MAK
254 
wurde sein Mentor, wurde von seinem Schützling jedoch auch 
kritisiert. »Privat« war er »ein phantastischer, lebensfroher 
Mensch«, erinnerte sich Lebel, »aber sobald er sich in einer 
Gruppensituation befand, wurde er eine Art Mussolini.« Zehn 
Jahre später, 1959, »verbannte« Breton Lebel wegen 
»Disziplinlosigkeit, permanenter Revolte und direkter Aktion« 
aus dem Surrealismus. Lebel fühlte sich »befreit«, hielt aber 
weiterhin engen Kontakt zu Breton. 
Es überrascht nicht, daß Breton die dreiste Sexualität in 
Lebels Happenings mißbilligte. Sexualität durchzieht Lebels 
Kunst als synthetisches Prinzip, und zwar nicht die sublimierte 
Sexualität Bretons, sondern die entsublimierte Erotik, die man 
mit Bataille, Wilhelm Reich und Herbert Marcuse in 
Verbindung bringt. Das Imaginäre gründete für Lebel in einer 
Neudefinition des Erotischen und seiner Beziehung zur 
Willensfreiheit, einer Vorbedingung für die Freiheit des 
Menschen. Vor diesem Hintergrund muß daran erinnert wer 
den, daß Lebel ein Dichter-Maler ist. Die unbekümmerte 
»sexuelle Revolution« der sechziger Jahre, wie sie sich in 
Lebels Happenings verkörpert, wurde im Milieu der Beat- 
Poeten der Fünfziger vorbereitet; sie ist stark beeinflußt von 
Henry Miller, dem Surrealismus, Jazz, zügellosem Verhalten, 
ekstatischer, mystischer, romantischer oder bewußtseins 
verändernder Befreiung durch Drogen und Alkohol, von Erotik 
Lynda Benglis, Reklame in: Artforum, November 1974 
Barbara T. Smith, Feed me 
(Füttere mich), 1973. Sammlung der Künstlerin
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.