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Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

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Herzogs, flankiert von einer Nereide (links) und einem Triton (rechts); 
zwischen den Säulen die allegorischen Gestalten der Pax und der Sapientia. 
An den Säulen lebensvoll bewegte Putti, Embleme, Edelsteine u. s. w. Ganz 
oben wird eine Münze mit dem Kopf des Augustus von zwei Steinböcken 
gehalten. Es ist ja bekannt, dass Augustus im Zeichen des Steinbockes 
geboren worden ist. 
Dient schon in dieser Handschrift die antike Sage und Geschichte der 
darstellenden Kunst der Renaissance, so gilt dies in noch viel höherem Masse 
von den Miniaturen der Handschrift mit der Nikomachischen Ethik des 
Aristoteles. Jedes der zehn Bücher des Werkes trägt ein Titelbild, dessen 
reich detaillierte Komposition dem Inhalte des betreffenden Teiles ange- 
passt ist. 
Dem umständlichen bildlichen Kommentar liegt ein vorher konzipiertes 
wissenschaftliches Programm zugrunde. Schon Waagen hat die Vermutung 
ausgesprochen, dass die Autorschaft dieses Programmes auf den Herzog 
selbst zurückgehe, und Hermann hat diese Ansicht durch den Hinweis auf 
die ausgebreitete Gelehrsamkeit Andrea Matteo III. noch des eingehenderen 
begründetfk 
In dem Mittelbild der hier reproduzierten Miniatur, das den philo- 
sophischen Grundgedanken der Ausführungen des Aristoteles veranschau- 
lichen soll, und das, von mythologischen und historischen (hie und da auch 
genremässigen) Darstellungen umrahmt wird, gewahren wir eine Frauen- 
gestalt. Es ist die Freigebigkeit, die bei Aristoteles in dem betreffenden 
(vierten) Buche Eleutheriotes heisst, und die trotz des geänderten Namens 
doch im wesentlichen nichts anderes versinnbildlicht, als eine alte Bekannte, 
die Megalopsychia auf dem Aniciabilde des Dioskorides, einem der ältesten 
Bilder, mit dem die vorliegende Studie sich zu beschäftigen hatte; auch dort 
spendet die freigebige Frau dem bedürftigen schöpferischen Genius Gold- 
stücke. Ungezwungen können wir auf eines der ältesten Denkmäler der 
Miniaturenkunst zurückgreifen, um das Wesentliche einer Darstellung auf 
einem Bilde zu erläutern, wo eben dieselbe Kunst in ihrer höchsten Blüte 
eines ihrer letzten Worte gesprochen hat. 
Rechts und links von der Mittelgruppe erscheinen als Gegenstücke 
Tantalus und eine Danaide. Bezüglich der übrigen, nicht durchwegs leicht 
zu deutenden Darstellungen sei auf Hermanns eingehenden Kommentar 
(a. a. O., S. 1733.) verwiesen. Zutreffend erkennt er, dass auf den Rand- 
miniaturen Alexanders des Grossen Edelmut und Seelengrösse das im Texte 
l: Nicht mit Unrecht hat die Forschung auf diesen Punkt, auf die künstlerische Verwertung altklassischer 
Motive nach programmatischen Anweisungen, gmssen Wert gelegt. Mit der Ausbreitung des Humanismus und 
der von ihm getragenen Kultur hat diese Übung auch in ausseritalienischen Ländern Fuss gefasst. Kaum liesse 
sich ein bezeichnenderes Beispiel nachweisen, als die Ausschmückung des Kriegsschifies, das Don juan de 
Austria nach Lepanto führen sollte. Das bezügliche Programm, an dem der spanische Humanistjuan de Malara 
mitarbeitete. bietet wohl die denkbar reichste Ausnützung der klassischen Antiquitäten zu einem solchen 
Zwecke und füllt einen starken Band. Man vergleiche hierüber meinen Aufsatz: „Die Galeere des Don juan de 
(Austria bei Lepanto". Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Band XV 
1894) x H.
	        

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