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Volltext: Katalog der Ausstellung ostasiatischer Kunst im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie

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des täglichen Lebens gefunden worden. Die Ethnographische Sammlung besitzt eine Reihe 
solcher Grabbeigaben. Nr. 36 ist eine grünglasierte Kornvase, die der architektonischen Form 
eines Kornspeichers nachgebildet ist, die Nummern 40 und 43 sind hohe, dickbauchige Wein 
gefäße— auf kegelstumpfförmigem Fuß mit schön irisierenden Glasuren —, deren Wandungen 
durch einfache Furchen gegliedert sind, und Nr. 45 ist eine kleine bauchige Vase, auf der 
in Reliefbändern Jagdszenen mit Wild im „fliegenden Galopp“ dargestellt sind. Alle diese 
Gegenstände sind aus gebranntem Ton und wenngleich die Bezeichnung Porzellan seit 
dem 2. Jahrh. n. Chr. in der Literatur nachweisbar ist, so sind uns auch in der T’ang- 
zeit noch keine Stücke aus diesem Material bekannt. Es sind zwar Berichte überliefert, 
nach welchen in der Fabrik Chin-te-chen große Mengen von Porzellan als Jadeimitation 
hergestellt worden wären, doch sind die erhaltenen Gefäße aus der Zeit der T’angdynastie, 
obwohl sie schon gemusterte Glasuren zeigen, noch aus gebranntem Ton. Die Schale 
r. 64 mit Glasurflecken in den Farben gelb, grün und violett, die zur Gruppe der 
„tigergefleckten Glasuren“ gehört, vertritt sehr gut den Töpferstil dieser Zeit. 
Die Keramik der auf die T’angdynastie folgenden Sungzeit bringt schlichte Formen 
und einfarbige glatte oder gekrackte Glasuren in verschiedenen Farben und Schattierungen. 
Die monochrome Farbengebung und die Einfachheit, mit der ein schlichtes Pflanzenmotiv 
m die Fläche eingeritzt ist, zeigen den Zusammenhang mit der hohen Kunst dieser Periode. 
Uenn wie der Maler der Sungzeit mit dem Bilde eines Vogels, eines Baumes, oft 
auch nur eines Zweiges durch den Ernst und die Größe der Darstellung in dem Be 
schauer die Vorstellung von der Unendlichkeit des Weltalls zu erwecken weiß, so ver 
meint man auch in den Schmuckformen der Keramik dieser Zeit einen Hauch von der 
poetischen Naturmystik zu verspüren, die, in der buddhistischen Chanlehre wurzelnd, jenem 
^ aufdrückt. Die Ethnographische Sammlung besitzt aus dieser Zeit 
ei btucke: Nr. 74, ein Gefäß zur Aufbewahrung von Tee, dessen steinzeugartige Masse 
mi wauner einfarbiger Glasur von samtartiger Weichheit überzogen ist, Nr. 75, eine schön 
g^esctiweifte Vase, deren Wandungen unter der dünnen hellgrünen Glasur Furchungen der 
fünffach gebuchtete, kleine Schale aus Steingut mit 
ppf3R weißem Anguß unter der farblosen gekrackten Glasur. Alle diese 
uetaße sind aus steingutartiger Masse; denn auch dem Scherben der Sungzeit fehlen im 
allgemeinen noch die kristallinischen Bestandteile des Porzellans. Nur ein einziges Gefäß 
Axüfri Gsitze des Osterr. Museums, das vielleicht noch in die Sungperiode gesetzt 
bauchige, nach unten stark ver- 
n ^ u ^ Paonienranken und Chrysanthemen geschmückt ist. Das Muster ist 
wnrinrrüTf durch Schrägschnitt in die weiche Masse eingegraben, 
u er G asur fein modellierende Licht- und Schattentöne hervorgerufen werden. 
in der Formen- und Farbengebung der Sungzeit zeigt d<rs 
Obgleich die Formen im allgemeinen noch dem Wesen des Materials 
H ^^deutend reichere Gliederung, und auch die Verzierung der Gefäße wird 
immer bunter in den Farben und immer reichhaltiger in der Wahl des dargestellten Gegen- 
tandes. Zu den schon in der Yüanzeit verwendeten Unterglasurfarben, die im Scharffeuer 
autgebrannt werden, kommen die schwachgebrannten Emailfarben und zu dem einfachen 
hanzenmotiv treten die figürlichen Darstellungen. Sowohl in Unterglasurfarben wie in 
b^melzfarben verziertes Porzellan ist durch interessante Objekte vertreten. Zu den besten 
Nummern 151 und 152, die auf violettem oder rotem Wellengrund 
rlinl. f buddhistische Symbole in den Farben der famille verte zeigen. Noch 
reicher als m der Mingzeit wird die Töpferei in Technik, Form und Farbe unter der
	        

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