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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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nachahmen. Die Renaissance hat aber nicht blos die plastische Gestaltung 
des Möbels gefunden oder richtiger gesagt vollendet, sie hat auch, was 
die romanische Epoche durch Gemälde erstrebte, das malerische Ornament 
der Flächen in der richtigen geeigneten Weise geschaffen, nämlich in ein 
gelegter Holzarbeit. So müssen wir auch nach dieser Richtung hin die 
Standmöbeln der Renaissance als die vollendetsten und kunstgerechtesten 
betrachten. 
Es kann daher für ein unbefangenes Urtheil keine Frage sein, wohin 
wir uns um Vorbilder zu wenden haben, um unsere künstlerisch gesun 
kene Fabrication in diesem Zweige wieder zu erheben. Was der Renais 
sance gefolgt ist, das liegt uns zeitlich näher und ist die Grundlage dessen, 
was wir bis heute geschaffen haben, aber eben diese Grundlage ist es, von 
der wir uns loslösen müssen, weil mit ihr auch die Abweichung von den 
richtigen Principien eingetreten ist. 
Es ist daher als ein sehr gutes Zeichen zu betrachten, dass die auf 
unserer Ausstellung befindlichen Möbel vorzugsweise den Styl der Renais 
sance zeigen, und es liegt darin, wenn in dieser Richtung mit consequentem 
Streben fortgearbeitet wird, die Bürgschaft für eine gute Zukunft. Und 
das ist immerhin ein befriedigendes Resultat, auch wenn wir im Einzelnen 
nicht alles für vollendet oder gelungen erkennen wollen. Die Gothik ist 
auffallender Weise gar nicht vertreten , und das ist gewiss ein Zeichen, 
wie wenig dieser Styl in das Leben eingedrungen ist, und wie er bisher 
nur eine Specialität gewisser Liebhaber und Schlosseigenthümer gewesen 
ist. Und auch als solche Specialität ist er bereits wieder im Aussterben, 
so dass er binnen Kurzem wohl auf die Kirche allein beschränkt sein 
wird. Einige wenige Gegenstände, namentlich mit Metallintarsien, gehören, 
wenn nicht genau dem Style, doch der Weise aus der Zeit Ludwigs XVI. an. 
Diejenigen Standmöbel, welche in Art der Renaissance gehalten sind, 
zeigen diesen Styl zum Theil blos durch den Bau und Ornament, zum 
grossen Theil aber auch durch die verschiedenartige Intarsia, wie sie der 
Renaissance eigenthümlich war. Allen voran stehen in dieser Beziehung 
die beiden Cabinetkasten, welche im kaiserlichen Aufträge gearbeitet wur 
den, beide aufs vollständigste im Styl durchgeführt, mit Verwendung sehr 
verschiedenartiger Technik. Wir finden bei dem einen, der mehr auf far 
bige Wirkung seiner Flächen angelegt ist, Intarsien von Elfenbein und 
braunem Holze in schwarzem, bei dem anderen, dessen Schmuck der 
Aussenseiten in Schnitzereien der feinsten und zierlichsten Art besteht, 
im Innern die Flächen der Schiebläden mit Tauschirarbeit von Silber auf 
Eisen bedeckt. Beide Arbeiten sind so vorragend an künstlerischem Werthe, 
allerdings exceptionelle Gegenstände, so ausgezeichnet durch die mannig 
fache und höchst vollkommene Technik, welche auf lange hinaus ein 
Muster bleiben wird, dass wir uns verpflichtet fühlen, die Namen aller 
derjenigen zu nennen, welche an diesen Werken mitgearbeitet haben. Der 
Entwurf des ersterwähnten dieser beiden Kasten, der als Schmuckschrank 
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