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Object: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 198 und 199)

nltiale H in Deckfarbe. Graz. Universitätsblbllothak. Cod. 
V59, Bl. 2r (aus dem ehem. Benediktinerstilt Millstatt) 
Das Opfer Abrahams; Mlllstätter Genesis. Klagenfurt. Lan- 
lesarchiv. Cod. 5119, Bl. 29r 
terkungen 92 - 134 (Anm. 112 w 134a s. Text S. 32) 
Zur Beschreibung vgl. Elsler Nr. 21 und Mennard1211. - Die allge- 
mein angenommene Dotierung Ins 12. an. lsiwohl nicht haltbar(vgl. 
dazu Anm. 93. 94). 
Die haihkreisförmigen Häkchen und die Punktlerungon irl den Buch- 
stabenkorbern sind nur in der vorliegenden Handschrift (vgl. beson- 
ders Ei. QV. BOr undSAr) anzutreffen. Singular ist aber auch die kaum 
unterscheidbare Gestaltung der Satzmajuskeln und Initialen und die 
Vorliebe. dieSatzmajuskeln mit schwarzer und nicht mit roterrinte zu 
zeichnen. 
Davon ist die HS. BVlll 31 noch In das erste Viertel und die Hss a l 26 
und a Vll 29 schon in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts zu 
datieren. 
Dasle das Olflzium derhi. Elisabeth enthalten. ist Ihre Entstehungerst 
in das 2. Viertel des I3. Jh.S zu versetzen. 
Diese Nachträge Sind insofern Vßn Bedeutung. als sie manieristische 
Hakchen. Ecken. Punktierungen) Formen enthalten. die auffallende 
berelnstlrrimungen rnil analogen Bildungen der Genesis- und Phy- 
siologushandschrift aufweisen. 
Vgl. Anm. 93 und 96. 
Diesen Eindruck enueoken vor allem der niedrige Duktus der Schritt 
und die manieristisch geformten Satzmaiuskeln. 
Die Ursprünglichkeit der Zeichnungen wird auch noch durch die Tat- 
sache verstärkt. daß sie nicht gerahmt sind. 
Vgl. Swarzenski 143 f. - DemuslUnierkircher 291. - Mazai 211. 
Vgl. besonders DemusiUnterkIrcher 291 7 Es heißt dort: rDer Kalen- 
der scheint direkt vom Antlphonar Inspin . 
Vgl. Swarzenski 143 f. und Demuslunlerkircher 291. 
Vgl. etwa S. 162 und S. 167. - Ubereinslimmungen bestehen vor 
Bilem im Akanthus-Laub. 
vgl. s. 198 und s. 351. 
Vgl. S. 629. - Hiergibt es aberaucn Unterschiede. da meist ein kum- 
oakter Sitz (etwa S. 366. S. 375. S. 497 und S. 565) bevorzugt wird. - 
Da die Form des Faldistoriums aber häufiger in Admonter Hss. (vgl. 
alle Hss. Nr. 16. 92 und 1 25) anzutreffen ist. liegt wohl auch von dieser 
Seite ein Elnfiuß vor. 
Die Gesichter sind ini Arltiphonar irrrallgemeinen llngilcher. die Nase 
lleischiger. die Augen Iiefliegender und die ziige asketischer. 
vgl. s. 190. 
Dort findet ausschließlich noch die antike Fnrm der doppainbckrigen 
Mitra Verwendung (vgl. S. 152. 159. 166 und 167). 
Diese Qualifikation bezieht sich nicht nur auf die Darstellungen der 
rlerkrelsbllder. sondern auch auf Zeichnungen innerhalb des Missal- 
iextaslvgl. Bl. izv und zsav) 
Zu verweisen ist vor allem aut die Darstellungen im Antiphcnar von 
St. Peter (S. 150-161). lrrl Michaelbeurer Brevler (z München. 
Bayer. Staatsbibliothek. clrn 8271; vgl Klemm Nr. 215) und im e 
duale van St. Peter ( - St. Peter. Cod. a IX 11). - Auch fließen hie n 
die Darstellung noch viel mehr antike. mythologische Elemente ein. 
50 wird der Steinbock im Cim B271 nOCh als geflügeltes Wesen mit 
Fischlelb verstanden. 
Vgl. dazu etwa die Codd. 325, 369 oder 373 aus der US Graz (jeweils 
ausSt.Lambrecht)urlddie(;odd.17.18 und {13 ausder Stiltsbibliolhek 
von Admont sowie den 00412721 aus der ONB in Wien. 
Devon entspricht die Zeichnung von Abb 1 dem Typus der Domstift- 
Handschrittemwährend die Abb. Bausderalteren St. Petarer Bibel mit 
dem Initialtypus des Antiphonars VDrI st. Peter (s. 29 I1.) überein- 
stimmt. 
Sie Sind in den anderen Skriplorien im allgemeinen erst um 1200 oder 
lm Beginn des13..ih.s anzutrollen (Vgl. dazu die HSS. a I 25 undaV 
3D aus St. Pater oder H55. 1909 und 2582 aus der ÖNB In Wien oder 
zten Cim 15959 aus der Bayerischen Staatsbibliothek in München. 
vgl. besonders Bi 911-. 
Vgl. Z. B. Cod. a Viii 30 VOn St. Puter in Salzburg. 
vgl. dazu etwa die Hss.17(- Buberl Nr. a4) I.lr1d92( e Buberl Nr. a2) 
aus der Stlftsbibiiothek von AdrnonLdie HSeVlll 3D aus St. Pelerhrgl. 
Abb. 12). 
Vgl. die HSS. 1B( I Euberl Nr. 35 und Abb. 1 7) aus der Stittsblblicthek 
Admont. die H5. 1909derONBWien. die Hs. Sfrdes Kerntner Landes- 
arcnlvs und die Hss. 193 aus der Sliltsbibliothek Vorau. 
vgl. die Hss. 71h: Buberl Nr 12) und zasr: Buberl Nr. 1a) aus der 
Stiftsblbliothek von Admont und die Hs. a Vlll 30 von St. Peter in 
selmurg. 
vgl. Büberl. 40 rr. 
Vgl. I. B. die HSS. 369 und 373 der UB Graz. 
Vgl. die H88. 258 und 4112115 der UB Gräl. 
Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang vor allem die Ccdcl. 720 
und 759 BUS den UB Graz. die Codd. SH und S116 aus dem Kärnmer 
Landssarchlv oder der Pergamentkodex 38 aus der UB Klagenfurt. 
Sehr deutlich Sind die Zusammenhänge mit dem Salzburger Initial- 
lypus bei den Federzeichnungslnlllaien (Ranken rnli drelblättrigen 
Endblüten) der HS. 614 aus dem Klirntner Landesarchlv und bei den 
Debldarbenirtitialen (Ranken zum Teil mit Pfeilbiättern) von Cod. 72Ü 
aus der U8 Graz. 
Vgl. etwa die Codd. 97. 119 und 122 (jeweils rote Signaturen) aus der 
Stiltsbibllothek GÖttWeIg. 
Z. B. ln den (Iodd. 1811. 2071 und 3011. 
Obwohl der lnitialstil dieser Handschrift niCht Salzburgisch ist. iSt an 
ihrer Entstehung inSaizburg nlchtzu zweifeln. Es läßt sich nämlich mit 
Sicherheit(Schriftmitniedrlgera-urldweitnach rechisgelilhrtenova- 
ler g-Schlinge) nachweisen. daß sie in St. Peter geschrieben wurde. 
Auch hier iStdie Herkunft aus St. Peter autGrund der Schrift gesichert. 
Die ParallelhandschrlftenaX25 urldiX26enthalterl außerdem Initia- 
len des Salzburger Typus. 
In der Buchkunst macht sich der Platonismys vor allem ln der Zurück- 
iirangiing der Körperlichkeit bemerkbar Uberprüh konnte in dieser 
Hinsicht etwa der lineare Stil der Prlileninger oder auch der Salzbur- 
gar (Z. E. St. Peter. Cod. a IX 7) Federzeichnungen werden Auch die 
Schriften der bevorzugten Schriltsleller(wie etwa die das hl. Augusti- 
nus) sind voll von Platonlsmsn. Die Rezeption des realistischen Den- 
kens des Aristoteles setzt im allgemeinen erst im 13. Jh. ein. 
Die Figuren im Antiphonar sind noch nieratischer und asketischer. 
Diese Darstellung stammt aus einem Einbandfragment der St. Pauler 
HS. BOIIB (für den Hinweis danke ich sehr herzlich Herrn Dr. P. 
Pascher von der UB Klagenfurt). - Vgl. dazu die Abb. bei H. Grbctlc- 
nig. G. Hßdl. E. Pascher. Armarium 1. Archiv St. Paul - Selbstverlag; 
-1977, Nr.15. 
Vgl. Anm. s. 
Vgl. Swarzenski 143 l. i DemuslUnterkircher 251 - Mazal211.- 
DieEntstehungszeitwirdunmlttaibarnach der Fertigstellung desAnti- 
phonars angesetzt 
Wie Anm. 104a. 105 und 109 
Wie Anm. 45. 46. 
vgLAnm. 113-115. 
Vgl. Weinzlerl 110. 
Vgl. Archiv St. Peter HS. A 511178 März 17). 
 
 
spiel der Zusammenarbeit der noch jungen Schreib- 
schule von Milistatt und der schon erfahreneren Schule 
von St. Peter in Salzburg. Admont ist hingegen der Ent- 
stehungsort des berühmten nMillstätter Psaltersi" 
(Wien. ÖNB, Cod. 2682) und des Cod. 677V des Kärnt- 
ner Landesarchivs (Benediktinisches Brevier; schon 
1. Hälfte 13. Jh.). Nach den oben erläuterten Zusam- 
menhängen zwischen Maria Wörthß und Millstatt ist 
außerdem anzunehmen. daß auch von dieser Seite 
Handschriften nach Millstatt gelangten. Inwieweit sich 
die Pergamentkodizes 3" und 19" (jeweils Augustinus- 
texte) aus der UB Klagenfurt hier einordnen lassen. 
kannzurZeit noch nichtbeurteiltwerden. in Verbindung 
mit Maria Würth bringen konnte man auch noch den 
allerdings schon jüngeren (14. Jh.) Pergamentkodex 
28" aus der UB Klagenfurt. in dessen Kalender der 
16. Juni. das Fest der Heiligen Primus und Felicianus 
(Bl. 4v; Patrone von Maria Wörth), als Feiertag eingetra- 
gen und zum 11.0ktober das Fest derTranslatio Augu- 
stini (Bl. 6v; Hinweis auf ein Augustiner-Chorherrenstift) 
vermerkt ist. 
Verwandt mit dem Charakter des Mlllstätter Skripto- 
riums ist in gewissem Sinne hingegen die Schrift der 
lwWiener Genesisr" (Wien, ÖNB. Cod. 2721). die eine 
ähnlich urtümliche. eckige Formg" aufweist wie die zeit- 
genössischen Millstätter Handschriften. Ähnlich unru- 
hlg sind außerdem auch die Schäfte" der Buchstaben. 
Eine Entstehung in Kärnten ist deshalb wohl wahr- 
scheinlich. Die Darstellung des hl. Augustinus im Stif- 
terbild (Bl. 4v)"' der Handschrift könnte Hinweis einer 
Herkunft aus Gurk sein. Jedenfalls dürfte auch in die- 
sem Fall wie beim Milistätter Sakramentar eine Lokali- 
sierung nach Salzburg auszuschließen sein. 
Auszuklammern ist aus dieser Betrachtung. die sich 
zum ubenlviegenden Teil noch auf das romanische 
Schrifttum des 12. Jahrhunderts bezieht, die Genesis- 
und Physiologushandschrifl (Klagenfurt. Landesarchiv. 
Cod. 6119)? Diese gesonderte Behandlung ist vor 
allem deshalb notwendig, weil die Schrill der Genesis 
nicht mehrder romanischen, sondern schon derfrühgo- 
tisohen Stilepoche zuzuordnen ist. Es ist also eine Ent- 
stehung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts an- 
zunehmen. Eine solche Datierung ergibt sich vor allem 
aus den starken Brechungen der Buchstaben (vgl. 
Abb. 16) und den intensiven manieristischen Ausfor- 
mungen" (Häkchen. Verdickungen. übertriebene 
Punktierungen in und an den Buchstabenkörpern) der 
einzelnen Satzmajuskeln und Initialen. Auch vergleich- 
bare Schriftzeugnisse. die ähnliche Manierismen auf- 
weisen (vgl. z. B. St. Peter. Codd. a I 26. a Vll 29 oderVlll 
31) gehören dem genannten Zeitraum" an. Parallelen 
aus Mllistälter Handschriften ergeben sich vor allem zu 
Nachträgen im Missale (Bl. 4v - Srfs und im Totenbuch 
(Klagenfurt. Landesarchiv. Cod. 6736. Bl. 137r)"'. Auch 
für die Frage der Lokalisierung ist die genannte Datte- 
rung von Bedeutung. da zum Vergleich andere Text- 
zeugen beigezogen werden müssen als bisher. Obwohl 
diese Thematik nicht behandelt werden kann. ist auch 
hier wie beim Missale an eine Kärntner Entstehung zu 
denken. Anhaltspunkte für eine solche Einordnung 
ergeben sich vor allem aus den Eigenheiten der oben 
angesprochenen manleristischen" Erscheinungen der 
Satzmajuskeln und Initialen und dem urtümliohen" 
Gesamtcharakier der Schrift. Unterstützt könnte eine 
solche Lokalisierung auch noch durch den naiv-flüchti- 
gen Stil" der Illustrationen werden. 
3. Die künstlerische Ausstattung 
Die Miniatur Gregors des Großen" (Bl. 7v; Abb. 1) und 
die Zeichnungen der Sternkreisbilclerm (Bl. 83V - ß9r; 
vgl. Abb. 4 und 5) bildeten in der Forschung bisher 
immer einen entscheidenden Anhaltspunkt für eine 
Lokalisierung des vorliegenden Sakramentars nach 
Salzburg. Maßgebend für eine solche Einordnung 
waren stilistische Zusammenhänge" mit den Deckfar- 
benbildern und den Federzeiohnungen des Antiphonars 
von St. Peter (Wien, ÖNB, Cod., Ser. n. 2700). Diese 
Feststellung ist richtig. da sowohl In der Rahmenverzie- 
rungm, im Gewandsfilmi oder auch in der Zeichnung 
des Faldistoriumsm" auffallende Parallelen zu den 
Miniaturen des genannten Antiphonars erkennbar sind. 
Andererseits weist das Gesicht (rundere Form. stren- 
gere Gesichtszüge. naturaiistischerer Ausdruck) deut- 
liche Unierschiedem" zur Saizburger Vorlage auf. Ab- 
weichungen lassen sich aber auch an der Darstellung 
der zweispitzigen Mitra erkennen. da diese in Salzburg 
nur bei den fortschrittlicheren Federzeichnungenws, 
nicht aber bei den byzantinistisch geprägten Deck- 
farbenbiidern" anzutreffen ist. Auch die hocheni- 
wickelten. naturnah gezeichneten Tierdarsteilungenw 
(vgLAbb. 5).die ein neu erwachtes Interesse an den phy- 
siologischen Gesetzmäßigkeiten der Natur vorausset- 
zen, haben mit den analogen Zeichnungen in anderen 
Handschriften der Salzburger Schule nur wenige 
Gemeinsamkeiten. Dort wird vielmehr stilisierten" 
Darstellungen der Vorzug gegeben. Der individuelle 
Charakterder Dinge interessiert noch nicht. Hervorzu- 
heben sind schließlich auch noch die Besonderheiten 
innerhalb der Farbskala. wie das Erbsgrün und Hellblau 
in den Bildhintergründen und das Gelb im Nimbus des 
Gregorbildes und den äußeren Ringen derTierkreisdar- 
Stellungen. Das zuletzt genannte Gelbm" bietet darüber 
hinaus auch noch insofern einen Lokalisierungshin- 
weis, als es vorwiegend in zeitgenössischen Hand- 
schriften des Kärntner und Steiermärkischen Raumes 
Verwendung findet. 
Am deutlichsten gegenüber Salzburg sind jedoch die 
Unterschiede in der Ornamentik der roten Federzeich- 
nungsinitialen(Abb.2und3).dieschlankeSpiralranken. 
plastisch entfaltete und reich schraffierte Endblätter 
aufweisen, aber im Gegensatz zum zeitgenössischen 
Saizburgerm" Typus (Abb. 7 und 8) keine Blüten besit- 
zen. Eine Besonderheit steilen aber auch die abge- 
trepptenm Rahmungen der Initialen (Abb. 2 und 3) dar, 
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