MAK
Wilhelm Mrazek 
Vorwort 
Seit Gründung des Museums im Jahre 1864 wurden immer 
wieder Versuche unternommen, das Statut des Hauses 
zu realisieren, Kunstindustrie und Kunstgewerbe zu fördern 
und den Geschmack der Zeitgenossen zu bilden. Dies 
geschah nicht nur in Wort und Schrift, sondern vor allem 
durch „Vorführung eigentümlicher und hervorragender 
moderner Muster", die den „Formenreichtum" und die 
„Arbeitsweisen" auf diesen Gebieten vermittelten, durch 
Konfrontation mit den ,,Fortschritten des Geschmackes", 
die „zu neuen Wegen führen", durch Schärfung des 
„Sinnes für das Mustergültige und Lebensfähige", um 
schließlich „nicht nur zur Nachahmung zu befähigen, 
sondern selbständige Leistungen hervorzubringen". 
Seit Beginn des Wirtschaftsaufschwunges, des „Wirt 
schaftswunders" in Österreich mit seinen gesteigerten 
Ansprüchen an die Konsumgüterproduktion ist das 
Bemühen nach Gestaltung aller den Lebensbedürfnissen 
dienenden Dinge und der eigenen Umwelt unverkennbar. 
Allem, das damit zusammenhängt, kommt ein erhöhtes 
Augenmerk, eine besondere Bedeutung zu. Das, womit 
wir uns umgeben, womit wir leben, womit wir essen und 
trinken, worin wir schlafen, womit wir uns und unsere 
Umgebung schmücken, worauf wir sitzen, alle die Dinge 
des täglichen Lebens, die diese Urfunktionen des mensch 
lichen Daseins auch in unserer modernen Welt sinnvoll 
ermöglichen, haben wieder Gewicht bekommen, stehen 
im Blickpunkt künstlerisch-gestaltender Bemühungen. 
Nicht nur die „freien Künste", die „Sonn- und Feiertags 
künste", sind allein für das kulturelle Ansehen in der Welt 
von Bedeutung. Das kulturelle Niveau wird wesentlich 
von den für den Markt, für die breite Masse, für den Alltag 
schaffenden „nützlichen und angewandten" Disziplinen 
mitbestimmt, die, wie das skandinavische Beispiel beweist, 
einen ganz entscheidenden Beitrag hierzu leisten. 
Die Ausstellung „sitzen '69" zeigt Produkte, die diese 
menschliche Urfunktion ermöglichen: Sessel, die von ihren 
Entwerfern für die handwerkliche und industrielle Erzeu 
gung in kleinen und mittleren Tischlerbetrieben und Möbel 
fabriken gedacht sind. Sie sind keine dem allzu raschen 
Modewandel folgenden Modelle, keine mit ästhetischer 
Funktion bloß oberflächlich angereicherten Nutzgebilde. 
Sie sind insofern „Tischlersessel", weil sie ausschließlich 
aus dem Werkstoff Holz bestehen und die Handarbeit des 
Tischlers bei der Fertigung miteinbezogen ist. Sie ermög 
lichen daher, trotz rationell abgeleiteter praktischer Funk 
tion, eher jene nur zu oft unterschätzte psychische Bezie 
hung herzustellen, die der moderne Mensch auf die Dauer 
bei den ihn umgebenden Dingen nicht entbehren kann. 
Sie sind Beispiele, „eigentümliche und hervorragende 
moderne Muster", und stammen mit wenigen Ausnahmen 
aus den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren des 
20. Jahrhunderts. 
Diese Ausstellung will nicht allein nur den Produzenten, 
den Tischlern, als Anregung dienen, sondern gleicherweise 
auch den Konsumenten, vor allem einem jungen Publikum, 
das Wert auf qualitätvolle Gebrauchsgegenstände legt. 
Den meisten Exponaten sind eine Werkzeichnung und 
Detailfotos beigefügt, die aufmerksam machen, worauf 
es bei der Gestaltung und Ausführung ankam. Auf diese 
Weise soll an geeigneten Beispielen die Qualität begreiflich 
gemacht und die Bildung von Maßstäben angeregt werden. 
Dies erscheint uns gerade in einem Zeitalter besonders not 
wendig, wo alles im Flusse ist, wo das Gleichgewicht zwi 
schen Tradition und Fortschritt völlig gestört ist, wo wieder 
eine fragwürdige Stilimitation und eine ebenso fragwürdige 
Modernität die völlige Unsicherheit aller Bevölkerungs 
kreise in Geschmacksfragen erkennen lassen, wo ver 
nünftige Maßstäbe, Relationen und Ansichten kaum mehr 
ernst genommen werden. 
Die Realisierung der Ausstellung war nur durch das 
Zusammentreffen einiger günstiger Umstände und durch 
das Zusammenwirken mehrerer an der Sache interessierter 
Persönlichkeiten möglich. Diesen fühlen wir uns zu 
besonderem Dank verpflichtet. An erster Stelle ist hier 
Stadtrat Dr. Pius Prutscher zu nennen, der als Landes 
innungsmeister der Tischler in Wien, anläßlich eines in der 
Presse veröffentlichten Berichtes über das Aktions 
programm des Museums, die Initiative ergriff und seine 
Zusammenarbeit sowie die der Innung im Hinblick auf eine 
künftige, gemeinsame Ausstellungstätigkeit anbot. In der 
Folge entwickelte sich daraus unter der Mithilfe einiger 
Herren von der Tischlerinnung, vor allem von Oberschulrat 
Direktor Anton Cihlar, immer klarer das Konzept und der 
Aufbau dieser Ausstellung. Schließlich konnte man auch 
noch den Werkmeisterlehrgang für Tischler des Wirtschafts 
förderungsinstitutes der Kammer der gewerblichen Wirt 
schaft in Wien für dieses Projekt gewinnen, dessen Teil 
nehmer unter der Leitung von Dipl.-Architekt Friedrich 
Grabner und Architekt Franz Stierschneider zu den vor 
handenen Exponaten großformatige Werkzeichnungen 
anfertigten. 
Alle mühevollen Vorarbeiten für die Ausstellung, ins 
besondere für einen Katalog, der mit seinen detaillierten 
Angaben zu den Exponaten, den Entwerfern und den 
herstellenden Firmen eine besonders wertvolle Dokumen 
tation darstellt, wurden von Dr. Franz Windisch-Graetz, 
dem Leiter der Möbelsammlung, durchgeführt. Ihm und 
seinen beiden Helfern, Dipl.-Architekt Walter Panny und 
Dipl.-Graphiker Christoph Schartelmüller, gilt unser Dank. 
Er gilt im besonderen Maße dem Bundesministerium 
für Unterricht, das in verständnisvoller und großzügiger 
Weise durch den Ankauf der Exponate und durch Bereit 
stellung zusätzlicherfinanzieller Mittel erstdiese Ausstellung 
ermöglichte.
	        

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