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Chris Bürden, Five Day Locker Piece (Fünf-Tage-Schließfach-Stück), 
26.-30. April 1971, University of California, Irvine 
Chris Bürden, Relic from Five Day Locker Piece (Relikt aus dem Fünf-Tage- 
Schließfach-Stück), 1971. Mit freundlicher Genehmigung der Gagosian Gallery, 
New York 
in dem darunterliegenden eine leere Flasche. Schon diese frühe 
Arbeit sollte für Burdens Werke in den folgenden Jahren cha 
rakteristisch sein: Er beschäftigte sich zunehmend mit der 
Bedeutung von Situationen, in denen der Künstler sich einer 
Gefahr aussetzte und den Betrachter dabei zum Zeugen einer 
anscheinend lebensbedrohlichen Situation und damit zum 
Komplizen machte. Die unauflösbare Beziehung zwischen Zer 
störung und Schöpfung, die für die Gutai-Künstler ebenso 
wichtig gewesen war wie für die frühen Flappenings und den 
Nouveau Realisme, erreichte in Burdens Performances ihre 
äußerste logische Konsequenz: der Künstler machte seinen 
von Schüssen und Stecknadeln durchbohrten Körper zum 
Empfänger der aggressiven Flandlungen anderer. 
Mit einer visuellen Einfachheit, die sich seinem minimalistischen 
Flintergrund verdankte, entwarf Bürden völlig auf den Körper 
reduzierte Aktionen, die sich durch ihren nicht-narrativen Cha 
rakter und durch ihre Dauer auszeichneten. Es war möglich, 
sie in einer einzigen Photographie festzuhalten und in einem 
kurzen Absatz zu beschreiben. In vielen Fällen blieb ein Objekt 
zurück, das den Betrachter daran erinnern sollte, daß die Aktion 
tatsächlich stattgefunden hatte. Bürden wollte damit nach 
träglichen Verzerrungen durch Betrachter und Zeugen Vor 
beugen. Für einige Künstler wie Abramovic, die ebenfalls in 
den frühen siebziger Jahren durch ihre selbstzerstörischen 
Aktionen bekannt wurde, waren die sogenannten »Relikte« der 
Aktionen - kommerzielle Auswüchse der Performance - im 
Grunde bedeutungslos; diese Kritik richtete sich auch gegen 
Beuys. In Burdens Fall ist diese Kritik jedoch unbegründet. 
Seine Performances orientierten sich größtenteils am Objekt 
selbst. Ohne das Schloß gäbe es tatsächlich kein Five Day 
Locker Piece, ohne die Kupferbänder kein Prelude to 220, or 
110 (1976), ohne die Glasscherben kein Through the Night 
Softly (1973) und ohne die beiden Kabel kein Doorway to 
Heaven (1973). Bürden, der schon seit seiner Kindheit Mi 
niaturspielzeug sammelte, wußte, daß Gegenstände den 
Betrachter von der Realität des Unglaublichen zu überzeugen 
vermochten. Wie schon Klein mit Leap into the Void versuchte 
er, Skeptiker mit forensischen Beweisstücken zu überzeugen, 
mit dreidimensionalen Wahrheiten, die durch Photographien 
belegt wurden. 
Bürden führte seine Aktionen vor Gruppen von Zuschauern 
auf, die bezeugen konnten, daß diese auch stattgefunden 
hatten, und vermied so die Debatte über Wahrhaftigkeit, die 
früheren Aktionen wie Kleins Sprung anhaftete. In einer Art 
pseudo-wissenschaftlicher Vorgangsweise dachte er sich 
psychologisch gefärbte Experimente aus, die in ihrer Einfach 
heit für die Massenmedien leichter zu handhaben waren als
	        

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