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Howard Fried, A Clock of Commercial Significance 
(from Synchromatic Baseball) (Eine Uhr mit kommerzieller Bedeutung 
[aus Synchromatischer Baseball]), 1974-78. Mit freundlicher 
Genehmigung der Galerie Paule Anglim, San Francisco 
ger Jahren betrachtete er die Form als Metapher für den Kreis 
lauf von Gesundheit, Krankheit und Fleilung. Genau wie die 
schier endlosen Pfade des Labyrinths selbst wurde auch 
Fox’ Suche allmählich zur fixen Idee. So sagte er: »Die Jahre, 
die ich damit verbrachte, gingen nicht besonders gut für 
mich aus - ich wurde - ich meine, es war eigentlich eine 
Obsession.«®'* 
Fox begann 1972 mit einem Gipslabyrinth und experimen 
tierte in Zeichnungen, Objekten, Plastiken und musikalischen 
Arrangements mit dieser Form, so beispielsweise in seinem 
Notenschrift-Labyrinth für Katzenschnurren - ein Tonband mit 
den Schnurrlauten von elf verschiedenen Katzen. Das Band 
beginnt mit recht zahm klingendem Schnurren, das sich all 
mählich verändert, bis die Laute der verschiedenen Katzen 
zusammen an das Fauchen einer Raubkatze erinnern, das laut 
Fox in der Mitte des Labyrinths erklingt. Unkonventionelle 
Geräusche wie das Gurgeln des Abwassers und das Schnar 
chen in Cellar sowie Klänge, die er mit einem Geigenbogen 
und selbstgemachten Musikinstrumenten erzeugte, erzeug 
ten eine ungewöhnliche Musik, die zugleich sakral und er 
hebend war. Dieses Werk enweckt das starke Gefühl, alle 
an Zeit und Form gebundenen existentiellen Realitäten zu 
transzendieren, ein Prozeß, dem Fox auch mit Hilfe von Levi 
tation, Schlafen, dem Labyrinth und dem Genuß von bewußt 
seinserweiternden Drogen näherzukommen suchte. 
Während Fox das Labyrinth in der Öffentlichkeit als psychi 
sche Metapher einsetzte, beschäftigte sich Howard Fried, ein 
Mitstreiter aus der Bay Area, mit Gruppendynamik und den 
psychologischen Aspekten sozialer Interaktion. In Synchro 
matic Baseball (1971) entwickelte Fried eine psychologische 
und visuelle Metapher für gegensätzliche Charaktertypen. 
Er lud zwanzig Leute zu einem nächtlichen Baseball-Spiel 
ein, das auf einem hell erleuchteten, hochgelegenen Dach 
gespielt werden sollte, und zwar mit Tomaten anstelle von 
Basebällen. Er nannte die Teams Dommy (für dominant) und 
Indo (für indominant). Die Mitspieler wurden weder über die 
Bedeutung der Namen noch über Frieds Motive für die Aus 
wahl informiert. Fried, der die Spieler anhand seiner Beziehung 
zu ihnen eingeteilt hatte, übernahm die Rolle des Trainers und 
Fängers. Die Dommies verhielten sich äußerst diszipliniert und 
etablierten schnell eine Machthierarchie, während bei den Indos 
weder Führung noch Organisation zu erkennen war. Das Spiel 
war zu Ende, als Fried einem Foulball hinterherjagte und durch 
eine Dachluke fiel. 
Fried hatte bereits zwei Jahre zuvor, 1969, eine dieser für ihn 
charakteristischen, psychologisch komplexen Studien realer 
Alltagssituationen konzipiert. \nAIIMy Dirty Blue Clothes, das 
ursprünglich für die Ausstellung »Pollution« im Oakland Art 
Museum im Jahre 1970 entstand, hatte er die Idee, durch das 
Zusammenbinden aller seiner schmutzigen blauen Klei 
dungsstücke eine Art Kette zur Abgrenzung der Ausstel 
lungsfläche anzufertigen. Er selbst beschrieb die Installation 
unter drei Gesichtspunkten: »Accumulation« (Anhäufung) 
befaßte sich mit der Zeit von 1957 bis 1969, vom Kauf seines 
ersten langärmeligen Poloshirts in Cleveland bis zu dem Erwerb 
von zwei Paar Hosen in Sacramento. In »Establishment« (Auf 
bau) erklärte er, daß er auf Kleidungsstücken bestanden hatte, 
weil diese in die Kategorie von Gegenständen gehörten, die 
ihn am direktesten berührten, und auf blau, weil dies seine Lieb 
lingsfarbe war. In »Notification« (Mitteilung) erläuterte Fried die 
Änderungen, die er in der Installation votgenommen hatte, ins 
besondere die Tatsache, daß alle Kleidungsstücke außer einem 
neu angeschafft werden mußten. Diese Arbeit veranschaulicht 
Frieds an Absurdität grenzendes Interesse an der Analyse all 
täglicher Geschehnisse, die er in höchst eigenwillige visuelle 
Metaphern verwandelte. 
Letztendlich war es auch ein Künstler, der Cotton, Fox und 
Fried zusammenbrachte-Tom Marioni. Als Kurator des Rich- 
mond Art Center von 1968 bis 1971 und Gründer des Museums 
für Conceptual Art in San Francisco 1970 war Marioni maß 
geblich daran beteiligt, der eigenständigen, psychologisch und 
politisch geprägten, konzeptorientierten Performance-Kunst 
94 Terry Fox, Interview mit Robin White, in: View, 2,3, Juni 1979, S. 20.
	        

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