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Volltext: Der Gösser Ornat im k. k. österr. Museum für Kunst und Industrie

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Das Antependium, von dem wir auf Seite 3 eine Gesamtansicht und 
auf den Seiten 5 und 7 sowie in der Farbentafel etwas größere Teil 
darstellungen bieten, hat heute eine Länge von fast 3 Metern und eine 
Breite von etwas über 1 Meter. Nebenbei bemerkt, sind unbedingt sichere 
Maße nicht anzugeben, da die Stücke sich im Laufe der Jahrhunderte alle 
etwas verzogen haben und immer wieder von neuem verziehen. Rechts und 
links ist das Stück jedenfalls ausgedehnter gewesen; von dem fehlenden 
linken Teile ist tatsächlich auch noch ein Stück vorhanden geblieben, da es 
zum Ausbessern eines Schadens in dem mittleren Kreise verwendet worden 
ist. Es braucht beiderseits aber nicht viel zu fehlen, vielleicht so viel, daß 
die großen schräggestellten Quadrate rechts vollständig werden und sich ein 
entsprechender Teil links ergibt. Der Breite nach fehlt nichts von dem Ante 
pendium, nur war bei der Übernahme oben und unten ein etwa fingerbreiter 
Streifen hinter dem Futter eingeschlagen. 
Es beruht auf Irrtum, wenn es bei Theußl (am angeführten Orte Seite 91) 
heißt: „Das sogenannte Antependium dürfte eher der Rest eines großen 
Wandbehanges sein, da die figuralen Enden in ihrer Höhenausdehnung nicht 
die ursprünglichen Schlußlinien angeben, wenn jmch zugegeben werden 
kann, daß besonders die untere Grenzlinie nur um 20 Zentimeter tiefer ge 
legen war.“ Die untere Grenzlinie war eben nur um eine Fingerbreite tiefer 
gelegen, als sie früher beim eingenähten Stücke erschien; heute liegt bei der 
Aufstellung im Museum die untere Grenze, ebenso wie die obere, wieder frei*. 
Man sieht auch deutlich, daß die Baum- und Tierornamentik der Halbkreise 
für solche und nicht für ganze Kreise gedacht ist. 
Es ist also durchaus nicht zwingend, an einen Wandbehang zu denken, 
sondern das Stück kann immer ein Antependium gewesen sein; allerdings 
ist es nicht ausgeschlossen, was auch Kanonikus Bock annimmt, daß es 
sich um einen der Behänge handelte, die an festlichen Tagen über dem 
Altartische aufgehangen waren. Sollte es sich aber schon ursprünglich um 
ein Antependium gehandelt haben, so hing das Stück wohl in Falten, wie 
dies auch für andere alte Antependien gesichert ist; es erklärt sich daraus 
vielleicht auch die bedeutende Länge. Darauf, daß das Stück sicher längere 
Zeit als Antependium verwendet wurde, kann man aber schon aus der starken 
Beschädigung vorne in der Mitte schließen, da der vor dem Altäre stehende 
Priester begreiflicherweise die Mitte am häufigsten berührte und dadurch 
abnutzte. Auch sonst werden wir am Ornate die größten Abnutzungen immer 
ganz deutlich dort erkennen, wo sie nach der Art des Gebrauchs zu er 
warten sind. 
Über die figürlichen Darstellungen im allgemeinen kann kein Zweifel 
bestehen, um so weniger als die um die Kreise laufenden Bänder auf die 
Darstellungen sich beziehende Inschriften tragen. Wir wollen hier aber aus 
Gründen, die sich sofort selbst rechtfertigen werden, nicht mit den Haupt- 
* Es ist oben und unten der ganzen Länge nach die Sahlkante erhalten; es ist somit die ursprüngliche 
Breite der Leinwand gegeben, was für die weitere Untersuchung nicht unwichtig war.
	        

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