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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Stellungen, also zur Reproduction von Holzschnitten, Kupferstichen, Feder 
zeichnungen u. dgl. m. geeignet. Ebenso hatte Herr Hauptmann Schöpf 
einige sehr gelungene Pigmentbilder ausgestellt, worunter vorzugsweise 
die Reproduction einer gewerblichen Zeichnung durch die Schärfe der 
Linien und die Reinheit des Papieres sich auszeichnete. Herr Leth, 
welcher bereits seit längerer Zeit mit grossem Fleisse Versuche über die 
neueren Druckmethoden anstellt, hatte ebenfalls einige Blätter aus diesem 
Gebiete gebracht. Doch der Pigmentdruck mit Uebertragung, welcher 
auch die Wiedergabe der Halbtöne zulässt und der von Braun in Dör 
nach sowie von der Autotype Fine Art Company in London, endlich 
auch in dem photographischen Departement der k. Artillerie in Woolwich 
in grösserem Massstabe ausgeführt wird, war nicht vertreten. Wir wollen 
hiemit uns gar nicht für den Pigmentdruck mit Uebertragung allzu warm 
aussprechen, da bei manchen Modificationen desselben ein Abschälen der 
Bildschichte nach längerer Zeit beobachtet wurde, wir wollten eben be 
tonen, dass nur jene Methode des Kohledruckes zur Anschauung gebracht 
wurde, welche für lineare Zeichnungen practicabel ist. 
Die Anwendung des Staubfarbenbildes zur Uebertragung von 
Photographien auf den Holzstock brachte Jul. Leth in einer schonen 
Suite von Blättern nach Federzeichnungen alter Meister zur Anschauung. 
Diesem unermüdlichen Experimentator auf diesem Gebiete ist es bei 
seiner Ausdauer gelungen, durch Anwendung des bisher für die Email 
photographien vorzugsweise verwendeten Verfahrens, lineare Zeichnungen 
auf jedes beliebige Mass reducirt mit grösster Treue und bei völliger 
Schonung des Holzstockes vor allen Einwirkungen von Chemikalien auf 
den letzteren zu übertragen und auf diese Weise dem gewissenhaften 
Xylographen die Möglichkeit zu bieten, ein wahres Facsimile zu liefern. 
Leth hatte durch Nebeneinanderstellen eines für den Schnitt vorbereiteten 
Holzstockes, des vollendeten Schnittes und des Druckes sein Verfahren 
trefflich illustrirt. Die Festpublication des k. k. Museums für Kunst und 
Industrie und eine grosse Zahl von Illustrationen, welche in Fachzeit 
schriften enhalten sind, zeigen die Wichtigkeit des Verfahrens und be 
weisen die Anwendbarkeit desselben. Mit grösster Anerkennung müssen 
wir jedoch hiebei des Bad er'sehen Ateliers gedenken. 
Wir müssen hier der Versuche gedenken, welche gemacht wurden, 
dieses Verfahren auch zur Vervielfältigung anderer als linearer Zeich 
nungen zu verwenden. Diese Benützung der sogenannten Photoxylo 
graphie setzt aber ein grosses Verständnis für die Wiedergabe der ver 
schiedenen Töne durch Strichlagen, demnach eine gewisse Vorbildung des 
Xylographen voraus, eröffnet aber auch die Möglichkeit einer den Inten 
tionen des Autors der Zeichnung oder der Natur des Gegenstandes nicht 
entsprechenden Interpretation der Photographie. Dennoch müssen wir be 
kennen, dass wir bereits in dieser Richtung Resultate zu beobachten Ge-
	        

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