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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

Slavoniens zu verwenden. Um die in der Hausweberei Slavoniens vor 
handenen Muster praktisch zu verwerthen und den slavonischen Geweben 
verschiedener Art erhöhten Eingang auf dem europäischen Markte zu 
verschaffen, hat derselbe sich mit dem Lehrer an der Kunstschule in 
Hanau, Herrn Friedrich Fischbach, der sich das Studium der Flächen- 
Decoration zu einer besonderen Aufgabe gesetzt hat, verbunden, und so 
eben in Farbendruck ein Werk über südslavische Ornamentik hinausge 
geben, das sich auf der Musealausstellung befindet und ganz geeignet 
ist, die Zwecke zu erfüllen, die mit der Herausgabe dieses Werkes ange 
strebt werden. 
Von jener Art Haus-Industrie, welche moderneren Ursprunges, ist 
relativ nur weniges auf der Musealausstellung vorhanden und zwar einige 
bemalte Holzfiguren aus dem Grödnerthale, welche Herr Purger aus 
St. Ulrich eingeschickt hat und von denen bereits in der Abtheilung über 
Sculptur die Rede war, und ausserdem noch sind einige Glasschliffe aus 
Gablonz in jüngster Zeit zur Ausstellung gekommen, Imitationen von 
Edelsteinen aus freier Hand gearbeitet. Allerdings muss noch hinzugefügt 
werden, dass der grösste Theil dessen, was als Glasschliff und Glasdeco- 
ration in der Abtheilung für Glas zur Ausstellung kam, wohl als nichts 
anderes zu betrachten ist, wie als Hausindustrie jener Bezirke Deutsch 
böhmens, von denen eben die Rede war. 
Es ergibt sich auf den ersten Blick, dass diese moderne Hausindu 
strie von einem ganz anderen Standpunkte zu betrachten ist, als die alt 
historische Slavoniens. Diese moderne Hausindustrie hat alle. Fehler und 
alle Vorzüge des modernen Industrialismus und bedarf zu ihrem Gedeihen 
aller jener Unterstützung, jener aufmerksamen Pflege auch nach der 
comrtierziellen Seite hin, ohne welche eine im grossen Style geübte In 
dustrie heutigen Tages nicht mehr gedeihen kann. Und diese Unter 
stützung wird dieser Hausindustrie in jüngster Zeit in grossem Masse zu 
Theil, vor allem dadurch, dass Schulen errichtet werden, in welchen die 
Arbeiter, alt und jung, welche auf weiten Gebieten in kleinen Häusern 
zerstreut wohnen, Gelegenheit finden sich fortzubilden und die so gewon 
nene Geschicklichkeit in erhöhtem Grade zu verwerthen. E. 
XXV. 
Bemerkungen über das Verhältniss der Grossindustrie \ur Kunst. 
Das Verhältniss der Grossindustrie zur Kunst nach allen Seiten hin 
klar zu legen gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Was hier gesagt 
wird, kleidet sich in die bescheidene Form von Bemerkungen und diese 
sollen sich auch nur auf das beschränken, wozu die Ausstellung Anlass gibt. 
Von den Grossindustriellen sind mehr erschienen, als eigentlich er 
wartet wurde. Das materielle Interesse führt dieselben nicht auf eine
	        

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