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Volltext: Die Sammlung antiker Vasen und Terracotten im K. K. Oesterreich. Museum

Zur Geschichte der griechischen Keramik. 
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und 2i 6); man wird sie als den Abschluss der jonisch-kleinasiatischen Vasenmalerei 
bezeichnen müssen. Sie kennen nicht mehr die weisse Engobe, keine Thierfriese, keine 
Füllornamente; die weisse Farbe wird bei den Figuren nicht mehr direct auf den Thon 
grund, sondern auf Untermalung von Firniss gesetzt. In all’ diesen Einzelheiten, sowie in 
ihrem Decorationsprincip stehen sie auf derselben Stufe wie die attische Keramik des aus 
gebildeten schwarzfigurigen Stiles. Auf diese selbst haben sie keinen Einfluss geübt. Wo 
die Fabrik der Caeretaner Vasen stand, lässt sich gegenwärtig noch nicht bestimmen. Man 
hat an eine jonische Colonie in Aegypten gedacht; auf dieses weist die Kenntniss aegypti- 
schen Costüms und äthiopischer Raceneigenthümlichkeit auf der Busirisvase, sowfie die in 
der aegyptischen Kunst so häufige Verwechslung der rechten und linken Hand bei dem 
Jägerfries derselben Hydria. Das Aeffchen auf Nr. 218, das als Hausthier erscheint, lässt 
ebenfalls auf eine exotische Provenienz schliessen. Jedenfalls stammen die Caeretaner Vasen 
aus einem Kunstcentrum, dessen Einfluss auch auf anderen Gebieten künstlerischen 
Schaffens in Caere und dem übrigen Etrurien nachweisbar ist. 
Wir betreten nunmehr den Boden von Attika. Der Kunst dieses Landes fiel das 
Glück zu, auf allen Gebieten das Erbe der Vergangenheit antreten zu dürfen; sie war 
dazu bestimmt durch ihre Fähigkeit fremde Einflüsse aufzunehmen und zu verarbeiten. 
So ist der schwarzfigurige Stil, wie er sich in Attika ausgebildet hat, nur die Summe der 
gesammten vorhergehenden Entwicklung. Am Ende des 6. Jahrhunderts stellt sich das 
attische Handwerk vollständig auf eigene Füsse, indem es als seine ureigene That die 
rothfigurige Technik schuf, mit der es alle Concurrenten aus dem Felde schlug. Während 
die griechische Keramik im 6. Jahrhundert einem weitverzweigten System von Flüssen 
gleicht, ist sie im 5. Jahrhundert ein einziger, mächtiger Strom, der nur wenige Canäle 
aussendet; im 4. Jahrhundert ändert sich das Bild, der Strom spaltet sich, die Nebenarme 
gewinnen an Bedeutung, während die Hauptader förmlich im Sande verrinnt. 
Die Anfänge der attischen Keramik zu verfolgen, reicht unsere Sammlung nicht 
aus. Was wir besitzen, gehört mit wenigen Ausnahmen (vgl. Nr. 220 und 221) dem aus 
gebildeten schwarzfigurigen Stile an. Es fehlen die Vasen der Kunststufe, auf welcher der 
geometrische Stil durch den Einfluss des Orients gebrochen wird, ferner Gefässe, an 
welchen die Einwirkung von aussen schon in echt nationalem Sinne verarbeitet erscheint, 
Gefässe, die etwa der berühmten Francoisvase gleichzeitig sind. An diesem Krater, der 
den ersten Ruhmestitel der attischen Keramik bedeutet, ist noch die alte Eintheilung des 
Gefässes in Streifen beibehalten, und mit ihr eine Freude an dem bildlichen Schmuck, 
die sich nicht genug thun kann. Alle Theile sind von ihm bedeckt, Körper, Fuss, Hals, 
Mündung und Henkel. In der Zeit, welche der Framjoisvase folgte (die Hydrien Nr. 220 
und 221 sind bald nach derselben zu setzen), tritt eine augenfällige Einschränkung des 
figuralen Schmuckes ein. War er früher ein umlaufender Fries, so wird er jetzt zur Me- 
tope und zum abgeschlossenen Bilde; bedeckte er früher alle Theile des Gefässes, so wird 
er jetzt auf bestimmte Theile desselben verlegt. Diese Veränderung geht auf zweierlei 
Ursachen zurück, die miteinander nichts gemein haben und sich als Ausfluss zweier ver 
schiedener Richtungen, welche die attische Keramik beeinflussten, erweisen. Eine dieser 
Ursachen war die ausgedehnte Verwendung, welche man von dem Firniss vor Allem aus 
praktischen Gründen machte. War er früher nur ein Malmittel, wird er jetzt bei gewissen 
Gefässgattungen fast zu einer vollständigen Decke, welche die übergrosse Porosität des 
Thones wie eine Glasur, wenn auch nicht so vollständig, aufhebt. Mit der Leuchtkraft 
und der wunderbaren Tiefe, die man ihm zu geben verstand, bedeutet er zudem einen
	        

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