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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Daher genügt uns ebensowenig das weiss mattirte Glas in Rudrich’s, 
wie die Spiegel in G ruber’s Kasten. 
Den Uebergang zu den farbig oder malerisch verzierten Gegenständen 
bilden solche Möbel, welche in den Füllungen mit Maserholz versehen 
sind. Dahin gehören eine Eckkredenz und ein Speisetisch von Wiehert, 
auch ein Wandschrank in Cabinetart von Schönthaler. Dieses Genre, 
d. h. die Benützung von Flader oder Maser, stirbt, wie es scheint, mehr 
und mehr aus , und wohl mit Recht. Die Wirkung ist so rein zufällig, 
willkürlich, selbst unruhig, dass dieses bunte Holz eigentlich gar kein echt 
künstlerisches Material ist. In guten Arbeiten erscheint es eher störend 
als hebend und fördernd. 
Zahlreich sind die Möbel, welche ihren Hauptschmuck in der Intarsia 
oder Marqueteriearbeit suchen. Am nächsten an ein älteres Vorbild schliesst 
sich ein Cabinetkasten von Zugh in Graz, schwarz mit eingelegtem Elfen 
bein. Selbstständiger und feiner, ebenfalls mit Elfenbein, ist der bereits 
erwähnte etagereartige Wandschrank von Schönthaler. Tische, deren 
Platten mehr oder minder reich mit Intarsien in Holz, Elfenbein, Metall 
geschmückt sind, haben Schandl in Brünn, Schallhas, Trinkl und 
auch Schönthaler ausgestellt. Mit besonderer Vorliebe scheint sich 
der Tischler Ludwig der Intarsia zugewendet zu haben. Eine grosse 
Credenz und zwei Damensecretäre von feinen Formen und vortrefflicher 
Ausführung nebst einigen Sesseln legen Zeugniss dafür ab. Einer dieser 
Secjetäre ist bemerkenswert]! durch seine lichte Haltung; er ist von Ahorn 
mit Rosenholz eingelegt. Auch die Provinzen haben Arbeiten dieser Art 
eingesendet. Ausser den erwähnten Tischen von Schandl in Brünn 
machen sich ein Tisch und ein Betschemel von Wiesauer in Gmunden 
bemerklich, die einen wie die andern von trefflicher Technik. Man erkennt 
aber bei diesen Arbeiten, wie vorherrschend draussen noch der Mangel 
an der richtigen künstlerischen Befähigung und Beurtheilung ist. Die 
Verfertiger würden Alles leisten, wenn ihnen gute Zeichnungen und ge 
sundes Urtheil zur Seite ständen. So haben ihre Arbeiten nur einen rela 
tiven Werth; einstweilen aber wird man zufrieden sein, wenn Geschick 
lichkeit vorhanden und einigermassen der richtige Weg eingeschlagen ist. 
Bei dieser Gruppe von Gegenständen haben wir noch den Altar von 
Leimer mit theils geschnitzter, theils eingelegter Arbeit von ganz vor 
trefflicher Ausführung zu nennen, sowie den für den Grafen Edmund 
Zichy gefertigten schwarzen Wandkasten von Matyaschofsky, nach 
Zeichnung von H. Makart. Auch dieser Gegenstand hat es mit Vergol 
dung und eingefügten alten Gemälden auf malerische Haltung abgesehen. 
Die eingelegte Arbeit mit Metall hat es nahe gelegt, sich auch in 
späterem Style zu versuchen. Einige Damensecretäre von Schallhas 
und Trinkl streifen vom Styl Louis XVI. schon in das Empire hinüber. 
Aehnlicher Richtung gehört ein grosser Wandschrank von Zajda an mit 
Einlagen von Schildkrot und mit vergoldeten Bronzebeschlägen. Auch
	        

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