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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Die Einführung des Bronzegusses geschah unter der Herrschaft des 
Schlagwortes der «monumentalen« Kunstplastik. Ob gut oder nicht gut, 
so dachte man damals, — wenn es nur monumental war. Für die Klein 
kunst, für das, was Kunstindustrie betrifft, hatte man keinen Sinn. Je 
mehr man sich unnahbaren Höhen näherte, desto näher fühlte man sich 
dem Ziele; den Himmel im Auge vergass man die Erde, ihre Bewohner 
und deren Geschichte. Dass der Bronzeguss in Aegypten und in Griechen 
land, in Deutschland und Italien den Gegensatz der monumentalen und 
nicht monumentalen Kunst und der rein künstlerischen und der bürger 
liehen gar nicht kannte, davon nahm man ebenso wenig Notiz, als dass 
der Bronzeguss oft in Verbindung mit Goldschmiedekunst und Metalltechnik 
verschiedener Art, als bürgerliches Kunstgewerbe, und nur als dieses flo- 
rirt, und dass dieser gewerbliche Kunstbetrieb die sichere breite Basis für 
den eigentlichen Bronzeguss abgab. Heutigen Tages sind wir klarer im 
Urtheile und sicherer im Handeln. Wir wissen, dass unser moderner 
Bronzeguss dem der Renaissancezeit weit nachsteht, dass wir nichts geschaffen 
haben, was sich mit den Bronzegüssen im Münchener Schlossgarten, den 
Augsburger Brunnen, dem Sebaldusgrabe in Nürnberg messen kann, von 
den Renaissance - Bronzegüssen in Florenz von Ghiberti bis Cellini und 
Gian da Bologna nicht zu reden; heutigen Tages wissen wir, dass auch 
Florenz und Nürnberg nicht Griechenland und dieses wieder nicht Aegyp 
ten im Bronzeguss erreichte. Auch der Orient, China und Japan, zeigen 
Leistungen im Bronzegusse, die den europäischen in technischer und ge- 
wissermassen auch in künstlerischer Beziehung übertreffen. 
Dazu gesellen sich Richtungen unserer Künstler und unserer Tech 
niker, welche der Entwicklung der Bronzetechnik nicht förderlich sind. 
Im Geiste der Bronzetechnik zu componiren verlernten unsere Künstler; 
sie componiren für Bronzeausführung wie etwa Schwanthaler den Brunnen 
auf der Freiung, dessen Figuren eher für Holz- oder Steinaustührung, als 
für Bronze oder Metall passen. Wie anders behandelte noch R. Donner 
seine Formen am Brunnen am Mehlmarkt, Schlüter seine Gestalten am 
Monumente des grossen Kurfürsten! Die »monumentale« Phrase hat man 
chem modernen Künstler das Verständniss für Bronzetechnik getrübt. 
Die Franzosen haben sich von diesen ideologischen Kunstanschauungen 
nicht beirren lassen. Der deutsche Kunstmarkt vor Allem empfand lebhaft 
die Lücke in der Praxis der deutschen Künstler. 
Auch in technischer Beziehung machte man daher nur nach Einer Seite 
hin Fortschritte; in anderer Beziehung blieb man zurück, nicht blos hinter 
den Leistungen des XVI. und XVII. und XVIII. Jahrhundertes , sondern 
auch hinter den Leistungen des modernen Frankreich. In dem Masse, als 
man den rein künstlerischen Gesichtskreis durch Festhalten des Standpunk 
tes der modernen »monumentalen« Plastik verengte, vernachlässigte man 
Vieles, was sich auf Kunsttechnik, auf Legirung und Färbung der Me 
talle, Patina, Vergoldung, Ciselirung, Emailtechnik und Anderes bezieht,
	        

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