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Das gleiche gilt für Norwegen, wo T. Afdal für Bruksbo, 
und für Finnland, wo A. Aalto schon seit vielen Jahren 
für Artek tätig ist, oder besser gesagt, dort seine Entwürfe 
ausführen läßt. 
Schon lange tritt auch Italien als möbelerzeugendes Land 
hervor und findet mit seinen Produktionen, besonders was 
die Sessel betrifft, immer mehr Beachtung. Die Ausstellung 
zeigt zwei Modelle, die für zwei Generationen von Ent 
werfern und für zwei Auffassungen exemplarisch sind. 
Gio Pontis berühmte „Sedia superleggera" führt einen über 
hundert Jahre alten italienischen Sesseltyp in moderner 
Form und industriell gefertigt fort. G. Pirettis Stapelstuhl 
ist ausschließlich von der Funktion, von einer, bei gering 
stem manipulatorischem Aufwand, raumsparenden Ver 
wendbarkeit und von der industriellen Serienerzeugung 
geprägt. Schließlich ist auch die deutsche Produktion mit 
zwei Stühlen vertreten, die wegen ihrer guten handwerk 
lichen Ausführung für die heutige Sesseltischlerei als vor 
bildlich gelten können. 
Vorausgeschickt sei, daß es nicht das Ziel dieser Ausstellung 
sein kann, sämtliche Möbelentwerfer Österreichs zu 
erfassen. Wie im Falle der hier vertretenen Ausländer kann 
es sich nur um einen Querschnitt handeln. Es geht hier 
nicht so sehr um Vollständigkeit — es sei wiederholt, daß 
gewiß noch eine ganz beachtliche Reihe weiterer Namen 
aufgezählt werden könnte —, sondern vielmehr um die 
Darstellung der Kontinuität, die über Krieg und Krisen 
hinweg erhalten und wirksam geblieben ist. 
Altersmäßig gliedern sich die hier vertretenen Architekten 
und Entwerfer in die beiden Generationen der Lehrer und 
Schüler. Zu den ersteren zählen sowohl jene, die, um die 
Jahrhundertwende geboren, bereits in den dreißiger Jahren 
hervorgetreten waren, wie auch jene, deren Geburt in die 
Jahre um 1910 bis kurz nach dem Ausbruch des ersten 
Weltkrieges fiel. Die zweite Gruppe hingegen umfaßt die 
in den zwanziger, hauptsächlich in den dreißiger und in 
einigen Fällen die in den vierziger Jahren geborenen 
Künstler. Eine ähnliche Kontinuität ließe sich auch bei den 
Flerstellern aufzeigen, den zahlreichen Tischlerwerkstätten 
und den industriellen Betrieben, deren Leistungsfähigkeit 
eine gediegene Ausführung verbürgen. 
Wieder zeigt sich also über welches bedeutende Potential 
an Begabungen und Fachkräften Österreich auch auf 
diesem Gebiet verfügt. Um dieses anschaulich zu machen, 
wurden im Katalog die Kurzbiographien der Entwerfer so 
ausführlich wie möglich abgefaßt, um dem Leser damit 
einen Überblick über Laufbahn, Tätigkeit und wichtigste 
Werke zu vermitteln. Vielleicht wird es für eine nicht 
geringe Zahl von Ausstellungsbesuchern ein Novum sein, 
zu erfahren, wie viele Architekten von Rang und Namen 
auch in unserem Land ihr Interesse dem Entwerfen von 
Sesseln widmen. Denn die Stühle sind, zusammen mit den 
Tischen, heutigentags die einzigen „Möbel", denen diese 
Bezeichnung im eigentlichen Sinne des Wortes noch 
zukommt, da nur sie als frei im Raum oder vor der Wand 
stehende Einrichtungsstücke von den vielen früheren 
Möbelgattungen erhalten geblieben sind. 
Die in der Ausstellung gezeigten österreichischen Sessel 
der Nachkriegszeit vertreten mehrere Richtungen. Die 
einen schließen vorwiegend an solche Formen an, die 
bereits in den dreißiger Jahren aufgekommen waren, 
zeigen also verschiedene Variationen des damals besonders 
beliebten Stuhls oder Armstuhls mit Sprossenlehne, eines 
letztlich auf englische Vorbilder zurückführenden Typs. 
Andere Beispiele greifen dänische Anregungen auf und 
verarbeiten sie auf eigenständige Weise. Weiters zeichnet 
sich eine Gruppe ab, die durch die Neuartigkeit der formalen 
Lösungen auffällt. Diese drei Kategorien von Sesseln sind 
durchwegs handwerklich gefertigt. Ihnen stehen die 
industriell hergestellten Stühle gegenüber. Eine Form und 
Auffassung sui generis vertritt der Sessel von Ernst Fuchs, 
der, von ihm entworfen und bemalt, die ästhetische Wirkung 
gegenüber der Funktion bevorzugt. So zeigt die Ausstellung 
in anschaulicher Weise, wie vielgestaltig die Ergebnisse 
sind, zu denen man hierzulande auf dem Gebiet der 
Sesselerzeugung gefunden hat. Freilich wird es notwendig 
sein, durch straffere Organisation und intensivere Förderung 
der einschlägigen Tischlerbetriebe die vorhandenen Mög 
lichkeiten weiter auszubauen.
	        

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