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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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In erster Linie ist in dieser Beziehung die Fabrik Philipp Maas 
& Söhne zu rechnen. Grossindustrielle von europäischem Range, haben 
Ph. Haas & Söhne die gänzlich veraltete Decoration von Teppichen, Go 
belins, Decken fast ganz aufgegeben, und bewegen sich auf der Höhe des 
modernen Geschmackes, während ihre Concurrenten sich mit Dessins be 
gnügen, die über dem Mass des Gewöhnlichen in der Regel nicht stehen. 
Nicht die Mode beherrscht Phil. Haas & Söhne, sondern sie beherrschen 
und leiten Mode und Publicum, und das Publicum folgt gerne, sobald es 
nur merkt, dass es wirklich eine geschmackvollere Waare erhält. Das 
Verdienst, die Geschmacksreform in dieser Branche angeregt und durchge 
führt zu haben, gebührt in erster Linie Herrn Ed. R. v. Haas. 
Aehnlich wie bei Phil. Haas & Söhne ist es mit der Anstalt für 
Kunststickerei von Carl Giani, der es verstanden hat, den ganzen Zweig 
der Stickerei und Malerei für kirchliche Kunst auf eine stylgerechte Bahn 
zu lenken, der sich, wie die Musealausstellung lehrt, mit gleichem Ge 
schick auf die Möbelstofffabrication und verwandte Industriezweige wirft. 
Ein wichtiges, hieher gehöriges Capitel ist die Eisenindustrie und 
die Fabrication von Bauornamenten. Die Eisenindustrie ist auf der 
Musealausstellung nur durch einige Eisengüsse aus der fürstl. S alra 
schen Eisengiesserei in Blansko vertreten und durch die prachtvoll 
polychrome Schulstiege, aus geschmiedetem Eisen, die Eisengitter an den 
Fenstern des Risalites und die Eisenthüren, hervorgegangen aus der 
Fabrik Griedl. 
Ausgeführt nach den Zeichnungen des Architekten H. v. Ferstel sind 
das Musterarbeiten, wie sie nur selten erzeugt, weil selten Gelegenheit ge 
boten wird, sie zu schaffen. Die Figuren aus der F. Salm’schen Erzgiesserei 
sind grossentheils nach antiken Figuren gearbeitet; sehr schön im Gusse 
und ganz geeignet zur Verzierung von Gärten und Hallen. Nur im Gross 
betriebe ist es möglich, derlei Figuren zu produciren. 
In diese Kategorie gehören auch die Producte der Berndorfer Metall- 
waaren-Fabrik Schöll er & Co mp., die ihre technisch vortrefflich aus 
geführten Artikel auf eine eminente Höhe bringen könnten, wenn sie auf 
Herstellung guter Modelle, Herbeiziehen künslerisch vollständig gebildeter 
Kräfte das nöthige Gewicht legen würden. Auch Klinkosch, Hollenbach, 
Schmeidler gehören, allerdings mit Artikeln, die auf der Ausstellung nicht 
vertreten sind, in den Kreis der Grossindustrie. 
Die Bauornamentik ist heutigen Tages theilweise an die Grossindu 
strie gewiesen. "Wie vortrefflich diese ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie, 
geleitet durch ein künstlerisches Gewissen und künstlerisches Verständniss, 
am rechten Platze in Verwendung kömmt, zeigen alle Arbeiten, die am 
Museum Vorkommen, in erster Linie die Steinarbeiten von Wasser 
burger und der Stuccolustro von Detoma, der vortrefflicher nicht 
gearbeitet werden kann, als es geschehen ist. 
Als grossindustrielle Ausstellungsobjecte erscheinen die Producte der
	        

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