MAK
192 
Ereignisse in der deutschen Vergangenheit verweist, die auch 
das Leben Beuys’ entscheidend bestimmt haben. 
In der Tat steht das Werk Beuys’, gerade durch die Komple 
xität seiner politischen Vision, in einer für den Einigungs- und 
Friedensprozeß der europäischen Wirklichkeit zentralen und 
fast symbolischen Position. Durch die Aufhebung kultureller 
Isolatlonsschranken ist nunmehr eine vergleichende Betrach 
tung seiner Position mit jener der Wiener Aktionskünstler und 
mit Monastyrskijs Gruppe »Kollektive Aktionen« möglich 
geworden, wobei letztere in diesem Text stellvertretend für die 
Situation der performativen Kunst im ehemaligen Ostblock 
steht. Aus dieser Sichtweise ergibt sich eine betont europäi 
sche Dimension der Kunst, die sich von der amerikanischen 
sowohl in den historischen Wurzeln als auch In den Inneren 
Strukturen prinzipiell unterscheidet und eine emanzipiertere 
Sicht auf diese spezifische Entwicklung nahelegt. 
Das Gesamtwerk von Beuys ist ein klar ausgearbeiteter und 
formulierter Modeilfall des Verhältnisses von Gestus und 
Objekt, von performativem Akt und Kunstobjekt. 1967 wurde 
im Städtischen Museum Mönchengladbach unter dem Titel 
»Parallelprozeß I« die erste homogene Ausstellung seiner im 
eigentlichen Sinn plastischen Werke eröffnet. Dabei wurden, 
losgelöst vom Aktionskontext, zum Großteil die Gegenstände 
und Installationen gezeigt, die in den seit 1963 realisierten 
Aktionen verwendet worden waren. Heute sind die Objekte 
zentraler Bestandteil des Im Darmstädter Museum gezeigten 
Beuys-Blocks. Diese große Installation darf nicht verändert 
oder auseinandergenommen werden und definiert sich so als 
ganzheitliches Repräsentationsobjekt des Beuyssohen »er 
weiterten Kunstbegriffs«. Der Künstler betonte durch einen 
solchen Schritt den Werkcharakter der nunmehr in Vitrinen 
oder freien räumlichen Kombinationen präsentierten Gegen 
stände und bietet durch diese Konzeption ein strukturelies 
Koordinatenfeid, das für eine ganze Generation von deut 
schen Künstlern, von Franz Erhard Walther über Klaus Rinke, 
von Jochen Gerz bis Anna und Bernhard Blume, Im Sinne 
einer beinahe reflexartigen Reaktion prägend war. 
Im Zentrum der Arbeit dieser Künstler steht der performative 
Gestus und die Thematislerung der Beziehungen des Körpers 
als Subjekt oder als objektiver Bedeutungsträger zur jeweils 
Individuell erlebten und gestalteten gesellschaftlichen Wirk 
lichkeit. Dem ganzheitlichen Erlösungskunstwerk von Beuys 
wird nunmehr eine analytisch-investigative Perspektive 
gegenübergestelit und damit die Kunst von der magischen 
Dimension wieder in eine aufklärerische Konzeption der 
künstlerischen Selbstbescheidung zurückgeholt. Ein Mecha 
nismus, dem in der österreichischen Entwicklung In gewisser 
Weise die Unterschiede zwischen den Positionen der Aktioni- 
sten und jenen von Weibel, Export und West entsprechen. Es 
geht In den Arbeiten der hier genannten Künstler grundsätz 
lich nicht mehr um den erweiterten Ideologischen Kunst 
begriff, sondern um einen partiell entldeologislerten erweiter 
ten Werkbegriff, Dies mag als kritischer Reflex auf die Homo 
genität des Gesamtwerks von Joseph Beuys zu deuten sein. 
Dem als zu geschlossen kritisierten Ansatz wird in den Wer 
ken vieler Mitglieder der ihm nachfolgenden deutschen 
Künstlergeneratlon - wie beispielsweise bei seinem Schüler 
Blinky Palermo oder auch bei Polke - ein Konzept des meß 
baren, beziehungsweise freien Handelns hinzugefügt. In 
diesem Sinne ist vor allem Franz Erhard Walthers emanzlpa- 
tives Kunstverständnis als expliziter Gegenpol zu deuten. 
Einer ikonographisch vom Künstler festgelegten Kunst-
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.