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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Herr Ohrfan dl noch Steinarten, die verdienten, hier näher kennen gelernt 
zu werden. Auf der letzten Grazer Ausstellung kamen sehr schöne Arten 
von Sandstein zur Geltung. 
Tiroler Marmor fehlt ganz und die Laaser Marmorbrüche haben 
hier kein Depot, haben keine Vertreter und keine Preiscourants. 
Alle inländischen Marmorarbeiter werden durch die Rührigkeit und 
Geschäftsgewandtheit der mit den Carrareser Marmorhändlern in Verbin 
dung stehenden Italiener übertroffen, die es vortrefflich verstehen, ihre 
Gegner und Rivalen bei Seite zu schieben und die italienischen Marmor 
arbeiten zur Geltung zu bringen. 
Nicht immer war es in Oesterreich so. Die Statuen im Schönbiunner 
Schlossgarten sind aus Tiroler Marmor; in den barocken Kirchen Oester 
reichs finden sich Arbeiten aus einheimischem Marmor von verschiedenen 
Farben und eminenten Qualitäten, deren Brüche selbst fast gänzlich ver 
schollen sind. Uns scheint es, dass es hohe Zeit wäre, sich die Intelligenz 
und den Patriotismus der Theresianischen Zeit zum Vorbilde zu nehmen 
und der einheimischen Marmortechnik eine erhöhte Aufmerksamkeit zu 
schenken. So übel wäre es nicht, wenn die Handelskammern sich bemühen 
würden, die Marmorarten ihrer Bezirke auf der Wiener Weltausstellung 
zur Geltung zu bringen, und wenn die Statthaltereien neben polnisch- 
administrativen Fragen auch nationalökonomische zum Gegenstände ihrei 
Amtsthätigkeit machen würden. 
III. 
Zeichner. 
Künstler wirken in verschiedener Art anregend und fördernd auf 
die Kunstgewerbe ein; grosse Künstler theils durch ihre Arbeiten und die 
Anregungen, die durch ihre Leistungen und die von diesen vertretenen 
Kunstrichtungen ausgehen, theils dadurch, dass sie selbst einige kunst 
gewerbliche Werke schaffen. 
In ersterer Richtung war der Einfluss der Künstler immer ein giossu 
und der Natur der Dinge nach vollkommen berechtigter; in letzterer Be 
ziehung war ihr Wirken nur dann von Erfolg begleitet, wenn sie selbst 
eine klare Einsicht in die Bedingungen eines kunstgewerblichen Productes 
gehabt, sie selbst nicht von falschen Anschauungen beherrscht waren. 
Dass dies selbst bei Künstlern ersten Ranges nicht immer der Fall war, 
zeigen manche kunstgewerbliche Versuche Moriz v. Schwind s, eines 
Künstlers, dem gewiss Niemand eine eminente Bedeutung auf dem Gebiete 
der zeichnenden Künste absprechen wird. . 
Dieser von Künstlern par excellence ausgehende Einfluss sei der 
selbe nun ein permanenter, oder nur ein, so zu sagen, stossweise erfol 
gender — reicht aber nicht aus, um der modernen Industrie zu genügen.
	        

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