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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 83)

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Ikonographie der übrigen, besonders auch der 
Reliefszenen, blieb ungeklärt. Diese Szenen, 
deren inhaltliche Beziehung zum Hauptthema 
selbstverständlich vorauszusetzen war, ver- 
anlaßten dazu, graphische Darstellungen der 
Allegorien zu vergleichen. 
Ein sehr einfacher Sachverhalt ergab sich. 
Matthias Bernhard Braun hat als Vorlage die 
Stiche der Tugenden- und Lasterallegorien 
des bekannten Augsburger Kupferstechers 
Martin Engelbrecht benutzt. Sicher waren sie 
ihm von Sporck zu diesem Zweck gegeben 
worden. Der Titel der Stichserie lautet: 
„XII. Außerlesene Tugenden. In Anmuthigen 
Bildern f Deren Heylsame Übung durch 
Biblische Kernsprüche und Lob-würdige 
Exempel wie auch Sinnreiche Devisen 
anrecommandirt wird . . . Wie auch XII. Ab- 
scheuliche Laster in Abschröckenden Bildern l 
Welche Durch beigefügte Biblische Sprüch 
scharif verbotten  Zu iiöthiger Warnung 
und Freud-erweckenden Entsetzen Wohl- 
meynend vorgestellt 5 und verlegt von Johann 
Andreas PfeHel. In Kupfer gestochen durch 
Martin Engelbrecht zu Augspurg." Die Aus- 
gabe trägt kein Datum. Friedrich Schott gibt 
in seinem Katalog der Stiche Engelbrechts an 
„Vermutlich 1710-15", ein Datum, dem 
zuzustimmen ist5. Die Blätter sind in jeder 
Folge getrennt von 1 bis 12 numeriert. Außer 
den drei theologischen, den vier Kardinal- 
tugenden und den sieben I-Iauptsünden sind 
je fünf weitere Tugenden und Laster dar- 
gestellt. Die Allegorien sind nicht korrespon- 
dierend zueinander angeordnet, obwohl zehn 
Tugenden auch zehn Laster entsprechen; den 
Tugenden Gottesfurcht und Liebe und den 
Lastern HoiTart und Ehrgeiz fehlen die 
inhaltlich genauen Gegenstücke. 
Ein bekanntes mehrgliedriges System der 
ikonologischen Komposition liegt dem Auf- 
bau der szenischen Darstellungen zugrunde. 
Den Personitikationen, großen, fast die ge- 
samte Bildhohe füllenden, meist stehenden, 
seltener sitzenden weiblichen Figuren, sind 
Fmblembild und -spruch, ein Bibelzitat und 
eine Erläuterung in Versen beigefügt, den 
„Tugenden" zusätzlich im Hintergrund ein 
Fatto historico sacro als biblisches Beispiel der 
Folgen eines tugendsamen Handelns und den 
,.Lastern" der Unzucht und der Leicht- 
sinnigen Sicherheit ie ein Fatto profano. 
Das Besondere der Allegorien Engelbrechts 
ist die unvergleichliche Vielfalt an Attributen 
und der ständig, von Figur zu Figur je nach 
ihrem Bedeutungsgehalt, wechselnde Aus- 
druck in Physiognomie und (iebärde. Dieser 
Reichtum in der bildlichen Ausschöpfung des 
ldeengehaltes lohnt eine eingehendere Linter- 
suchung, da sie zur Kenntnis der Barock- 
Eine wichtige Quelle ist die „lconologia" von 
Cesare Ripa. Für die vier Allegorien der 
Klugheit, der Keuschheit, des Fleißes und der 
Lügen entlehnt Engelbrecht bei ihm den 
ikonographischen Grundtypus; „Hoffnungf 
„WahrheiW und „Verzweiflungti halten sich 
zum Teil an seine ikonologischen Angaben. 
Die andere wichtige Quelle ist die Stichfolge 
Callots, dessen Allegorien des Geizes, des 
Neides und der Hoffart für die ikon0gra- 
phische Komposition Engelbrechts maßgebend 
waren. Für Merkmale und Attribute der 
Allegorien Engelbrechts, die nicht diesen 
beiden Werken entnommen sind, wird hier, 
soweit wie möglich, auf ihr Vorkommen in 
älteren oder, wenn sie dort nicht nachzu- 
weisen sind, auch in jüngeren Darstellungen 
und Beschreibungen hingewiesen, damit soll 
nicht gesagt sein, lingelbrecht habe gerade 
die genannten älteren wirklich als Quelle 
benutzt. 
Die Stiche dienten den Figuren Brauns als 
Vorbilder, mit zwei Ausnahmen, den Personi- 
tikationen der Gottesfurcht und der Liebe. 
Die „(iottesfurcht" zeigt eine Frau vor einem 
Altar mit dem Kruzifixus und den Gesetzes- 
tafeln. Der „(}liiube" Brauns hat die tradi- 
tionelle (Sestalt einer Frau mit einem Kreuz, 
dazu eine Tiara zu ihren FüRen. Die Allegorie 
es: 
. Engrlbrecht. Die Keuschheit 
. B. Braun. Die Keuschheit 

	        

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