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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

sie werden nur Eingeweihten ein Bild von der Richtung der Kirchendeco- 
ration geben, die Fr. Schmidt verfolgt. Glücklicherweise wird die Innen- 
decoration der Weissgärber Kirche wenigstens in der Wanddecoration in 
der nächsten Zeit vollständig fertig und es wird ausserhalb der Ausstellung 
möglich sein, die charakteristischen Bestrebungen auf dem Felde der 
Wanddecoration zu verfolgen. E - 
XXIV. 
Hausindustrie. 
(Südslavische. Hausindustrie. Felix Lay, Fr. Fischbach, die Gablonzer und Grödener 
Hausindustrie.) 
Das Oesterr. Museum darf sich rühmen, die erste Anstalt gewesen 
zu sein, welche auf die volkswirtbschaftliche Bedeutung der Hausindustrie 
Oesterreichs hingewiesen hat. In manchen Ländern ist die Hausindustrie 
gänzlich erstorben. In der Österr. Monarchie hingegen gibt es Richtun 
gen der Haus-Industrie, die, wie die Weberei und Stickerei in der Buko 
wina, in Slavonien und in der Militärgrenze, auf jahrhundertelangen 
Traditionen beruhen, und wieder gibt es Haus-Industrien, wie die Holz 
schnitzereien im Grödnerthale in Tirol, die Glasraffinene zu Haida, 
Stein-Schönau und Gablonz in Deutschböhmen, welche die Frucht einer 
jüngeren gewerblichen Volksthätigkeit sind. 
Von der culturhistorischen Bedeutung dieser Hausindustrien wollen 
wir hier absehen; von diesem Gesichtspunkte aus sind die Hausindustrien, 
welche auf alten historischen Traditionen beruhen, als nichts anderes zu 
betrachten, wie die Ueberreste der grossen gemeinsamen gewerblichen 
Thätigkeit aller indo-germanischen Volksstämme, mögen diese] nun heutigen 
Tages slavische, germanische oder romanische genannt werden. 
Unser Standpunkt ist in dieser Sache weder der nationale, noch der 
culturhistorische, sondern rein der kunstgewerbliche. 
Vom gewerblichen Standpunkte aus betrachtet hat diese Volksthätig 
keit ihre ganz besondere Bedeutung, insbesondere dadurch, dass sich m 
derselben gute Muster, gute Techniken und ein gesunder Farbensinn er 
halten hat. Durch ein Geschenk des Herrn Felix Lay in Essegg ist das 
Oesterr. Museum im Stande gewesen, ein anschauliches Bild der kunst 
gewerblichen Haus-Industrie Slavoniens darzustellen. 
In dieser kleinen aber gewählten Sammlung, welche dem Oesterr. 
Museum durch Herrn Felix Lay zum Geschenke gemacht wurde, sind 
Töpferei, Handweberei, Stickerei, Goldschmiedekunst, kurz die verschie 
denen Richtungen kunstgewerblicher Thätigkeit vertreten. Was auf diesem 
kleinen Raume geboten wurde, ist stylvoll und charakteristisch. Herr 
Felix Lay ist aber nicht dabei stehen geblieben, seine Kenntniss südsla- 
vischer Kunstthätigkeit vom Standpunkte der Liebhaberei auszubeuten, er 
sucht dieselbe sehr verständig zur Hebung des National-Wohlstandes
	        

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