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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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2. die eifrigere Pflege, welche in neuerer Zeit das Landschaftsfach 
gefunden; 
3. die häufigere Anwendung der Photographie zur Reproduction 
von Architektur- und Industrieobjecten; 
4. das Streben, auch die neueren Vervielfältigungsmethoden bei uns 
einzubürgern. 
Ein hervorragender Schriftsteller auf dem Gebiete der Photographie, 
welcher auch dem ästhetischen Theile dieses Faches eine besondere Auf 
merksamkeit gewidmet hat, sagt: »Die Erfahrung hat gezeigt, dass die 
schärfste, fleckenloseste und überhaupt technisch vollendetste Photographie 
eines Portraits oder einer Landschaft einerseits gänzlich unwahr er 
scheinen, anderseits vollkommen missfallen kann, wenn nicht in der 
selben die Gesetze des Schönen beachtet sind«, und an einer anderen 
Stelle: »Der Photograph kann keinem idealen Gedankenflug folgen, nicht 
die Gebilde einer schaffenden Phantasie in Marmor oder in Farben hin 
zaubern, seine Aufgabe ist: Wiedergabe der Natur. Man verlangt von 
ihm höchstens eine schöne Wirklichkeit, Wahrheit in gefälliger 
Form.« 
Die Erfüllung dieser Anforderung ist keine leichte, denn der Pho 
tograph muss^dafür sorgen, dass an der aufzunehmenden Person das Cha 
rakteristische hervortritt, dass alle anderen nur nebensächlichen Theile 
zurücktreten; er muss sowohl das Original in passender Weise vorbereiten, 
als auch die hergestellte Matrize entsprechend modificiren. Der Photograph 
muss das Original von jener Seite aufnehmen, an welcher etwaige Mängel 
am wenigsten hervortreten, er muss durch verschiedene Kunstgriffe letz 
tere thunlichst zu verdecken suchen. 
Bekannt ist in photographischen Kreisen ein Blatt, auf welchem ein 
launiger College einunddieselbe Person in 2 5 verschiedenen Stellungen 
und mit verschiedenem Arrangement photographirte, um den Einfluss von 
Stellung, Beleuchtung und Umgebung zu zeigen. Mancher Laie be 
merkte nicht, dass alle 25 Aufnahmen das Portrait derselben Person waren. 
Was die gefühllose Platte nicht zu leisten vermag, das muss eben der 
Photograph durch künstlerische Anordnung und durch kleine Nachhilfen 
leisten. 
.In diesen beiden Richtungen hat vorzugsweise Wien in den letzten 
Jahren eine hervorragende Bedeutung erhalten, und Wiener Schauspieler-, 
vorzugsweise aber Mädchenportraits sind ein in allen Ländern Europa’s 
ja sogar Amerika’s gesuchter Artikel des Kunsthandels geworden. 
Das Portraitfach war auf der Ausstellung vertreten durch die 
Firmen: V. Angerer, Adele, J. Gertinger, Dr. Heidt, J. LÖwy, 
Fritz Luckhardt, C. Matzner, Prof. Mayssl (Brünn), E. Raben 
ding, Schrank & Massak, Se b astianutti (Triest), Dr. Szekely. 
Alle Dimensionen, von der Visitkarte bis zum lebensgrossen Bilde, directe 
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