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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 83)

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tchen. 
 
 
uuuet tttutt einmal so seltr an uer guten Aoslcnl als vtelnteili utn vettttugett uttu uet EIIDLIIIUIJKFUII uer verantwort- 
ene Künstler und Architekten aufzuspüren und zu beschäftigen. die tatsächlich der hohen Aufgabe gewachsen sind. 
An diese leidige. permanente Problematik erinnerte eine Ausstellung neuer Malereien der aus dem Burgenland stammenden 
Vlalerin Uta Prantl-Peyrer in der Galerie im Griechenbeisl (September-Oktober 1965). 
Die homogene. in sich sehr geschlossen wirkende Ausstellung ließ - obwohl die Bilder Uta Prantls an sich nicht für den 
Kultraum geschaffen wurden und auch keinerlei konkreten liturgischen Erfordernissen Rechnung tragen - mehr von dem 
anklingen. was das Wesen sakraler Kunst ausmacht. als durch bereits vorhandene Beispiele belegt werden könnte. 
Jta Prantls klar gegliederte und mit sehr viel Einfühlungsvermögen durchkomponierte Meditationen. die in ihrer geistigen 
Grundhaltung und ihrem Aussagebestreben mit den Plastiken ihres Mannes. Karl Prantl. völlig übereinstimmen. treten in 
hrer unbedingten Lauterkeit. in ihrer symbolhaften Gerichtetheit auf das Höchste hin als signifikante Zeugnisse christlichen 
Denkens und Wissens in Erscheinung. 
Die kreisförmigen. sonnenartigen Gebilde auf dunklem Grund (sie dokumentieren auch das sehr organische Verhältnis der 
Künstlerin zum Material) besitzen etwas von jener Strahlkraft des erahnten Geheimnisses. dem sich auch der Gläubige - 
ab Künstler selbst oder Betrachter e nur tastend und zögernd ndhern kann. 
Die Wirkung ihrer besten Bilder lüßt sich kaum beschreiben. Nur im gleichermaßen vom Optischen wie vorn Geistigen her 
bestimmten Dialog. der der heute immer seltener anzutreffenden Muße bedarf. des Fernhaltens von Gehetzt- und Gefragt- 
sein. tun sie sich als das auf. was sie in Wahrheit sind: Kunstwerke unserer Zeit. an denen wir uns. von Gefühl und Intellekt 
geleitet, aufrichten können. 
AUFTAKT ZUR NEUEN SAISON Hnrbstaussteilungen in Wien 
tAtt aktuellen künstlerischen Problemstel- 
urigcn nicht konfrontiert, galt es in erster 
Llnt das Gezeigte auf seine Qualität hin 
zu uberpriifen. 
EISLER 
Das Hauptinteresse des 192a geborenen 
Wieners Gcorg Elster. dem die Secsslon im 
graften Parterreraum eine Kollektive ein- 
gerichtet halte. gilt der menschlichen Figur. 
nahcrhin der rigurcngriiaac. Sie ist ihm 
insofern immer wieder Anlall zu nciian 
zeichnerischen und mdtcrischcn Variationen. 
als sich an ihr Eislers formales Bemühen stets 
von neuem entzünden kann. oic Intensität. 
mit der dies geschieht, spricht dabei zweifel- 
los entschieden für den Künstler. 
Eisler zeichnet mit dem Pinsel. Er baut seine 
Ftgurengruppen. seine Akte in der Land- 
Schaft. mit fahrigen, nervösen Strichen auf. 
victcs. was einmal auf die Leinwand ge- 
bracht wurde. wird dabei wieder verworfen. 
übermalt und neu betont. bis Eisler - in 
einer farbig oftmals hachst delikaten Weise e 
dic gewünschte Tektonik des Bildes erzielt. 
das angestrebte Spannungsverhältnis von 
Raum. rtachc und voliimcn erreicht. 
Man merkt deutlich. daß ihm nichts tcicht, 
nichts umsonst in den schon idttt. Eistcr ist 
weder cin Gciiic noch ein billiger stiiitcr. 
der sich übler Tricks bedient. Es ist daher 
ainc logische Folge, dan die Ergebnisse seiner 
Arbcit unterschiedlichste Qualitäten dut- 
weisen. Neben reichlich verkrampft und 
überladen wirkenden Formaten fanden sich 
geglückte. überzeugende Leistungen von 
hoher malerischer Ausdruckskrait und 
Noblesse: Das sklzzenhafte Pnrtrat seines 
vatcis. Bilder wie dcr 1959 entstandene 
..Fasan", die grandios gelungene ,.stranc ll". 
cinc hervorragende. durch ihre zurückhal- 
lende Malarl an Munch erinnernde Winter- 
landschaft (Katalog Nr. 17) sawic einige 
besonders gelungene z chnungen und 
Skizzen. WIE zum acisoict cin Portrat des 
Philosophen Ernst Blech. 
SCHWALM 
Ebenfalls dem Expressionismus. und zwar 
nüherhin den französischen Fauves. ist auch 
Laszlo Schwalm verhaftet. der sich ln der 
Galerie Synthese am Graben mit Ölbildern. 
Gouachen und Aquarellen erstmals in Öster- 
reich vorstellle. 
So wic bei Georg Elsler hat man auch bci 
ihm den Eindruck. daß dieses Stchberufen 
auf eine der bereits klassischen Traditionen 
der bildenden Kunst dieses Jahrhunderts 
rrci von opportunistischen Erwagungen ge. 
schtehl. 
Schwolm ist ein (artiger. ernst arbeitender 
und um seine Möglichkeiten Bescheid wissen- 
der Maler. der in cincr gelegentlich an 
Georges Rouaull erinnernden Art und Weise 
seine von elementarer Farbigkeit zeugenden 
Porträts und Landschaften gestaltet. Dabei 
kommt dem von ihm richtig erkannten 
eigenen Aussagewcrt der Farbe und somit 
   
9 
dem formalen Geschehen selbst. der künst- 
lerischen Umsetzung. denkbar große Be- 
deutung zu. was die - in Wien häufig zu 
beobachtende - Gefahr eines sichvcrlicrcns 
ins Thematische und Literarische gar nicht 
erst aufkommen lüßl. 
Laszlo Schwalm. van 1957 bis 1961 Schüler 
von Josef Dobrowsky an der Wiener Aka- 
demie der bildenden Künste. besitzt allerdings 
nicht nur ein spürbar echtes. vitales Ver- 
hältnis zur Farbe. Auch in der gelegentlich 
durch den Kubismus bcdinnulttcn. van starken 
Konturstrichen bestimmten Komposition _ZElgl 
sich gleichermaßen Empfinden _und Wissen 
um die schöpferischen Möglichkeiten des von 
ihm eingeschlagenen und in diesem Fall 
bestimmt noch weiterhin tragfähigen Weges. 
Die nintcrgrundig-victschichtigcn Personen- 
darstellungen und Portrdts sind datiir in noch 
exponierlerem Malte als die stimmungs- 
vollen. melancholischen Landschaften aus der 
Gegend des burgenländischen st. Margarethen 
anzuführen. 
FISCHLHAMMER 
Mit einer für Wien interessanten Neuent- 
deckung slarlete die ambitionierte Galerie 
Autodidakt. Operngasse 9. ihr Herbswm- 
gramm: Hubert Fischlhammer. geboren v1925 
in Ried im lnnkrcis. wartete mit cincr solidcn. 
für ihn etnnehmenden Kollektion von Linolr 
und Holzschnttten. Federzelchnungen. Mono- 
lyplen. Rellef- und Pragcdruckcn auf, wic 
die Aufzählung dieser VTECLIDIKGH schon an- 
deutet. begegnet man in Ftschlhammer. der 
sich im wesentlichen auf autodtdaktlschem 
Wege herangebildel hat, einem iiberausver- 
sierten, experimentierfreudlgen Graphiker. 
der bewußt die Vielzahl handwerklicher 
Möglichkeiten ausschöpft und zu durchaus 
eigenständigen Lösungen gelangt. _ _ 
ln beinahe jedem der von ihm praktizierten 
Verfahren finden sich beherrschte. ausdrucks- 
starke Blütter. die sich durch Sauberkeit und 
Präzision sowie formale und farbliche 
Qualität auszeichnen. In Flschlhammers be- 
ziehungsreichen, gut komponierten Arbeiten 
lh Mischtechnik und den besten seiner Mono- 
typien wird man stets von neuem mit höchst 
reizvollen. harmonisch-dekorativen Formu- 
lierungen konfrontiert. Gegenüber dicscn 
Graphiken fallen die rhythmisch durchge- 
arbeiteten Federzeichnungen wesentlich aske- 
tlscher aus. Damit gelingt Flschlhclmmer der 
Beweis. daB er auch mit ganz sparsamen 
Mitteln sein Auslangen findet. 
GRAZER KÜNSTLERBUND 
Mit Malereien und Graphiken von lSFSEIHEF 
Mitglieder stellte sich der Grazer Künstler- 
bund anlaßlich seines vierzigsten Geburls- 
tdgcs im Französischen Saal des Wiener 
Künstlerhauses vor. Waren auch dic ltasincn 
im Kuchen spärlich gcsdt, so verriet das 
Arrangement der Ausslellung allerdings 
Geschmack und Geschick. Dali dic luryvetner 
verhältnismäßig kleinen Künsllerverelnlgung 
auch Dinge durchrutschen lüßt. die man 
Peter Baum 
lieber nicht zeigen sollte. darf einen ange- 
stchtsdergleichen Mißstdndc bei den größeren. 
renommierten Wiener Vereinigungen nicht 
wcitar wundern. 
Der aus Kalifornien stammende Amerikaner 
Andrew Molles. dcr vor vier Jahren durch 
eine Einzelausstellung im wicncr Konzerthaus 
in Österreich bekannt wurde. überraschte 
mit neuen abstrakten. zii Zyklen von drei 
und vier Exponaten zusammengefaftlen Ol- 
malereien. Zwischen den einzelnen Arbeiten 
einerseits und der malerischen Aufschlüsselung 
anderseits (Molles teilt jedes Bild in zwei 
Hälften, die in der malerischen Behandlung. 
im Duktus differieren) entsteht ein echtes 
Spdnnungsvcrhaltnis. ln den kleineren. oft 
nur mit wenigen strichcn. Strukturen. Flecken 
und Wischern bedeckten Formaten erreicht 
Molles die angestrebte Verdichtung und über- 
einstimmende Aussage in besonders befrie- 
digendem Maße. 
Jörg Hartig, ein weiterer Abstrakter. ricl vor 
allcm durch ein zirka zwei Meter hohes Bild 
mit dem Titel "Expansion" auf. das in seinen 
farbigen Abstufungen wie auch im Kompo- 
sllionsganzen vollauf gelungen ist. Gegenüber 
dieser beherrschten Arbeit blieben weitere 
Bilder Hartigs allerdings entschieden im 
Hintergrund. Aui der Haben-Seite ließen 
sich schließlich noch Albcrt Birkle mit sorg- 
tdltigcn Glasferislerentvvürfen. Fred Honig. 
Paula Maly und Herbert Müller anführen. 
KATZMANN 
In den renovierten Räumen des internatio- 
nalen Künstlerclubs im Palais Palffy gab der 
1920 geborene Wiener Maler und Graphiker 
Erich Katzmann einen gut gesichteten Quer- 
schnitt durch sein jüngstes. scrigraphicn, 
Aquarelle und Olbilder umfassendes Schaffen. 
Katzmann. der schon längere Zeit hindurch 
in Wien nicht mehr kollektiv zu sehen war. 
hat - wie seine gekonnten und eigenstän- 
digen Abstraktionen bewiesen - erfreuliche 
Fortschritte erzielt. Seine Handschrift ist 
freier geworden. die Malerei als solche tritt 
in schonstcn Nuancierungen stärker hervor. 
ohne daß deshalb der formale Aufbau. der 
dem Bild Halt und Maß gibt. vernachlässigt 
werden würde. 
NAGY 
Nachhaltigen Eindruck hinterließ auch die 
in der Galerie Fuchs stattgefundene Kollektive 
Eva Nagys. 
Die nur gelegentlich leicht und andeutungs- 
weise kolorierten Bletstiftzeichnungen der 
Künstlerin sind in ihrer Grundtendenz ernst 
und grüblerisch. Eva Nagy scheut jeden 
bloßen Effekt, jede dekorative Beiläufigkeit. 
Mit ihren Labyrinlhen aus Menschenleibern. 
dem lneinanderverschlungensein dünner 
xarpcr beschwört sie _-_ in zumeist skizzen- 
hafler Weise - die Angst: und Qualen. 
Sehnsüchte und Hoffnungen. die den Men- 
schen in ausweglos scheinenden Situationen 
bewegen. Ein leises Anklingen an die 
vegetabile Farmenwelt eines Malta. an ur- 
alte. für den modernen Künstler jedoch 
ungemein faszinierende Fruchtbarkeitsidole 
Bildtexte 9-43 (Abb. stehe unten) 
9 Ldszla Schwalm. Porträt 
10 Laszlo Schwalm. Burgcnldndisch 
schaft (Abb. 9. 10 aus der Au: 
des Künstlers in der Galerie Syn 
11 Jörg Hartig. Expansion. O1. 200: 
(aus der Ausstellung des Grdzcr lt 
bundes im Wiener Künstlerhaus) 
12 Erich Kcltzmann. Flugelfigur. 191 
druck (aus der Ausstellung in 
nationalen Künstlerclub - 
Fatffy) 
13 Miraslav Kuzelcl. Graphik. signit 
(aus der Ausstellung in der 
Junge Generation) 
und Symbole ist nicht von der l- 
weisen. 
Nicht bestreiten lüßt sich aber auch. 
interessante Zeichnerin in manche 
stischer Läuterung bedarf. Bei der I 
und Redlichkeil. mit der sie sich ihre 
lerischen Arbeit zuwendet. wird d- 
Voraussicht nach nicht lange dducri 
INDUSTRIAL DESIGN 
Eine von Profssor Franz Haffms 
sammengeslellte Ausstellung im nel 
bdude der Akademie für angewandt 
ga!t ausschließlich dem lndustrial 
Mit dieser anlüßlich des in Wien abgel 
Kongresses der ICSID. dem der 
angeschlossenen internationalen l 
aller nationalen Dsigner-Organis 
veranstalteten Schau wurde an Hc 
spielgebender Entwürfe und Nlodl 
Hand übersichtlicher Tafeln und ber 
geführter Gegenstände die Notwe 
einer zweckentsprechenden und n 
einfachen Gestaltung industrieller F 
dokumentiert. 
Die brennend aktuelle und in eine 
alter fortschreitender lnduslrialisierl 
Automation jedermann angehende 
matik. die durch diese Ausstellung 
plarisch aufgeworfen wurde, verlt 
sauber und exakt aufgezogenen. 
rtctttenden Exposition. die neben det 
mann in gleicher Weise den Laien a1 
denkbar große Bedeutung und Publi 
Im selben Haus führte eine weite 
stellung (ihr lnitiator war Professor 
Tasquill in die für sämtliche Schi. 
Akademie obligatorische .,Theorie dl 
und Klasse des Grundstudiums" ein. 
Ausgehend von konstruktiv bes 
Arbeiten bis zu freieren. organisch wi 
Kompositionen wurde dem BESUK 
nicht zulelzt auch an Hand besonders 
Reliefs und Kleinplclstiken - die pra 
Lehrmethode in informativer um 
zciigcndcr Weise vor Augen gctiihr 
KUZELA 
Die zweite Kollektive im neuen. der bl 
Kunst der östlichen Nachbarstaaten 
meten Ausstellungszyklus der Galeri 
Generation am Börseplatz vermitl 
Bekanntschaft des aus Brünn starr 
Laienmalers Miroslav Kuzela. D: 
geborene Maler. der erst zweimal 
stellungen in der CSSR beteiligt wc 
als eigenständige und höchst ct 
Begabung gewertet werden. was au 
heute weitätgehend korrlmerzialisler 
tar der Malerei ohnedies nur met 
selten vorkommt. Kuzelas reiche. tht 
allerdings sehr genau abgegrenzte Pl 
die gewisse bildnerische und m 
Parallelen zur Vohstellungswelt 
Brauners aufweist, beflügelt den 
stets von neuem zu ungewöhnlich 
niscrten. oftmals sehr amüsanten pers 
Ergebnissen. die den Erfardernissel 
naiver Malerei auch durchweg entsl 
Fell 

	        

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