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Full text: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 6 und 7)

 
HANS 
BISCHOFFSHAUSEN 
Die Begegnung mit dem Werk Hans Bischoffshausens 
führt mitten in das beunruhigende Problem der neuen 
Malerei, die stumm bleibt, wenn sie mit den traditio- 
nellen und bisher üblichen Bildgesetzen konfrontiert 
wird. 
Schon bei der Frage nach dem Bildraum, in dem sich die 
Komposition vollzieht, tritt ein Komplex von Schwierig- 
keiten hervor. Denn es gibt keinen Bildraum im üblichen 
Sinne, einen Raum, in dem sich die Gegenstände oder 
die abstrakten Formen nach bestimmten Gesetzen ord- 
nen. Dafür aber gibt es energiegeladene Farbflächen, die 
jeder statischen Ordnung widersprechen. Es ist so, als 
schwebten die Farben in einem irrationalen Raum, der 
aber nur durch ihr gegenseitiges Verhalten entsteht, der 
flüchtig und nicht faßbar, jederzeit veränderlich ist. Und 
auf solchen, alle Merkmale der Veriindcrlichkeit tragen- 
den Bildgründen, erscheint eine graphische Zeichen- 
sprache, die, bald fließend, ein Schriftbild ergibt, bald in 
reliefartigen Bildungen, sich zum Mittelpunkt hin kon- 
zentriert. 
Das Problem der in Bewegung geratenen, im Sinne von 
Paul Klee naturhaft wachsenden Bildelcmcnte, hat llans 
Bischoffshausen schon seit den ersten Anfängen seiner 
künstlerischen Tätigkeit gefesselt. 
Als Architekturstudent war der 1927 geborene Kärntnei" 
nach dem Krieg an der Technischen Hochschule in Graz 
Schüler von Professor Kurt Weber, einem Maler von 
internationalem Rang, vor allem aber einem Lehrer, dem 
die Klärung der Probleme der Kunst ein persönliches 
Anliegen bedeutet; daran laßt er die studierende Jugend 
regen Anteil nehmen. Niemals aber zwingt Weber den 
Lernenden seine künstlerischen Ausdrucksmittel oder die 
von ihm gefundenen Lösungen auf, sondern gibt jeder 
Individualität freie Entfaltungsmöglichkeit. Mit großem 
Verständnis hat er Bischoffshausen gefördert, der das 
Architekturstudium 1949 aufgab, um sich ganz der Ma- 
lerei zu widmen. Als Mitglied der Grazer Sezession trat 
der junge Maler in der Folge mehrmals in diesem Kreis, 
aber auch unter den Künstlern der Galerie St. Stephan 
TRÄGER DES IOANNEUMKUNSTPREISES FUR ZEITGENUSSISCHE MALEREI 1959 DES LANDES STEIERMARK 
TRUDE ALDRIAN 
 
in Wien hervor und hat in vielen Ausstellungen in Osler- 
reieb, Italien, Frankreich, Deutschland, Polen und jugo- 
slawien beachtliche Anerkennung gefunden. 1957 erhielt 
er den Lissonepreis, dem 1954 ein zweiter Preis der 
Biennale dei Giovanni in Görz vorangegangen war. 
Am Wettbewerb um den joanneumkunstpreis für zeit- 
genössische Malerei des Landes Steiermark konnte 
Bischoffshausen als Mitglied der Grazer Sezession teil- 
nehmen. Das Land hat ihn - gestützt auf das Urteil 
einer internationalen jury - ausgezeichnet und ihm den 
1959 zum erstenmal verliehenen Preis zuerkannt. 
Die Werke, die Bisehoffshausen innerhalb des ersten 
jahrzehntes seiner künstlerischen Tätigkeit geschaffen 
hat, zeigen, daß er, von Anbeginn an den geistigen Strö- 
mungen der Zeit teilhabend, in seiner Kunst um ein 
Symbol der heutigen Situation der Welt ringt. In Wand- 
lungen und Verwandlungen müht er sich, mitzuschaffen 
am Bilde der Welt und ihrer lebendigen Kräfte. In allen 
Werken zeigt sich eine Visionäre Begabung, die in die 
Tiefen der Naturkräfte lotet. 
TRUDE ALDRIAN 
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