
Jahr in eine „blaue Periode" mündet. 
Dann kommt die Blau-Ocker-Periode, 
jetzt ist das mehr oder minder reine 
Ockerstadium erreicht. Das wäre alles 
nicht so schlimm, was jedoch verloren- 
ging. sind Disziplin und Konzentration 
der Frühzeit: Mikl lebt sich in zehn Lein- 
wänderi aus. wo der Bildeinfall nicht 
einmal für ein Gemälde gereicht hätte, 
Was bleibt. ist unverbindliche, bunt 
gähnende Leere 7 die gleiche Leere, 
die sich bei so manchem Angehörigen 
der surrealistischen „Wiener Schule" 
in emsiger Schwatzhaftigkeit manife- 
giert, Schade! 
Ernst Köller 
 
iciiiiy UIC sciiweuisciie lVthIlClltl _ 
Sylwan mit rund 30 Ölbildei 
Temperablättern erstmals in Öst 
vor. Die gebürtige Wienerin 5' 
von 1946 bis1952 an der Kunstak 
in Stockholm, gerade zu jener 
der sich in der Malerei Schwed 
neuer Aufbruch vollzog. der ex 
nistische Tendenzen ablöste, 
Die heitere, unbeschwert wi 
abstrakte Malerei Susanne 
läßt derzeit in ihrer Gesamthi 
fältigste Einflüsse erkennen. 
Hinblick auf Farbe. Form un 
mungsgehalt vor allem an Jacque 
und Franz Marc erinnern. Es 
sich jedoch nicht um absichtlict 
nommenes, um bewuflte Entlehi 
die den Vorwurf des Epigonenti 
sich brächten. sondern einfa 
bildnerische Lösungen. die n 
Bildern der vorhin Genannte 
manches gemeinsam haben. ln 
Zusammenhang scheint es dahi 
angebracht. van einer geistige 
wandtschaft zu sprechen, die i 
auf Cezanne zurückführen ka 
aber ebenso auch auf we 
aktuellere Strömungen der Ze 
dem Zweiten Weltkrieg hindeut 
Die Feslwochenausstellung 1964 im Wiener Künstlerhaus. die unter dem Titel ..Die N 
des Z0. Jahrhunderts" stattfindet, wird als historische Schau der asterreichischen Kunst 
bis 1397 besonderes Interesse erwecken. Es werden namlich aus dem genannten . 
stammende Gemälde der Traditionalisten des Künstlerhauses in bewußter Gegenube 
zu den Ver-sacrum-Künsllern des Kunstlerhauses gezeigt. wodurch sich erstmalig eine d 
larische Entwicklungsousstellung der Secession im Künstlerhaus ergibt. Um die vort 
musealen Bestande des genannten Zeitraumes wirkungsvoll zu ergänzen, sucht das Kür 
Leihgaben aus Privatbesitz, und zwar nachstehender Tradilionalisten: 
Tina Blau-Lang, Hugo Darnaut, 
Anton Hlavacek, Rudolf C, Huber. Rudolf Ribari 
Russ, Emil Jakob Schindler, Olga Wisinger-Flarian. Leopold Carl Müller, Franz Di 
Franz Rumpler. Außerdem werden Leihgaben aus Privalbesitz von nachstehender 
lichen Kunstlerhausmitgliedern und späteren Ver-sacrum-Künsllern erbeten: Thi 
Hormann, Carl Moll, Wilhelm Bernatzik, Eugen Jetlel. Guslav Klimt. Koloman Mais: 
narid Andri, Albin Egger-Lienz. Franz t-lohenberger, Johann Viktor Krämer und Ernst St 
Die Gemälde würden fur die Zeit vom 10 Mai bis 15. Juli 1964 gebraucht. 
 
1 BllCk iii die neuaufgeslellle ÄUSSlBJJUDQ 
von Werken des 19. Jh. in der Neuen 
Gülefle am Landesmuseum JOGDHEUM, 
Graz 
2 Miiiio Decleva. Kompositorische Varia- 
tian ll zur Improvisation A 7 Joanneum- 
Kunstpreis1963 
3 Helga Maly, ÄITWEDO 1963, 
OhlSP-PVEIS1QÖ3 
4 ÄHdFEGS Urteil, Sitzende rigui mit Ef- 
habertem Arm. BelDflguÜ. H, 75cm. 
1952159 
s Blick lfl die Ausstellung Josef Mikl im 
Museum des 20. Jh. 
Kastner 81 
Susanne Sylwan liebt die helle 
tigen Farben und das lebendige 
einander verschiedener Tön 
stufungen und Formen. Ihre 
Bilder sind gleichsam von nat 
Frische. zugleich geht von ihni 
auch ein verhaltener Glanz c 
irgendwie feierlich wirkt. D 
peramentvolle, mitunter stark 
misch gegliederte Komposition 
immer wieder von verhaltene 
durchflutet zu werden. Die 
bloße Zufälligkeiten ausschließe 
lerische Ordnung entbehrt jeda 
der nötigen Freizügigkeit. 
Wenn auch nicht bestritten 
soll, daß vieles eher im Vari 
in der Lösung da ist und die 
sicherlich noch an Kraft und 
Aussage gewinnen sollte, so m 
dennoch zugeben, daß Susanne 
neben dem unbedingt vorhi 
künstlerischen Talent und Temp 
auch über wachsam-offene l 
verfügt. ohne die nun einmal ks 
Maler auf die Dauer auskommi 
Einige überdurchschnittliche. fai 
formal ausgewogene Kompositii 
stätigen dies auch eindeutig. 
In ihnen zeigt sich auch die Beri 
allem Lebendigen aufnahmebe 
gegenzutreten. die im weiteste 
vorhandene Naturverbundenh 
Lebensgefühl und zugleich a 
Lebenshalturig der zu weiter: 
nungen Anlaß gebenden Künstl 
Peti
	        

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