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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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heit und Klarheit gleich ausgezeichneten Renaissanceschrift zu, in welcher 
auch das Vorliegende 'gedruckt ist, und die hoffentlich dazu beitragen 
wird, den vollständigen Sieg der Antiqua über die Fractur und damit 
die Befestigung des Styls gegenüber der Willkür auch auf diesem Gebiete 
zu beschleunigen. , . , 
Erzeugnisse der Buchdruckerpresse waren ausgestellt von der K. k. 
Hof- und Staatsdruckerei — eine Auswahl ihrer berühmten Drucke 
arabischer, syrischer, kalmükischer, chinesischer etc. Texte —, C. Ge 
rold’s Sohn — eine bedeutende Anzahl würdig und geschmackvoll aus 
gestatteter Bücher, welche zugleich ein Bild der umfassenden Verlags- 
thätigkeit dieser Firma gewährten. Typo- und lithographische Arbeiten 
von Engel & Sohn, Ed. Sieger, L. C. Zamarski (sämmtlich m 
Wien) und A. Trassier in Troppau — Werthpapiere der verschieden 
sten Art, Formularien u. dgl. — zeigten das Bestreben, Zweckmässigkeit, 
zu welcher in diesem Zweige auch eine die Nachahmung erschweren e 
complicirte Art der Herstellung gehört, mit geschmackvollem Arrange 
ment der Schriften, Embleme u. s. w. zu vereinigen. Autographie aut 
Stein und Photolithographie war durch O. Weigel vertreten. 
Einen'höchst erfreulichen Aufschwung hat in den letzten Jahren der 
Holzschnitt genommen. Das Verdienst R. v. Waldheim’s um diesen 
Zweig der reproducirenden Kunst ist ein bleibendes. Erst seinem, etwa 
1856 gegründeten Institute verdanken wir die Herstellung von Holzschnitt 
arbeiten in Wien, welche künstlerischen Anforderungen genügen. Gegen 
wärtig scheint dasselbe sich freilich mehr auf Illustrationen zu populären, 
für massenhaften Vertrieb berechneten Publicationen zu verlegen., Desto 
entschiedener wird die künstlerische Richtung von F. W. Bad er’s noch 
junger Anstalt für Holzschneidekunst gepflegt. Die Proben von figuralen 
und landschaftlichen Darstellungen weisen nicht nur hohe technische Voll 
endung, sondern auch klare Erkenntniss des eigentümlichen Charakters 
und der Grenzen dieses Vervielfältigungsmittels auf, und die für das 
Oesterr. Museum ausgeführten Nachbildungen Dürer’scher Trachtenbilder 
dürfen wohl als bahnbrechend für den Farbenholzschnitt angesehen werden. 
Ein Schüler Bader’s, F. Bartel in Prag, hatte Vorzügliches in Alpha 
beten, Costümbildern u. a. m. ausgestellt. 
Wenn aber frühere langjährige Vernachlässigung der meisten gra 
phischen Künste uns nöthigt, schon mit dem Erfolge zufrieden zu sein, 
wo wir sagen können: wir thun es jetzt dem Auslande gleich; so hat 
ein bestimmter Zweig sich rasch den Weltmarkt erobert: der lithogra 
phische Farbendruck. Ueber alle Meere gehen die Wiener »Oelfarben- 
druckbilder« oder Chromolithographien. Und das ist nicht nur begreiflich, 
sondern auch erfreulich. Man braucht nicht alle die vermittelst der Stein 
druckpresse hergestellten Copien von Oelbildern zu billigen, welche von 
Conrad Grefe, Ed. Holzel, Katzianer & Reichmann, Reiffen- 
stein & Rösch (sämmtlich in Wien) ausgestellt waren; mehrfach hatten
	        

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