MAK
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Otto Mühl, Ohne Titel, 1963, Sammlung Friedrichshof, Zurndorf 
Günter Brus, Ohne Titel, 1964, Archiv Sohm, Staatsgalerie, Stuttgart 
Verstümmelungsaktionen von Brus wieder aus der Abstrak 
tion auftaucht, die synästhetischen Analysen Nitschs, 
Schwarzkoglers und Mühls wie auch die agitativen Experi 
mente Wieners, die konzeptuellen Ansätze Weibels und 
Exports oder die partizipatorischen Paßstücke, »Möbel« und 
diakritischen Zitatinstallationen von Franz West. Die unmittel 
bare Basis für diese Entwicklung wurde in den fünfziger 
Jahren in jenen post-dadaistischen Gesten gelegt, für die 
Rainers Publikumsbeschimpfungen, die surrealen, roman 
tischen Aktivitäten H. C. Artmanns oder die beiden »Literari 
schen Kabaretts« der Wiener Gruppe exemplarisch stehen. 
1962 arbeitete Nitsch an einer umfangreichen Serie von groß 
formatigen Aktionsmalereien, bei denen die Farbe entweder 
durch Ausdrücken eines Schwammes vom oberen Bildrand 
nach unten Rinnspuren über die weiße Grundierung legt oder 
in explosiver Geste aus Kübeln auf die am Boden liegenden 
Juteflächen geschüttet wird. Der in den Aktionsmalereien fühl- 
und sichtbar werdende Dualismus von Kontemplation und 
Ekstase bestimmt auch das Konzept des performativen 
Gesamtwerks Nitschs, des Orgien-Mysterien-Theaters. Aus 
frühen literarischen Konzepten und insbesondere aus der sich 
ab 1960 entwickelnden Aktionsmalerei entstand bis heute 
stufenweise das Gesamtkonzept einer sich über sechs Tage 
ausdehnenden Aktionscollage. Ende 1962 tat Nitsch in seiner 
ersten performativen Arbeit den Schritt von der Aktionsmale 
rei zur Aktion, indem er sich, mit einem weißen Hemd 
bekleidet, an ein Kreuz binden und von Otto Mühl mit Blut 
beschütten ließ. Diese dramatisch erlebte Geste der synäs 
thetischen Vereinigung von Maler und Kunstwerk mit einem 
von der Lesbarkeit her umfassenden Symbolgehalt steht am 
Beginn des Wiener Aktionismus und entspricht von den 
Grundstrukturen her auch den etwas später einsetzenden 
Aktionskonzepten von Otto Mühl und Günter Brus. Auch in 
Mühls Versumpfung einer Venus (1963) und Brus’ Ana (1964) 
wird die Distanz zwischen dem Bild und seinem Autor in einer 
dramatischen Geste aufgehoben. An die Stelle des Bildes tritt 
die psychodramatisch strukturierte Aktion mit ihrer collagear 
tigen Verwendung realer und mit Bedeutung aufgeladener 
Materialien und Gegenstände.
	        

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