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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 12)

Mischung aus Schmuck und Schmueklosigkeit. Zwei Pfostenschränke flankieren, zwischen 
ihnen buchtet sich das Mittelstück im Halbbogen nach innen. Vom schwarzgrauen Holz, 
seitlich gerahmt, leuchtet seine gewölbte Glaswand, die noch durch schmale mattsilberne 
Leisten geteilt ist, hell mit ihrer Füllung des silbernen Gerätes auf dunklem Hintergrund, 
auf. Ein Dach spannt sich darüber, über dem Mittelteil hohl in Muldenform -_ proportional 
dem Rondell, das es bedeckt - über den Seitenschränken gerade sich abliachend und links 
und rechts breit darüber hinwegragend wie ein Florentiner Dach. Ruhevoll gesammelter 
Eindruck kommt daraus. 
Die Türen der beiden Pfeilerschränke sind als ästhetischer Kontrast zu dem gläsernen 
Bild des Mittelbaues ganz aus Holz, schlichte glatte Fläche, nur in dem oberen Teil ist 
gleich einer Vignette ein rundes Zierstück ausgeschnitten, spielendes Holziiligran, so 
phantasievoll, dass man es nur mit dem unerschöpflichen Nuancenreichtum japanischer 
Schwertstichblätter vergleichen kann. 
Eine mattblaue Platte liegt hinter diesem Durchbruch. Und die grossen ruhigen 
Linien dieser Architektur bekommen durch dies Capriccio einen pikanten Accent und Grau, 
Blau und Silber verklingen zu einer delikaten Einheit. Felix Poppenberg 
HANDWÖRTERBUCH DER TEXTILKUNDE VON MAX HEIDEN. 
Man kann wohl sagen, dass es kaum ein Gebiet des Kunstgewerbes gibt, das gleiches 
künstlerisches, wissenschaftliches und praktisches Interesse beansprucht, wie die Textil- - 
kunst. Die Textilindustrie stellt nicht nur zeitlich das erste Grossgewerbe dar, sondern ist 
auch heute noch, wenigstens unter den künstlerischen Betrieben, der ausgedehnteste. 
Trotzdem fehlten uns bis vor kurzem eigentlich die wichtigsten Übersichtswerke auf 
diesem Gebiete. Es ist ja gewiss schon manche Einzelfrage in beachtenswerter Weise 
aufgeworfen oder gelöst worden; aber es ist doch immer von Zeit zu Zeit nötig, den Versuch 
eines Gesarntüberblickes zu unternehmen, da sonst das richtige Mass und der Zusammen- 
hang der Einzelheiten verloren geht. 
Auf rein kunstgeschichtlichem Gebiete mit besonderer Betonung des entwicklungs- 
geschichtlichen Momentes ist dieser Versuch in der letzten Zeit vom k. k. Österreichischen 
Museum für Kunst und Industrie gemacht worden; in lexikalischer Form sucht Max Heiden" 
das Wissenswerteste zusammenzufassen. Es ist eine Arbeit, die sich sowohl an Historiker, 
Museumsbeamte, Kunstfreunde als Praktiker wendet, und es möge gleich vorausgesendet 
sein, dass wohl jeder dabei zufrieden gestellt werden wird. 
Auf mehr als 650 Grossoktavseiten ist ein geradezu erstaunlich umfassendes Material 
zusammengetragen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert, die, wenn auch klein, für 
den Zweck erster Instruktion völlig genügen. Gerade zur Vermittlung der Fachliteratur ist 
das Werk von besonderer Bedeutung. 
Da der Verfasser des „Handwörterbuches" durch viele Jahre Vorstand der grossen 
Textilsammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums war, braucht er sich keineswegs darauf 
zu beschränken, die vorhandene Literatur auszunützen, was er wie gesagt mit allem Rechte 
in vollem Masse getan hat; sondern er kann vielfach auch von seinen eigenen Erfahrungen 
beitragen. 
Doch sind die Artikel immer möglichst sachlich gehalten, deuten manchmal in ganz 
objektiver Weise auch einander entgegenstehende Meinungen an. 
Natürlich können die grösseren historischen und stilistischen, sowie auch die 
schwierigeren technischen Fragen nicht ganz klar werden; aber das zu erwarten, wäre 
auch ein unbilliges Verlangen an ein Lexikon, das vor allem rasche Aufklärung über 
möglichst viele Einzelheiten bieten soll. 
Es mag ja manche Kleinigkeit fehlen, auch irrig sein, auch mag man vielleicht manche 
historische und stilistische Erscheinung anders auffassen können, und der Referent hat 
' Max Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde aller Zeiten und Völker. Stuttgart (Ferdinand Enke), 
xgo4. Preis zu Mark.
	        

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