MAK
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David Medalla, A Stitch in Time (Ein Stich in der Zeit), 
1968-72. Arts Council Collection, London 
Tüchern, zahlreichen Spulen bunter Garne und Nadeln 
bestand. Man konnte es problemlos betreten (»Menschen 
können In meinen Installationen aus- und elngehen«, erklärte 
der Künstler^®), und die Aufforderung zum Sticken hob alle 
Vorurteile über hohe Kunst auf, obwohl das Ambiente zugleich 
einen subtilen psychologischen Druck ausübte. Sollte man 
vorübereilen oder seine Zeit, und damit etwas von sich selbst, 
in einer Atmosphäre kollektiver Erwartung opfern? >>Jeder 
kann mit seiner eigenen Zeit in eine sehr simple Tätigkeit ein 
bezogen werden... im Prozeß, im Rhythmus des Stickens 
wirst du bemerken, daß der Gesamtrhythmus zur Hälfte vom 
Material bestimmt wird.«®' Anstelle eines vom Künstler 
»erschaffenen Werkes-' entstand hier ein kinetisches Modell 
des kreativen Prozesses, in dem Künstler und Zuschauer, 
Individuum und Kollektiv, Erzeuger und Material einander 
gegenseitig erzeugten. 
Es ist lehrreich und vielleicht auch wieder befreiend, den 
Begriff der partizipatorischen und kollektiven »Live«-Arbeit 
aus einem körperlichen Bezugsrahmen herauszulösen und 
ihn zu einer Erfahrung »jenseits des Körpers« zu machen; 
gleichzeitig gilt es, von einer expressiven Art des Ausdrucks 
zu einer analytischen, forschenden überzugehen. Natürlich 
sollten wir die Relativität und Interdependenz dieser Begriffe 
stets berücksichtigen: eine Schlußfolgerung, die Susan Miller 
vielleicht mit ihrer ironischen, und doch bewundernden 
Anwendung der »objektiven« Praktiken des Vermessens und 
Erfassens auf die Substanzlosigkeit/Subjektivität der Träume 
in ihrem Dream Mapping (1974) nahelegen wollte. Das Projekt 
lief folgendermaßen ab: Nach ein paar Übungswochen, in 
denen sie lernten, ihre Träume aufzuzeichnen, wurden sieben 
Teilnehmer von Susan Hillereingeladen, drei Nächte in einem 
Feld in Hampshire draußen zu schlafen, auf einem Platz, der 
für seine große Menge an Pilzringen bekannt war. Die 
Teilnehmer schrieben jeden Morgen ihre Träume auf und kar- 
26 Steve Thorn, Interview mit David Medalla, zitiert in: Guy Brett, 
Exploding Galaxies, London 1995, S. 98. 
27 Ibid.
	        

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