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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Zwar hatte es vor Jahren den Anschein, als ob in der Wiener 
Staatsdruckerei eine Pflanzschule für Photographie und für ihre Verbin 
dung mit den anderen graphischen Künsten geschaffen worden wäre, doch 
die eigenthümlichen Erfahrungen, welche der Erfinder einer lebensfähigen 
Methode machen musste, zeigten, dass in der betreffenden Abtheilung 
nicht der Geist der freien Forschung und des uneigennützigen, eben nur 
die Förderung des Faches berücksichtigenden Strebens zur Geltung kam. 
In neuerer Zeit scheint die Aufgabe der Staatsdruckerei eine wesentlich 
andere zu sein, als ihr wenigstens zum Theile in früherer Zeit gestellt 
war. Die Aufgabe als Musteranstalt, als eine Art Versuchsstation wirk 
sam zu sein, wurde ihr entzogen. 
Auch am physikalischen Institute der Wiener Universität hatte unter 
der Leitung des um die Einführung der Photographie in Oesterreich 
hochverdienten Freiherrn von Ettingshausen die Photographie 
wenigstens in dem engen Kreise der Seminaristen einige Pflege gefunden, 
doch konnte dieselbe mit Rücksicht auf den eigentlichen Zweck der Lehr 
anstalt nicht in der Weise ausgedehnt werden, wie dies für die erfolg 
reiche Entwicklung der verschiedenen photographischen Zweige insbeson 
dere bei den gesteigerten Anforderungen der Gegenwart wünschenswerth 
gewesen wäre. 
Man hat bei uns für Hüttenmänner Curse über Metallurgie und 
Probirkunde, für Landwirthe chemische Versuchsstationen, für Weber 
eigene Webereischulen, für Maler specielle Curse über Physik und Chemie 
in das Leben gerufen. Sollte die Photographie mit ihren Anwendungen 
auf alle Zweige der reproducirenden Künste unberücksichtigt bleiben? 
Gewiss würde das Fach sehr gewinnen, wenn an die Stelle der Empirie 
ein Arbeiten auf Grundlage einertüchtigen theoretischen Vorbildung treten 
könnte. 
Man wird uns vielleicht einwenden, dass an anderen Orten, z. B. 
in London, manche der neueren photographischen Methoden bereits ohne 
solche Unterstützung eine eifrigere Pflege gefunden hat, als bei uns. Wer 
aber bedenkt, zu welch billigen Bedingungen in London neuen Ideen 
bedeutende Capitalien zur Verfügung gestellt werden, und wer die Ge 
schichte so mancher der einschlägigen Unternehmungen studirt, wird 
einräumen müssen, dass wir unter ungleich ungünstigem Verhältnissen 
arbeiten müssen. 
Kehren wir nach diesem Excurse zum eigentlichen Gegenstände 
zurück, so können wir trotz der eben geschilderten Verhältnisse auf 
manche gelungene Leistung hinweisen. 
Der Kohle- oder richtiger gesagt Pigmentdruck fand an Herrn 
Hofgärten-Director Franz Antoine einen Vertreter, indem dieser aus 
gezeichnete Dilettant einige in schwarzer, rother und Bronzefarbe her 
gestellte Reproductionen linearer Zeichnungen ausstellte. Das hiebei be 
nützte Verfahren gehört zu den älteren und ist eben nur für lineare Dar-
	        

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