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Volltext: Heinrich Freiherr von Ferstel

schon einen Theil seiner Aufgabe. Nur selten entschloss sich Ferstel, der von dem 
Schüler getroffenen Wahl — die derselbe allerdings auch zu begründen im Stande 
sein musste — entgegenzutreten. Desto strenger aber ging er vor, wenn sich der 
Schüler in gewagten Combinationen ergehen wollte, denn es widerstrebte dem künst 
lerischen Gefühle Ferstels, das miteinander zu vermengen, was seinem Ursprünge 
nach nicht zusammengehörte. Nichts aber verurtheilte er schärfer als einen 
Verstoss gegen die strenge Logik der Baukunst und gegen die Gesetze 
einer rationellen Bautechnik. Ferstel erkannte mit voller Klarheit die eigen- 
thümliche Stellung, welche die Baukunst vermöge ihres innigen Zusammenhangs mit 
den technischen Disciplinen unter den übrigen Künsten einnimmt. Er erfasste sie nach 
ihrem Doppelwesen als die erhabenste unter den Künsten, zugleich aber auch als die 
höchste unter den technischen Disciplinen. 
Mit dieser flüchtigen Skizze glaube ich doch die Grundzüge dargelegt zu 
haben, welche die Schule Fersteis kennzeichnen. Jene Uniformität, welche gemeinhin 
als äusseres Merkmal einer Schule im weiteren Sinne des Wortes angesehen wird, 
wäre im schroffsten Widerspruche gewesen mit der Auffassung, welche Ferstel von 
dem Wesen der Baukunst hatte und die ihren Ausdruck auch in seiner Lehrmethode 
finden musste. 
Eine stattliche Reihe von Architekten und Lehrern der Baukunst sind aus dieser 
Schule hervorgegangen, so die Architekten Freudenberg (Warschau), Herz (Cairo), 
Lang (der Erbauer des Künstlerhauses in Pest), die diplomirten Architekten v. Löw 
und Mayreder (Wien), die Architekten Niedzielski (seit dem Tode Ferstels mit 
der künstlerischen Leitung der Vollendungsarbeiten am Universitätsbau betraut), Pet- 
schacher (Pest), Rudolf (Chicago), Unger (Wien) u. v. A.; dann die Professoren 
Berger (Salzburg), Gunolt (Graz), Linguist (Krakau), Raubal (Reichenberg) 
u. v. A. Sie alle sind den Lehren treu geblieben, die der Meister ihnen ins Herz ge 
pflanzt, die ihnen nun bei der Ausübung ihres Berufs ein sicherer Führer geworden 
und deren hohe Bedeutung darin lag, dass sie, einem vornehmen Gemüth entsprossen, 
nicht nur den Geist, sondern den ganzen Menschen veredelten. 
i, m. 
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