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fullscreen: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

Christian Witt-Dörring 
Die Farbgebung der Möbel am 
Wiener Hof während der Regie- 
rungszeit Maria Theresias 
Die lnnenraumgestaltung während der Maria-The- 
resianischen Regierungszeit wird durch ein deutli- 
ches gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis von 
Wanddekoration bzw. -architektur und mobiler Ein- 
richtung gekennzeichnet. In besonderem Maße ver- 
deutlicht der Konsoltisch diese Beziehung. die zwi- 
schen Wand und Möbel besteht. 
Dieser Tischtyp mit nur zwei Beinen ist nicht mehr 
selbständiger, beliebig aufstellbarer, bewegbarer 
Einrichtungsgegenstand, sondern Teil derWand. an 
der er befestigt ist. Seine äußere Erscheinung hat 
sich demnach der Wanddekoration in Material, 
Farbe und Dekor anzupassen. Dasselbe Abhängig- 
keitsverhältnis ist auch an der mobilen Einrichtung 
eines Raumes feststellbar. Deren Oberflächenge- 
staltung mußte in Material und Farbgebung mit der 
Wandvertäfelung, beziehungsweise Wandbespan- 
nung harmonisieren. Der Wiener Hof folgte hier dem 
damals in ganz Europa verbreiteten französischen 
Geschmacksvorbild der lnnenraumgestaltung, für 
dessen Verbreitung vor allem J.F. Blondels --L'Ar- 
chitecture Francaiser- von internationaler Bedeu- 
tung war. In seinem Kapitel über das Möbel im Rah- 
men der lnnenarchitektur gibt er Auskunft über die 
Probleme der Farbgebung: n . . .Les bois de ces 
meublessontdoresou seulementpeintsdela merne 
couleur des lambris. ce qui fait egalement un bon ef- 
fet, selon la convenance de la piece . . M 
gemacht werden. An dieser aus acht verschiedenen 
Sitzgarnituren bestehenden Schloßausstattung 
sind deutliche Qualitätsunterschiede an Dekor und 
Fassung bei den einzelnen Sitzgruppen festzustel- 
len. Zwei der acht Garnituren stechen durch die 
Qualität ihrer Dekorschnitzereien und ihrer aufwen- 
digen Goldfassung aus der gesamten Schloßhofer 
Ausstattung hervor. Während die sechs anderen 
Sitzgarnituren eine einfache weiß-goldene oder 
graublau-weiße Fassung erhielten. sind die beiden 
vorhererwähnten Garnituren in Weiß und zweifarbi- 
gem Gold gefaßt. Außer durch die kostbarere Fas- 
sung unterscheiden sich die beiden Gruppen noch 
durch eine exklusivere Sitzmöbelzusammenstel- 
lung von den übrigen. So setzt sich heute die erste 
Gruppe aus einer Ottomane (Abbß), drei Armlehn- 
sesseln, 7 Sesseln und 6 Taburetts zusammen; die 
zweite besteht aus einer "Duchesse en bateauu 
(Abb.2), vier Armlehnsesseln, einem Fluhebett und 
7 Taburetts. Diese zwei Sitzgarnituren können da- 
her durch die kostbare Fassung sowie durch die 
vorhandenen Armlehnsessel, die Ottomane und die 
Duchesse (alles Sitzmöbeltypen, die nur den rang- 
höchsten Personen zustanden) als ursprünglich zur 
Einrichtung der kaiserlichen Wohnräume in 
Schloßhof gehörend angesehen werden. 
Billige Weichholzmöbel. die für untergeordnete 
Räumlichkeiten, wie Dienerwohnungen oder Büro- 
räume. in Verwendung standen, wurden entweder 
einfärbig oder in der Art verschiedener Holzarten 
gestrichen. Unter den einfarbigen Fassungen er- 
freute sich das Grün besonderer Beliebtheit. Als 
Beispiel dafür können die 1743 in die heutigen 
Schatzkammerräume transportierten alten grünge- 
strichenen Kästen angesehen werden: w . . . ltem die 
I Konsoinscn, unoe Dlllll geiaui, iiscnpiaue ienn, lau! 
62,5x77,5 cm, Wien 1769170, Entwurl von Johann Bergli); 
ehemals in den Schönbrunner Bergl-Zimmern aufge 
stellt, letzt lm Bundesmobiliendepot. 
1 Martin van Meylens, Kaiser Franz l., Maria Theresla und 
elf Ihrer Kinder; Wien, Schloß Schönbrunn. 
 
Das Hofzeremoniell setzte zur Akzentuierung und 
genaueren Bestimmung gesellschaftlicher Rangun- 
terschiede die mehr oder weniger kostbar ausge- 
führte Fassung der Möbelstücke ein. Am besten läßt 
sich dies an Hand der diversen Sitzmöbel verfolgen. 
Als eines der prägnantesten Beispiele kann hiefür 
der Thronsessel angesehen werden, der durchwegs 
die kostbarste Fassung. nämlich ganz in Gold. auf- 
wies. Erhalten hat sich am Wiener Hof kein einziges 
Exemplar eines Thronsessels. Aus diversen zeitge- 
nosssischen bildlichen Darstellungen und archivali- 
sehen Quellen ist man jedoch über deren Erschei- 
nungsbild informiert (Abb.1). Auch kann die gleiche 
Beobachtung an der in den 70er Jahren des 18. Jh.s 
für Schloßhot gelieferten Sitzmöbelausstattung 
8 
obbemelte Kästen in der Schaz Camer grien anstrei- 
chen lassen, 9 Kästen allenthalben. ltem den groß- 
ßen langen Kasten mit 6 Thiren. und ein Kasten mit 
dem neuen Fuß allenthalben angestrichen, und 
außgebessert. dem anstreicher darvor be- 
zahlt. . .9 Fl. 30 xrF-i Weiters ist ein am 7. Mai 1743 
vom Kammertischler Peter Kofler in das Kammer- 
zahlamt gelieferter wgroßer Schreibtisch für 2 zu- 
schreiben gemacht mit 2 Schubladen. die Laden mit 
2 Schlösser und 2 Schlißßl darzur angeschlagen 
oben herum mit einem Geländer diesen grien an- 
streichen lassen . .  überliefert." 
Das Anstreichen der diversen Möbelstücke nach Art 
verschiedener Holzarten warwährend dergesamten 
Regierungszeit Maria Theresias am Wiener Hof ver- 
Anmerkungen 1-12 
In den Anmerkungen verwendete Abkurzungen 
HHSA Haus-Hol- und Staatsarchiv 
HWI' Hulwirtschaftsamt [HHSA] 
HKAB. Obersthotmeisteramt: Hofkonlrolloraml. 
Hot-Controlor Amts Auszug Buch (HHSA) 
HKA Holkammerarchiv 
' J.F.Blonda , [Architecture Francaise, Pans 1752,1.Bu.,s 1221i 
HKAB. 1741-43. 001.246 
und 1743-46 101.63 
Eine exotische Hulzarl. die lur die Tatelung des Schonbrunner 
"Mllllonenzimmers" verwendet wurde 
Als "Indianisches Hclz- wurden im 1a Jh die meisten exotischen 
Holzarten bezeichnet. 
aus: meas, reise 
ums; 174346; l0l.32v. 
HKAE. 1743-45, loLClCiv. 
' HKAB. 174143, 101 186V. 
"' Hwl. rote Nr2(176B], fol.147v. 
" Hwl. rote Nr.1 (1766-57). iul.l21v. 
" HWI. rote Nr.1 (1765-67), fdl.121v.
	        

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