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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Schritte gethan, aber immer blieb es bei den ersten Anläufen und nie 
kam es zu einem wirklich praktischen Resultate. Die Wiener Weltaus 
stellung scheint die Gründung eines solchen Gewerbe-Institutes der Aus 
führung etwas näher zu rücken. Baron Schwarz war es, der gleich 
beim ersten Auftreten als Leiter der Wiener Weltausstellung es aussprach, 
man müsse diese benützen, um auch bleibende, nicht nur vorübergehende 
Resultate zu erzielen. . 
Schon zu der Zeit, wo Baron Schwarz als Secretär des n. o. Ge 
werbevereines wirkte, hat er Gelegenheit gehabt, die hier berührten Mängel 
unseres Gewerbelebens kennen zu lernen. Beinahe zwei Jahrzehnte hat 
sich derselbe im Auslande bewegt und Gelegenheit gehabt, die Industrie 
des Auslandes zu studiren. Und wer wie er so eingeweiht ist in die 
Zustände der Industrie des Auslandes, in die Ursachen ihres Gedeihens 
und Wachsthums, dem konnte in dem Augenblicke, wo er m die Hei- 
math zurückgerufen wurde, um die ehrenvolle Mission des Leiters der 
Wiener Weltausstellung zu übernehmen, der Abstand nicht entgehen zwi 
schen der Fachbildung des Gewerbestandes des Inlandes und der des Aus 
landes, insbesondere Frankreichs, Englands, Belgiens u. s. f. . Er regte 
daher sogleich die Idee an, man müsse die Weltausstellung benutzen, um 
ein Gewerbe-Institut (Athenäum) in das Leben zu rufen, welches geeignet 
ist, die eben berührten Lücken in der gewerblichen Ausbildung, insbeson 
dere der Kleingewerbe, entsprechend auszufüllen. 
Dieses Institut soll sich an unmittelbare praktische Zwecke an- 
schliessen, die dringendsten Bedürfnisse des Gewerbestandes Wiens befrie 
digen und sich in dem Masse erweitern und ausbilden, als es durch die 
äusseren Umstände geboten wird. So auf dem Boden reeller praktischer 
Bedürfnisse aufgebaut, ohne den Arbeiterstand und das Kleingewerbe 
durch hohle Phrasen auf den Boden nie zu erfüllender Wünsche zu leiten, 
wird ein solches Gewerbe-Institut nicht blos viel dazu beitragen, die 
Arbeiterfrage, wenigstens nach einer Seite hin, einer vernünftigen Lösung 
zuzuführen, es wird auch andererseits einen unmittelbaren praktischen 
Nutzen haben, indem es die technologische Ausbildung fordert und die 
Arbeiter selbst geschickter und gebildeter macht, als sie es bisher theil- 
weise sind. 
In dem Augenblicke, wo diese Zeilen zum Drucke gegeben werden, 
ist bereits ein Comite thätig, um die ersten Grundzüge eines solchen 
Gewerbe-Institutes mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der 
Kleingewerbe Wiens zu entwerfen. 
Geht man von diesen ausschliesslich technischen Lücken in der 
Kunstgewerbe - Ausstellung zu denjenigen über, welche sich mehr der 
künstlerischen Seite nähern, so muss vorerst bemerkt werden, dass in 
Oesterreich überhaupt einige Zweige der Kunstindustrie noch gar nicht 
oder nur ungenügend betrieben werden, und andererseits auch bestimmte
	        

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