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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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schäften. Wenn wir von einer kleinen Madonna mit dem Kinde, ausge 
stellt vom Bildhauer Rud. Sagmeis ter in Wien, absehen, die im Geiste 
der modernen Malerei gehalten, jedoch durchaus lobwürdig, sehr zierlich 
geschnitten in einem lichthäuschenartigen Gehäuse von Holz gefertigt ist, so 
begegnen im übrigen lauter Werke, welche sich an den Styl vergangener 
Jahrhunderte anschliessen. Die Mehrzahl davon rühit von Anton Vogel, 
Drechsler und Bildhauer in : Wien, her und gehört zu dem gediegensten, 
sowohl was die Arbeit, als was die Beachtung des Styles belangt. Der 
Künstler, welcher auch Restaurator alter Elfenbeinschnitzwerke ist, hat 
sich, das sieht man sogleich, mit vielem Eifer in den Styl des Zeitalters 
hinein gearbeitet, welches die Glanzperiode unseres Kunstzweiges war, 
in jenes Genre, das vom Schlüsse des 16. Jahrhunderts bis in die Acht 
zigerjahre des nächsten Säculums andauerte und, vorzüglich an den Für- 
s! enhöfen Baiern’s, Sachsen’s, in Wien und in den Niederlanden gepflegt, 
wundervolle Sculpturen im Geiste der späteren Renaissance an den Tag 
förderte; welches vertreten ist durch Künstlernamen wie Algardi in Rom, 
Giovanni Pozzo, Quesnoy-Fiammingo, Christoph Angermayer und Johann 
Rauchmüller. Vogel hat sich in seinen Compositionen der ausgestellten 
Gefässe, zwei hohe Kannen, ein silbermontirtes Trinkhorn und der Mantel 
eines Pocals, liebevoll an die Schöpfungen dieser Meister gehalten. Wir 
finden da jene bacchantischen und sonstige mythologische Scenen in der 
selben dichtgedrängten Anordnung wieder, welche kein Fleckchen flachen 
Grund übrig lässt und das Geräth factisch mit einem Knäuel von Leibern 
ummauert, jene üppigen und etwas gedrungenen nackten Gestalten, wel 
che das glatte, glänzende Material eben so trefflich wiedergibt. Die etwas 
langgestreckt-schmächtigen Formen der beiden Kannen und die grosse 
Dünne des Trinkhornes waren durch die Beschaffenheit der verwendeten 
Zähne bedingt, indess wusste der Künstler seine Erfindungen auch diesem 
Umstande bestmöglichst anzupassen. Das einzige, was an diesen trefflichen, 
mit vollster Pietät für den Styl der Renaissance erdachten Arbeiten eini- 
germassen fremdartig berührt, ist das Ornament, welches allerdings unter 
geordnet verwendet erscheint, aber wo es auftritt, mit dem Style des figu- 
ralen Theiles nicht übereinstimmt, sondern sich als ein Kind des 19. Jahr 
hunderts manifestirt. Dies tritt an einzelnen Henkeln, besonders aber an 
dem Cabinet zu Tage, von dem sogleich die Rede sein soll. 
Dasselbe ist von schwarzem Holze gefügt, innen mit den gewöhnli 
chen Schublädchen der alten Schmuckschreine versehen und wird durch 
zwei Thürchen geschlossen. Die Aussenseiten der letzteren sind mit auf 
gelegtem Elfenbeinschnitzwerk, die Lädchen aber mit flachem Relief aus 
diesem Stoffe geschmückt, das schwarze Holz des Kastens hat keinerlei 
Verzierung. An den Thüren nun kommen Rosenbouquets und um das 
mittlere Relief ein Dornenkranz vor, deren Naturalismus zu den ebenfalls 
im Styl des 17. Jahrhunderts etwa gehaltenen Darstellungen aus der Ge 
schichte Jesu nicht stimmen. Die Reliefs selbst wirken nicht so ganz als
	        

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