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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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zubürgern , bei unserem Publicum auf keine sympathische Stimmung ge 
fallen sind. 
Was die Technik der Prägung betrifft, so zeigt sie sich als eine un 
tadelhafte ; die Färbung der Bronzemedaillen als vorzüglich gelungen. 
Graveure für Wappen etc. haben sonst nicht ausgestellt, was aus 
mehr als Einem Grunde bedauerlich ist. Herrn Jauner begegnen wir 
auf einem andern Gebiete in einer sehr glänzenden Ausstellung. Vielleicht 
werden wir die Wappen- und Siegelgraveure öfter auf der permanenten 
Ausstellung moderner Kunstindustrie des Museums, die in wenigen Wo 
chen eröffnet werden wird, begegnen. 
Auf dem Gebiete der Cameenschneidekunst ist allein Dörflinger 
aufgetreten, ein fleissiger und strebsamer Arbeiter, der, soweit es für den 
Bedarf des gewöhnlichen Frauenschmuckes nöthig ist, vollständig ausreicht 
und sich gute Vorbilder wählt. E. 
VI. 
Plastik in Elfenbein. 
(R. Sagmeister. — A. Vogel. — E. Pendl.) 
Der Freund der älteren Kunstperioden, welcher daran seine Freude 
hat zu sehen, wie deren Stylformen in der Kunst der Jetztzeit wieder 
aufleben, findet im Fache der Elfenbeinplastik in der Musealausstellung 
schöne Proben vor ; wir dürfen es mit Freude aussprechen, durchaus treff 
liche Arbeiten, wenn auch nur in wenigen Stücken und blos durch zweit 
drei Künstler vertreten. Die rein moderne Fabrication, welche blos dem 
wechselnden Geschmack des Publicums fröhnt, hat die herrlichen Eigen 
schäften dieses fast von jeder Kunstperiode auf mancherlei Weise ausge- 
beuteten Materials beinahe völlig unbenützt gelassen und ist auf sehr 
handwerksmässige, geist- und formlose Behandlung desselben auf dem ein 
fachen Wege des Drechselns beschränkt geblieben. Fabriksmässig geschnitzte 
und gedrehte Knöpfe für Manchetten u. dgl., kleine Büchschen und Ne 
cessaires, Fingerhüte für die Frauenhandarbeit, ferner kleine, noch ganz 
im Geiste der Barocke gehaltene Crucifixe und ein gewisses Genre durch 
brochener Arbeit, das ist so ziemlich alles, was in mechanischer, bedeu 
tungsloser Fabrication auf diesem Gebiete hervorgebracht wird. Zu den 
Griffen von Spazierstöcken und ähnlichem ersieht man sich gemeiniglich 
die sowohl im Gegenstand als in der Form unpassendsten Süjets, Thiere, 
ganze kleine Jagden, und alles recht eckig und stachlich , wo doch die 
, Hand bequem aufruhen und fassen soll. Jene durchbrochenen Arbeiten, 
zuweilen mit sehr grossem Fleiss in der Technik ausgeführt, sind haupt 
sächlich bei Fächern, kleinen Dosen, Brochen u. dgl. in Anwendung, 
haben jedoch nicht etwa die derartigen Leistungen der Chinesen und Japa 
nesen zum Vorbild, welche uns darin wohl Lehrer sein könnten, sondern 
enthalten meist naturalistische Blumenkränze, Thiergruppen, selbst Land-
	        

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