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Objekt: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

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aus älterer Zeit bilden diese 
drei Stücke eine willkom- 
mene Ergänzung. 
Unter den zahlreichen 
und ethnologisch bedeu- 
tungsvollen Erwerbungen 
der ETHNOGRAPHISCHEN 
SAMMLUNG des NATUR- 
HISTORISCHEN HOF- 
MUSEUMS im Jahre 1906 
wären vom künstlerischen 
und kunsttechnischen Ge- 
sichtspunkt die Sammlungen 
aus dem malayischen Archi- 
pel, von Ostgrönland und 
vor allem die lamaistisch- 
mongolische Kollektion aus 
Urga des Reisenden Hans 
Leder zu nennen. Dank den 
durch die Reisen des Di- 
rektors der ethnographischen 
Abteilung am Naturhisto- Lamaistisches Kultgerät, Stupa (Hofrnuseum in Wien) 
rischen Hofmuseum Regie- 
rungsrates Franz Heger in ]ava und den Sundainseln gewonnenen Beziehungen sind noch 
Ende 1905 von verschiedenen Punkten des malayischen Archipels unter anderem eine 
Reihe wertvoller und künstlerisch bedeutsamer Textilien eingelaufen, unter welchen eine 
erlesene Sammlung der „slimoet" genannten Tücher von Roti, Savoe, jumba und Timor 
hervorzuheben ist. 
Eine Kollektion von javanischen Holzlarven für das populäre javanische Schauspiel, 
in welchem stehende Typen zur Darstellung der alten, aus den indischen Epenstoffen über- 
nommenen l-leldensagen der Kavi-Dichtung auffallen, verdient ebenfalls Erwähnung. 
Ebenso eine kleine Sammlung schöner und reicher Waffen, Lanzen und Krisse aus Süd- 
Celebes, die das Museum neben anderem Material von Lombok, Bali und Sumbawa Herrn 
E. Hulster in Medan, Sumatra, verdankt. 
Von West- und Ostgrönland hat die Expedition der Herren Dr. Rudolf Trebitsch 
und Dr. Robert Stiaßny eine bei dem gegenwärtigen völligen Niedergang der eigen- 
artigen Eskimokultur doppelt willkommene und bedeutsame Sammlung eingebracht. 
Bekannt ist die sowohl in bildnerischer wie zeichnerischer Beziehung hervorragende 
künstlerische Begabung der Eskimo, die alle charakteristischen Züge der echten Jäger- 
kunst aufweist. Die reiche Omamentierung in Bein und Holz, welche die Gebrauchs- 
gegenstände der Ostgrönländer zeigen, sowie die in den Weiberarbeiten, Gürteln, 
Täschchen, verschiedenem Schmuckzeug sich äußernde reiche textile Musterung sind 
ebenso viele Bestätigungen für die bekannten künstlerischen Neigungen der polaren Jäger- 
Stämme. 
Wirkliche Kunstleistungen im engeren Sinne des Wones liegen in der großen 
lamaistisch-mongolischen Sammlung von Götterbildern, Tempelfahnen, Miniaturen, Kult- 
geräten und so weiter vor, die der österreichische Tibetreisende Hans Leder aus der west- 
lichen Mongolei, zumeist aus Urga, dem mongolischen Rom, in die Heimat gebracht hat. 
Lamaistische Sammlungen, welche das äußerst komplizierte nordbuddhistische Dogmen- 
system und die verwickelte, mehrfach geschichtete Ikonographie das Lamaismus in Tibet 
nebst seinen mongolischen und chinesischen Ausstrahlungen zu illustrieren bestimmt sind, 
verdienen heute auch in kunsthistorischer Beziehung Beachtung. Es liegen in diesen 
 
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