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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 113)

Du kinfllge Gewerbemuseum. 
Dem am 8. Januar in der Monatsversammlung des n. o. Gewerbevereines erstatteten 
Generalberichte des Museal-Comitäs entnehmen wir Folgendes: 
Der Berichterstatter, Herr Regierungsrath Exner, gab nach zwei Richtungen hin 
Auseinandersetzungen: erstens in Bezug auf das Programm des Museums und zweitens 
in Bezug auf die Organisation desselben. 
nDas Programm, meine Herren, ist sehr kurz, aber ebenso präcis. Wir verlangen 
ein Institut, welches der mechanischen Grossindustrie und dem mechanischen Gewerbe 
einerseits und dem chemischen Kleingewerbe andererseits zu Hilfe kommt, von der An- 
sich! ausgehend, dass die chemische Grossindustrie nicht dazu geeignet ist, von dem 
wesentlichsten Attribute eines Museal-Institutes, vom r-Anschauungsunterrichten, 
Nutzen zu ziehen, und dass dieselbe auch mächtig genug ist, die ihr dienlichen For- 
schungen selbst zu bestreiten. Diese Auffassung wurde nicht nur von den Chemikern 
des Comitt5's getheilt, sie wurde auch durch andere hervorragende Chemiker bestätigt. 
Wir sagen pracis: die mechanische Grossindustrie und das Gewerbe 
sollen durch das Gewerbemuseum gefördert werden. 
Dass wir diese Scheidung machen zwischen mechanischer Grossindustrie und den 
Gewerben, ist durchaus nicht in der Anschauung begründet, als ob das Kleingewerbe 
nicht zumeist in die Grossindustrie übergehen müsste; - wir sind vielmehr auch der 
Ansicht, dass das Kleingewerbe im Allgemeinen nur eine zeitliche Existenzberechtigung 
hat. Aber gerade diese relative Existenzberechtigung macht es der Regierung zur Pflicht, 
dem Kleingewerbe helfend und rathend zur Seite zu stehen. 
Die Kleingewerbe treten früher oder später in ein Uebergangsstadium zur Gross- 
industrie. Wie lange wird dieses Uebergangsstadium dauern? Welche Kleingewerbe haben 
noch längere Zeit Aussicht, weiter zu existiren? Welche Kleingewerbe können sofort in 
Kunstindustrie übergeführt und gerettet werden - welche nicht? Diese Fragen zu erör- 
tern ist nicht der Beruf einer Behörde, wohl aber eines der Losung dieser Fragen ge- 
widmeten Institutes. Ein solches Institut hat eben die Aufgabe, der Grossindustrie zu 
nützen, der Kleinindustrie die Wege zu zeigen, welche sie zu gehen hat, um diesen 
Process ruhig und gefahrlos für ihre dermaligen Träger durchzumachen. 
W'ir wollen durch dieses Institut nicht das Kleingewerbe schützen vor einem 
Uebergehen in die Grossindustrie, im Gegentheile, wir wollen die Vertreter der Klein- 
gewerbe vor dem geschäftlichen Ruin, ja vor dem Hunger bewahren, dem sie zweifellos 
anheimfallen, wenn das Gewerbe seinen unaufhaltsamen Entwicltlungsgang nimmt, wah- 
rend Jene ihm nicht gewachsen sind und zurückbleiben. 
Ueber diese Frage sich mit leeren Phrasen hinwegzusetzen und das vKleingewerbeu 
nur als ein Schlagwort zu betrachten, womit i-Staatsmanner sich Popularität verschaffen 
wollen-t, halten wir für nicht correct. Das Kleingewerbe liegt darnieder, es hilflos sich 
selbst zu überlassen, ist unverantwortlich. Wir haben auf dem ünanziellen Gebiete ge- 
sehen, was das Princip der Nichtintervention verschuldet hat. 
Ich habe nun nach dieser durch eine Provocation herbeigeführten Erweiterung der 
Programms-Definition überzugehea auf die Einrichtung des Institutes selbst. 
Wie kann ein grossartig angelegtes derartiges Institut dem Gewerbe und der In- 
dustrie nützlich werden? Auf zwei verschiedenen Wegen, die aber nebeneinander laufend 
zum gleichen Ziele führen: auf dem Wege der Forschung und auf jenem der Lehre. 
Meine Herren! Alle Museen, welche blos als Lehranstalten aufgefasst wurden, 
haben nur eine sehr precare Existenzfahigkeit, sie haben aber die Existenz überhaupt 
noch, weil ein Museum, wenn es einmal vorhanden, nicht leicht umzubringen ist. Diese 
Art von Existenz ist jedoch nicht ermuthigend für die Nachahmung solcher Institute 
durch andere Staaten. 
Einige Institute, welche blos Anschauungsunterricht pflegten, haben in Bezug 
auf die technische Seite ein gelindes Fiasco gemacht. Ebenfalls verfehlt, wenn auch in 
geringerem Grade, wäre es, ein solches Institut blos für die Forschung zu errichten. 
Denn die Forschung allein ist für uns, die wir uns in einer Nothlage befinden, nicht 
genügend, wir müssen die Resultate der Forschung sofort verzinsen, und das kann nur 
durch die Lehre geschehen. 
Die Forschung wird in einem solchen Institute nur durch experimentelle 
Untersuchung gepßegt werden können. 
Die Vorstellungen über die Forschungsanstalten sind nicht allenthalben sehr klar, 
im Gegentheil. Ich will hier keine Beispiele anführen, könnte aber solche anführen, 
welche beweisen, dass man von der Möglichkeit, durch Forschung zu nützen, nicht all- 
gemein überzeugt ist. 
Ich erlaube mir, Ihnen darzulegen, wie das Museal-Comite sich die Organe dieser 
Forschung vorstellt.
	        

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