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Volltext: Das österreichische Plakat Werbekunst-Ausstellung des Bundes österreichischer Gebrauchsgraphiker im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie Wien I, Stubenring 5 August - September 1929

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verfällclites Bild unfercs Zeitftils, hier manifeltiert licli der Oeldimack der 
Menfchen, hier ?eist lieh der tempohefdrleunigende, mechanilierende EinfluB 
der Technik unferes leider nur in dreier Hinficht unübertroffenen Jahrhunderts. 
Die bequeme Gemütlichkeit ilt fort^ denn der Erwerbsgedanke beherrfcht alles. 
Trohdem dürfen wir aul äfthetifche Gefichtspunkte nicht vernichten. Das 
Bedürfnis nach Schönheit in den Propagandamitteln, angefangen von der 
Werbung der Verkehrsmitteh der Induftrie, des Handels, die das gelamte 
Strabenbild von den Dächern bis hinunter tu den Schildern, Schaufenltern 
und Plakatläulen beherrfchen, kann nur dann befriedigt werden, wenn die 
Ausgeltaltung von berufenen, verantwortungsbewußten Künftlern über= 
nonimen wird. Langfam befinnt man fich, daß nur berufene Künftlerhände 
die fchreienden Gefchmacklofigkeiten bannen können, deren Llnsiahl, von 
Pfulchern hergeltellt, in letzter Zeit das Stadtbild veruntjieren. 
, Die W^erbegraphik erfüllt wirtlchaftlichen, äfthetifchen und künltlerilchen 
I Zweck und verdient vielleicht mehr Beachtung, als die V/erke der freien 
Kunft, da die Bewältigung und Eöfung täglicli neuer Aufgaben das größte 
Können, lowie die Beherrfdiung aller Techniken vorauslet;t. Der Gebrauclis» 
' graphiker hat unter viel Ichwierigeren Verhältniffen lein Werk dem jeweiligen 
' Zwecke dienlich ?u machen. Er kann nicht, wie der frei Ichaffende Maler, 
^ nur feiner momentanen Intuition arbeiten. Der Gebrauchsgraphiker muß 
fein Können dem Zweck unterordnen, er muß als Künftler mit Inlpiration 
imd Phantafiereichtum, die nicht erlernbar find, dem Gedanken jenes 
Gewand geben, das fich der Mentalität der Bevölkerung anpaßt. Er muß 
beftrebt fein, mit feiner Arbeit Verbraudier, einer Idee Anhänger su 
gewinnen. Es muß allo der wcrbcgraphifclien Arbeit auch pfychologitchc 
öberlegung vorausgehen. Der Künftler, der fidi mit der Reklame befchäftigt, 
muß daher Pfychologe, Philofoph und Stilift fein, Stililt deshalb, weil das V/ort 
. in Verbindung mit dem Bild, das Schwert und Rülteeug jeder Reklame ilt. 
Kenntnis aller Druckverfahren wie: Tiefdruck, Flachdruck, Hochdruclc und 
ihrer Behelfe: Hol;?fchnitt, Stricliät5ung, Autotypie, Schrift (Sdiriftguß), Stereo 
typie, Galvanoplaftik, Handfat5 (Typographilches Syftem), Aialchinenfah, 
Kupfer- und Stahlftich, Radierung, Photogravure find abfolutes Erfordernis 
I für den Gebrauchsgraphiker, da er %. B. schon im Entwurf auf die ^u 
wählende Reproduktionsart Rückficht %\x nehmen hat. Unter Bedacht auf 
Formen- und Farbenlehre muß der Gebrauchsgraphiker als Zeichner durch 
feine Arbeit Aufmerkfamkeit erwecken I Es muß Vergleichsmöglichkeit 
gefchaffen werden, es muß ein Unterfchied oder Gegenfa^ in den Reisen 
vorhanden fein, da ohne Gegenfatj keine Wirkung möglich ift. Je größer
	        

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