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Joseph Beuys, unterrichtend, 1968 
gegenüber. Bei allen inhaltlichen und formalen Differenzen 
zwischen den Aktionen der Wiener Künstler und jenen von 
Beuys sind doch auch die strukturellen Gemeinsamkeiten der 
entwickelten performativen Formen augenfällig. Die Aktionen 
haben einen quasi-dramaturgischen, ritualisierten Aufbau, der 
auf das Interesse des Künstlers an einer narrativen Objekt 
sprache verweist. Im Zentrum des anthropozentrischen 
Kunstwerks steht eine ausgesprochen subjektivistische Posi 
tionierung des Künstlers. Bei Beuys, Nitsch oder Schwarz 
kogler geschieht dies beispielsweise in der Form eines Spiels 
mit dem magischen Gestus, bei dem der Künstler die Pose 
des Schamanen oder Priesters einnimmt. In den Aktionen von 
Brus wiederum wird der Körper zur stellvertretenden Projek 
tionsfläche unterbewußter kollektiver Potentiale und damit 
zum Ausdruck eines Opfergestus. Ebenfalls gemeinsam ist 
ihnen - und dies gilt auch für die Position von Monastyrskijs 
Gruppe »Kollektive Aktionen« - der Anspruch auf eine ka- 
thartische, heilende Funktion der Kunst und die Positionierung 
des Künstlers als antithetisches, ja tragisches Subjekt im Zen 
trum des Kunstwerkes. Dieser Umstand verweist auf eine ge 
sellschaftspolitische Komponente, die sich bei Beuys in sei 
nem Interesse an politischen Projekten und in seiner Dialog 
bereitschaft, beziehungsweise der Idee der »Sozialen Plastik« 
ausformte. Dem haben die Wiener Aktionisten eher gesell 
schaftspolitisch isolierte und auch dementsprechend be 
kämpfte Alternativmodelle hinzugefügt: seien es die anarcho- 
agitatorischen Aktionen von Brus, Mühl, Wiener und Weibel, 
das exterritoriale Kuitareal des Orgien-Mysterien-Theaters 
Nitschs oder die am Aufeinanderprallen von idealistischer 
Geschlossenheit und politischer Realität gescheiterte »akti 
onsanalytische« Utopie der Kommune Friedrichshof, die von 
Otto Mühl und seinen Freunden Anfang der siebziger Jahre 
gegründet wurde. Der in diesen Positionen sichtbar werden 
de Projektisolationismus der Wiener Künstler repräsentiert 
jedenfalls die Identitätsproblematik der österreichischen 
Nachkriegsgesellschaft. Im konkreten politischen Ansatz von
	        

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