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Volltext: Katalog der Wiener-Congress-Ausstellung 1896

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treten Wilhelm Schadow, der Sohn des Bildhauers, und die Brüder 
Veit und Schnorr von Carolsfeld bei, und dann Cornelius, welcher 
nicht so sehr durch seinen Faust-Cyklus als durch seine Nibelungen- 
Bilder auch Goethe allmälig zu milderem Urtheile über die neue 
Richtung bewegt. Einflussreiche Deutsche in Rom kommen 1I11 
sofort mit offenen Sinnen entgegen, so Wilhelm von Humboldt, 
so Niebuhr und Bunsen. 1812 schon vereinigen sich Cornelius, 
Overbeck, Schadow und Philipp Veit zu gemeinsamem Werke,, mit 
welchem die Monumental-Malerei und die Freseotechnik v iedei 
zum Leben erweckt wird: die Geschichte Josephs für die Casa 
Bartholdy, nun in der Berliner National-Galerie; später, von 1817, 
folgen die Darstellungen zu Dante, Ariost und Tasso, an welchen 
Overbeck, Julius Schnorr, Koch, Veit und im weiteren Verlaufe 
auch der junge Oesterreicher Führich sich betheiligen. In Oester 
reich, und zwar in Prag, hat schon Führich’s alter Lehrer Tkadlik 
eine christlich-romantische Kunstschule begründet, und nun wirken 
von Rom die Erfolge Overbeck’s auf die Wiener Akademie zurück, 
die ihn zehn Jahre vorher schnöde verjagt hatte. München unter 
Cornelius’, Düsseldorf unter Schadow’s Führung folgen. In Fiank- 
reich lenken Ingres, Prudhon, Gros, Isabey, Ary Scheffer in die 
romantische Richtung ein. Neben der religiösen werden alle anderen 
Gattungen der Malerei gepflegt. In Wien vor Allem wird das 
Sittenbild vorbereitet durch Peter Krafft’s „Abschied und Heimkehl 
des Landwehrmannes“; seinen Spuren folgen dann Waldmuller, 
Danhauser und P. Fendi, deren Entwicklung einer späteren Epoche 
angehört; auch Amerling’s und Gauermann’s Jugendwerke ent 
stehen an der Grenze des von uns in’s Auge gefassten Zeit 
abschnittes. 
Das Bild der geistigen Cultur zu Beginn unseres Jahrhunderts 
wäre nicht gerundet, gedächten wir nicht auch der blühenden 
Poesie dieser Tage (welche vorauseilend die neuen Strömungen 
innerhalb der bildenden Kunst einleitet) und der Wissenschaft, die 
zumal auf historischem, philologischem, naturwissenschaftlichem 
Gebiete die Fundamente schafft, auf welchen die grössten Errungen 
schaften unseres Jahrhunderts sich erheben. Die grössten Deutschen 
des 18. Jahrhunderts ragen in unsere Epoche herein. 1803 stirbt 
der Dichter der Messiade und Herder; 1804 der Weise . von 
Königsberg; 1805 folgt ihnen in der Vollkraft seiner Jahre, mitten 
aus der Arbeit an einem Werke, das in der Vollendung die meisten
	        

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