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4 Kunst im mittelindischen Kushana-Reich 
Teilweise aus der eigenen indischen Entwicklung heraus, die 
^ durch philosophische und religiöse Wandlungen bewirkt wurde, 
^ und teilweise durch das mitfelmeerländische Pantheon angeregt, 
gingen die Inder unter dem zentralasiatischen Herrscher 
geschlecht der Kushanas in den Jahrhunderten nach Christi Ge- 
® burl dazu über, den Buddha in miniaturhaften Reliefs als Han- 
«I delnden und Leidenden in Menschengestalt abzubilden und in 
unterlebensgrofjen sitzenden oder stehenden Kulturbildern zu 
* verehren. Die mittelindische Residenz der Kushanas war Mathura 
in der Ebene des Ganges-Yamuna-Flufjsystems. Hier wuchsen 
Bildhauerschulen heran, die für die drei grof)en Glaubensgemein 
schaften des frühen Indien —- Hindus, Buddhisten und Jainas — 
Kultbilder schufen und erzählende Reliefs zum Schmuck der 
Tempel und Stupas herstellten. Die Bilder sind von archaischer 
Strenge, und das Menschenbild hat alle Züge eines frühen und 
wandlungsfähigen Stils. Die Werke wurden bald berühmt, und 
die Bildhauerschulen der Königssfadf scheinen auf Bestellung Bil 
der in alle Teile Indiens geliefert zu haben. Die Bezeichnung des 
Ptolemäus für Mathura als „Stadt der Götter" zeigt, da^ der Ruf 
dieser Stadt weit über die Grenzen Indiens hinausgedrungen 
war. Besonders berühmt sind die Frauenfiguren an den Vorder 
seiten der Stupa-Zäune, die auf der Rückseite Jataka-Szenen 
und Legenden aus dem Leben des Buddha zeigen. Ein hervor 
ragendes Beispiel vom Ruinenhügel Bhuteshar unterrichtet uns 
über die hohe Kunst der Menschendarstellung in Einzelfigur und 
Szene. Das wertvolle Fragment stammt aus dem Indian Museum, 
Calcutta (Kat. 107—110). Auch jetzt ist die Herstellung von volks 
tümlichen Terrakotten in voller Blüte (Kat. 127). Typisch indische 
Physiognomien kommen neben zentralasiatischen und fremdlän 
dischen Köpfen vor. Aus dieser Zeit sind auch einige Beispiele 
des „Porträts" oder Idealporträfs erhalten, das von indischen 
Künstlern nur selten und meistens unter Anregung aufjerindischer 
Kulturkreise versucht wurde. Ästhetische Ideale der zentralasia- 
tischen Skythen und Kushanas und künstlerische Qualitäten der 
griechisch-römischen Kunst, die im Gandhara-Land bekannt 
geworden war, vereinigten sich zu so außerordentlichen Leistun 
gen wie männlichen (Kat. 103) oder weiblichen (Kat. 106) Köp 
fen. Sie stammen vielleicht aus „Ahnengalerien" der mittelindi 
schen Kushana-Haupfsfadt Mathura. Gegenstücke sind in der 
letzten Zeit in Funden des afghanischen Surkh Kotal und des 
choresmischen Toprak-Kala bekanntgeworden. 
ART IN THE CENTRAL INDIAN KUSHANA EMPIRE: Under the 
Central Asiatic rulers of the Kushanas in the Century öfter the 
birth of Christ, the Indians began to depict in miniature reliefs 
an active and suffering Buddha in human form, and to honour 
him in smaller than life size sitting or standing Images. This was 
due to some extent to philosophical and religious changes and 
to a certain degree to Inspiration from the Mediterranean Pan 
theon. The Central Indian Capital of the Kushanas was Mathura 
in the plain of the Ganges-Yamuna rivers. Here schools of sculp- 
fure grew up which created cult objects for the three great reli 
gious communities of early India — Hindus, Buddhists and 
Jains — and narrative reliefs for the decoration of the lemples 
and Sfupas. The pictures have an archaic severity and in the 
depiction of human beings, all the traits of an early and adapf- 
able style are to be found. The works very soon became famous 
and the schools of sculpture in the king's town seem fo have 
delivered ordered pictures to all parts of India. The fact that 
Ptolemy calied Mathura "City of the gods" shows that its repu- 
fation had spread far beyond the frontiers of India. The female 
figurines found on fhe front of the Stupa railings are specially 
famous. On fhe reverse are Jafaka scenes and legends from the 
life of Buddha. A splendid example from fhe mounds in Bhuteshar 
instructs us in the highly developed art of depicting single hu 
man figures and groups. One valuable fragment comes from the 
Indian Museum in Calcutta (Cat. 107—110). The production of 
folk art terracottas was similarly conflnued during this period 
(Cat. 127). Typical Indian features appear togelher with heads 
from Central Asia and neighbouring countries. Some specimens 
of "portrait" or "ideal portraiture" dating from this period and 
of a style only seldom atfempted by the Indian artists, and then 
always under foreign influences, have been preserved. Aesthetic 
ideals of fhe Central Asiatic Scythians and Kushanas wilh hall- 
marks indicating the influence of Graeco-Roman Gandharan art 
are blended in such marvellous achievemenfs as the male head 
(Cat. 103) or the female statue from Mathura (Cat. 106). They 
may have originated in the ancestral galleries of the Central In 
dian Capital of Mathura; similar pieces have recently been dis- 
covered in Surkh Kotal in Afghanistan and in Toprak-Kala in 
Choresmia.
	        

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